Leone-Klasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Regia Marina
Leone-Klasse
Destroyer Pantera.JPG   Der Zerstörer Pantera der Leone-Klasse
Überbölick
Schiffstyp: Aufklärer (it.: esploratore leggero)
1938 : Zerstörer (it.: cacciatorpediniere)
Einheiten: 3 (geplant 5)
Bauwerft: Ansaldo, Genua-Sestri Ponente
Kiellegung: ab November 1921
1.Stapellauf: 1. Oktober 1923 Leone
1.Indienststellung: 1. Juli 1924 Leone
Einsatz bis: 3. April 1941
Technische Daten
Verdrängung: 1.771 ts Standard
2.690 ts Maximal
Länge: 113,40 m
Breite: 10,36 m
Tiefgang: 3,20 m
Antrieb: 4 Yarrow-Dampfkessel
2 Dampfturbinen mit Einfachgetriebe
42.000 PS (31.300 kW)
Geschwindigkeit: 34 kn (63 km/h)
Treibstoffvorrat: 400 t
Reichweite: 2.400 sm bei 16 kn
Besatzung: 206
Bewaffnung: 8 × 120/45-mm-Geschütze (4×2)
2 × 76/40-mm-Fla-Geschütze
4 × 6,5 mm Colt MGs
ab 1931 zusätzlich:
2 × 40/39-mm-Pom-Poms
ab 1938 zusätzlich:
4 × 13,2 mm-Fla-MGs (2×2)
6 × 450 mm Torpedorohre (2×3)
ab 1930 ersetzt durch:
6 × 533 mm Torpedorohre (2×3)
52 Seeminen

Die Leone-Klasse war eine Zerstörer-Klasse der italienischen Marine. Die Klasse bestand aus drei Zerstörern, die in den frühen 1920er Jahren auf der Werft von Cantieri Ansaldo in Sestri Ponente gebaut wurden. Die Schiffe waren groß, schnell und gut bewaffnet.

Im Zweiten Weltkrieg waren die drei Zerstörer in Massaua in Eritrea stationiert und gingen am Ende des Italienisch-Britischen Feldzugs in Ostafrika verloren.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schiffe wurden im Ersten Weltkrieg als Spähkreuzer (esploratori leggere) entworfen und waren eine vergrößerte Version der damals gebauten Zerstörer. Der ursprüngliche Bauauftrag von 1917 für fünf Schiffe wurde wegen der herrschenden Stahlknappheit zurückgestellt. 1920 erfolgte die endgültige Bestellung, aber die Bauaufträge für die Leopardo und die Lince wurden schon 1920 bzw. 1921 wieder storniert. Die drei verbliebenen Aufträge wurden auf der Werft von Cantieri Ansaldo in Sestri Ponente von 1921 bis 1924 gebaut.

Die drei Schiffe führten mit vier 120 mm-L/45-Zwilligsgeschütze der italienischen Bauart „Schneider-Canet-Armstrong 1918/19“ in kraftgetriebenen Türmen auf der Mittschiffslinie. Je ein Turm stand auf dem Vorschiff und am Heck; die beiden mittleren Türme standen zwischen den beiden Schornsteinen und zwischen dem hinteren Schornstein und einem hinteren Deckshaus. Als erste Zerstörer weltweit verfügten die Einheiten der Leone-Klasse über Zwillingsgeschütze. Sie verfügten damit nur über zwei Kanonen, die direkt nach vorn oder hinten schießen konnten, waren aber mit einer Breitseite von acht Kanonen bis Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts den meisten Zerstörern der anderen Seemächte überlegen. Dazu wurden noch zwei Zwillings-Torpedororsätze vor und hinter dem dritten Artillerieturm installiert. Bei Kriegsbeginn hatten die Zerstörer zwei 40 mm-Flugabwehrgeschütze und zwei schwere Zwillings-FlaK-Maschinengewehre der Bauart Breda und waren auch als Minenleger vorbereitet und konnten bis zu 50 Minen mitführen.[1]

Einsatzgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ende der 1920er-Jahre die schnelleren Esploratori der Navigatori-Klasse in Diebst kamen, wurden sie Einheiten der Leone-Klasse meist als Flottillenführer von zwei Zerstörergeschwadern (it.: squadriglia cacciatorpediniere) eingesetzt.

Mitte der dreißiger Jahre wurden Leone, Panterea und Tigre für den Einsatz in tropischen Gebieten umgerüstet und 1935 in der italienischen Marinebasis Massaua am Roten Meer in Eritrea stationiert. 1938 erfolgte die Einstufung als Zerstörer (cacciatorpediniere).

Als Italien im Juni 1940 an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen Frankreich und Großbritannien eintrat, bildeten die drei Schiffe das 5. Zerstörergeschwader. Neben Ihnen waren in Massaua (Italienisch-Ostafrika) noch vier weitere Zerstörer, zwei ältere Torpedoboote, vier Kanonenboote, sieben Unterseeboote und fünf ältere Schnellboote stationiert. Bei den anderen Zerstörern handelte es sich um das 3. Zerstörergeschwader mit den 1926/27 fertiggestellten Nazario Sauro, Daniele Manin, Cesare Battisti und Francesco Nullo der Sauro-Klasse, die mit 1058 ts kleiner waren und nur über zwei Zwillingsgeschütze der Bauart Vickers-Terni verfügten. Die Einheiten der Regia Marina in Italienisch-Ostafrika blieben aber von der Heimat abgeschnitten und die Überwassereinheiten gingen alle während des Ostafrikafeldzugs verloren.

