Little-Albert-Experiment

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Little-Albert-Experiment ist ein psychologisches Experiment. Es belegt die Möglichkeit klassischer Konditionierung von Menschen, speziell der Erlernbarkeit und Generalisierbarkeit von Angstreaktionen. Es wurde 1920 an der Johns-Hopkins-Universität (Baltimore, USA) von John B. Watson und seiner Assistentin Rosalie Rayner durchgeführt. Ihr Ausgangspunkt war die empiristische Annahme, dass die Anzahl der Reize, die eine emotionale Reaktion auslösen, auf einfache Weise vermehrt werden kann.[1]

Experiment[Bearbeiten]

In einer Vorstudie untersuchten Watson und Rayner die Gefühlsreaktionen des neun Monate alten Kindes, genannt "Little Albert". Man zeigte ihm jeweils kurz und zum ersten Mal in seinem Leben eine weiße Ratte, ein Kaninchen, einen Hund, einen Affen, menschliche Masken mit und ohne Haaren, Baumwolle, brennende Zeitungen und ähnliches. Das Kind zeigte dabei nie Furcht, sondern griff stets neugierig nach den Dingen. Sehr wohl zeigte das Kind allerdings Furcht, wenn es hörte, wie hinter ihm mit einem Hammer auf eine Eisenstange geschlagen wurde.

Im eigentlichen Experiment zeigte Watson "Little Albert" (er war jetzt elf Monate alt) zuerst eine weiße Ratte und ließ ihn gleichzeitig den lauten Ton der Eisenstange hinter ihm hören. Er wimmerte leicht, als er die Ratte mit der Hand berührte. Nach zweimaliger Wiederholung weigerte sich "Little Albert" bereits, die Ratte anzufassen, nach sieben Wiederholungen zeigte er bereits eine massive Angstreaktion beim Anblick der Ratte. Schließlich zeigte er auch Angst beim Anblick von der Ratte ähnlichen Reizen, nämlich von Fell (Hase, Hund, Pelzmantel), Baumwollbüscheln und weißen Bärten.

Watson und Rayner gingen davon aus, dass die erlernten Reaktionen das ganze Leben über bestehen bleiben und die Persönlichkeit dauerhaft verändern. Tatsächlich war die empirische Basis für solche weit reichenden Schlüsse mehr als dünn.

Identität des Kindes[Bearbeiten]

Die Versuchsperson, genannt "Little Albert" (deutsch: Kleiner Albert), war der Sohn einer Amme am Harriet-Lane-Hospital. Angaben zufolge handelte es sich bei ihm um Douglas Meritte. Bei weiteren Forschungen fand man auch einen Mann mit dem Vornamen Albert, welcher laut einer Nichte "große Angst vor Hunden" gehabt habe und im Gegensatz zum recht ungesunden Douglas, der im Alter von sechs Jahren gestorben ist, 2007 im Alter von 87 Jahren starb. Diese Theorie erklärt auch die Aussage Watsons, dass Albert ein sehr gesundes Kind gewesen sei. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen, so dass es momentan unbekannt ist, wer Little Albert wirklich war.[2]

Kritik[Bearbeiten]

Das Experiment ist aus ethischer Sicht heute sehr umstritten, da die Methoden des Experiments, insbesondere an einem Kleinkind, heutigen ethischen Standards nicht entsprechen. Angeblich zog die Mutter von "Little Albert" in eine andere Gegend, so dass Watson nicht mit der Rekonditionierung beginnen konnte.

Des Weiteren ist das Experiment auch aus wissenschaftlicher Sicht umstritten. Auf Grund der heutigen Forschungslage ist davon auszugehen, dass Watson und Rayner fundamentale Prinzipien der Methodologie verletzt haben. So fehlen eine Quantifizierung und eine systematische Kontrolle der Variablen.[3][4]

Eine Problematik mit späteren Darstellungen des Experiments ergibt sich daraus, dass das Experiment in nachfolgender Literatur manchmal nicht exakt wiedergegeben wird und bestimmte Aspekte, wie z. B. die konditionierte Furchtreaktion, übertrieben dargestellt wurden. Auch der Versuchsaufbau wurde in der Literatur immer wieder verändert und falsch wiedergegeben.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bandura, A. (1979). Aggression. Eine sozial-lerntheoretische Analyse. Stuttgart: Klett.
  • Bandura, A. (1976). Die Analyse von Modellierungsprozessen. In: A. Bandura (Hrsg.): Lernen am Modell. Ansätze zu einer sozial-kognitiven Lerntheorie. (S. 9-67). Stuttgart: Klett.
  • Bandura, A. (1976). Einfluss der Verstärkungskontingenzen des Modells auf den Erwerb der Nachahmungsreaktionen. In: A. Bandura (Hrsg.): Lernen am Modell. Ansätze zu einer sozialkognitiven Lerntheorie. (S. 115-129). Stuttgart: Klett.
  • Harris, Ben. Whatever Happened to Little Albert? In: American Psychologist. February 1979, Volume 34, Number 2, pp. 151-160.
  • Sämmer, Günter (1999): Die Paradigmen der Psychologie. Eine wissenschaftstheoretische Rekonstruktion paradigmatischer Strukturen im Wissenschaftssystem der Psychologie.
  • Watson, John B. & Rayner, Rosalie (1920). Conditioned emotional reactions. In: Journal of Experimental Psychology. 3(1), S. 1-14. Im Web: http://psychclassics.yorku.ca/Watson/emotion.htm

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Originalzitat: "...there must be some simple method by means of which the range of stimuli which can call out emotions is greatly increased."
  2. http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-was-geschah-mit-baby-b-1.1998684
  3. a b Günter Sämmer: Der "Kleine Albert"
  4. http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-was-geschah-mit-baby-b-1.1998684