Ligne claire

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Beispiel für Ligne claire (Wandgemälde in Brüssel nach Hergés Stups und Steppke)
Ein aufwendigerer Ligne-claire-Stil (Wandgemälde der Figuren Blake und Mortimer von E. P. Jacobs)

Als Ligne claire (franz.: „klare Linie“) bezeichnet man eine Stilrichtung im Comic. Der Begriff wurde 1976 von Joost Swarte für den Zeichenstil Hergés eingeführt.[1]

Kennzeichnende Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umrisse aller Figuren und Gegenstände mit breitem schwarzem Konturstrich
  • Flache Kolorierung mit einfarbigen, stark vereinfachenden Farbflächen, etwa werden Falten in Textilien mit schwarzem Konturstrich dargestellt statt mit Farbschattierung
  • Weitgehender Verzicht auf Schraffuren oder Schatten, die Zeichnungen wirken dadurch simplifiziert
  • Die Mimik handelnder Personen wird oft abstrahierend vereinfacht. Laut dem Comiczeichner und -theoretiker Scott McCloud erleichtert der dadurch größere Interpretationsspielraum dem Leser die Identifikation mit dem Charakter.[2] Dabei können sich abstrahierte Personen vor einem realistisch gezeichneten Hintergrund abheben

Zeichner der Ligne claire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Hergé gelten vor allem auch seine früheren Mitarbeiter Jacques Martin (Alix), E. P. Jacobs (Blake und Mortimer) und Bob de Moor (Barelli) als Vertreter der klassischen Ligne claire. Zu den modernen Vertretern kann man unter anderem André Juillard, Frank Le Gall, Jacques Tardi, Theo van den Boogaard und Vittorio Giardino zählen.

Auch Yves Chaland verwendete die Ligne claire. Er wandelte sie in den 1980er Jahren zu seinem eigenen Stil ab. Dieser wird als Atomstil bezeichnet und beschäftigt sich visuell mit den 1950er Jahren. Bekannt ist der Stil aus der Serie Freddy Lombard.

Abgrenzung zu anderen Stilen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Pioniere der Ligne claire ihr Forum vorwiegend in der Comiczeitschrift Tintin fanden, diente der Begriff zeitweilig auch zur Abgrenzung gegen das konkurrierende Magazin Spirou, dessen vorherrschender Stil unter dem Begriff École Marcinelle zusammengefasst wird. Diese stilistische Grenze zwischen den Verlagshäusern hat sich jedoch mit der Zeit verwischt, da beispielsweise prägende Zeichner der École Marcinelle wie André Franquin und Peyo gelegentlich auch für Tintin arbeiteten. Auch haben Vertreter beider Schulen Stilelemente des jeweils anderen Lagers aufgegriffen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ligne claire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas C. Knigge: Alles über Comics. Eine Entdeckungsreise von den Höhlenbildern bis zum Manga. Europa Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-203-79115-3, S. 227.
  2. Scott McCloud: Comics richtig lesen. Carlsen Verlag, Hamburg 2001, ISBN 9783551721136, S. 44.