Ab dem 6. Juni 1940 begann die italienische Marine wegen des bevorstehenden Kriegsbeitritts mit der verstärkten Verlegung von defensiven Minensperren vor den italienischen Küsten; der Zerstörer Pantera verlegte daher am 7. Juni vor Assab zwei Sperren mit 110 Minen.[2]

Der Angriff auf den Konvoi BN 7[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Gefecht der Zerstörer mit britischen Einheiten kam es am frühen Morgen des 21. Oktober 1940 als Leone und Pantera mit den Zerstörern Francesco Nullo und Nazario Sauro der kleineren Sauro-Klasse den Konvoi BN 7 angriffen. Sie erzielten einen unbedeutenden Artillerietreffer auf führenden Transporter des Konvois. Die australische Sloop Yarra konnte auf sie abgeschossenen Torpedos ausweichen.[3] Als der Kreuzer Leander in das Gefecht eingriff, zogen sich die Italiener zurück. Leone, Pantera and Sauro konnten sich von den Briten lösen. Die Nullo wurde vom britischen Zerstörer Kimberley verfolgt, flüchtete in den Schutz der Küste und setzte sich schließlich bei der Insel Harmil auf Grund. Kimberley erhielt zwei Treffer im Kesselraum von einer Küstenbatterie und musste von Leander abgeschleppt werden. Die Nullo wurde vor einer möglichen Bergung von Blenheim-Bombern der Royal Air Force zerstört.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zerstörer verblieben in Massaua bis die Besetzung des Hafens durch britische Landstreitkräfte drohte. Sie erhielten dann den Befehl, am 31. März 1941 auszulaufen, um Ziele am Ende des Suez-Kanals anzugreifen. Ein derartiger Angriff bot zwar Erfolgsaussichten, würde aber auch den Verlust der Schiffe bedeuten, da sie keine eigene Basis erreichen konnten. Leone lief beim Auslaufen auf Grund, geriet in Brand und wurde von den Schwesterschiffen versenkt.
Danach wurde entschieden, das die beiden verbliebenen Einheiten nicht mehr bis nach Suez laufen sollten, da sie dort nicht rechtzeitig zu einem geplanten Angriff der deutschen Luftwaffe auf den Kanal eintreffen konnten. Sie sollten an einem ähnlichen Angriff der drei verbliebenen Zerstörer der Sauro-Klasse auf Port Sudan teilnehmen. Der Verband der verbliebenen fahrbereiten Zerstörer lief am 2. April 1941 mit Pantera, Tigre sowie Manin, Sauro und Battisti zu dem Angriff gegen Port Sudan aus. Battisti konnte wegen Maschinenschadens bald den Anschluß nicht mehr halten. Am 3. Mai 1941 griffen etwa zehn Seemeile´n vor Port Sudan Blenheim-Bombern der Royal Air Force sowie von Land eingesetzten Fairey Swordfish des Flugzeugträgers Eagle den Restverband an und versenkten Sauro und Manin. Die beiden anderen Zerstörer konnten entkommen. Pantera und Tigre versenkten sich selbst in der Nacht zum 4. Mai 1941 vor der arabischen Küste nahe Dschidda. Der britische Zerstörer Kingston zerstörte die in flachem Wasser versenkten Schiffe, um eine etwa geplante Bergung unmöglich zu machen. Die italienischen Besatzungen wurden in Saudiarabien interniert.[4]

Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Kiellegung Stapellauf in Dienst Verbleib
Leone 23.11.1921 1.10.1923 1.07.1924 am 1. April 1941auf Grund gelaufen, selbst zerstört
Pantera 19.12.1921 18.10.1923 28.10.1924 in der Nacht vom 3. zum 4. April 1941 selbstversenkt
Tigre 23.01.1922 7.08.1924 10.10.1924 in der Nacht vom 3. zum 4. April 1941 selbstversenkt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M.J.Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, 1995, ISBN 3-613-01426-2 (engl. Original: Destroyers of World War Two. Arms & Armours Press, London), Seite 152–153.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten 1941/1942, S.96f.,310
  2. Rohwer: Seekrieg, 6.6.– 10.7.1940 Mittelmeer / Rotes Meer, Auslegung umfangreicher Defensiv-Minensperren an den ital. Mittelmeer-Küsten.
  3. Vincent P. O'Hara: Struggle for the Middle Sea: the great navies at war in the Mediterranean theater, 1940-1945. Naval Institute Press, Annapolis 2009, S. 103, ISBN 1-59114-648-8
  4. Rohwer: Seekrieg, 1.– 10.4.1941 Rotes Meer / Ostafrika

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]