Locatio conductio

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Als locatio conductio (lat. locare ‚verdingen‘, ‚hinstellen‘; conducere ‚mitnehmen‘) bezeichnet man im Römischen Recht einen der bona fides unterliegenden synallagmatischen Konsensualvertrag. Charakteristisch für ihn ist, dass der locator etwas „hinstellt“ (locat) und faktische Verfügungsmacht einräumt, während der conductor das „Hingestellte“ mitnimmt.[1] Das „Hingestellte“ konnte dabei konkret in einem Miet- oder Pachtgegenstand (locatio conductio rei), einer Dienstleistung (locatio conductio operarum), oder in einem auszuführenden Werk (locatio conductio operis) bestehen. Er umfasst also nach heutigem Verständnis Immobiliar- und Mobiliarmiete, den Dienstvertrag und den Werkvertrag.[2]

Einheitsprinzip[Bearbeiten]

Während die heutige Rechtsbetrachtung typischerweise die erfassten Sachverhalte nach der charakteristischen Leistung in drei verschiedene Vertragstypen aufspaltet, legte das römische Recht das Augenmerk stärker auf die Gemeinsamkeit der Bereitstellung. Hieraus resultiert auch die beinahe kurios anmutende Tatsache, dass als locator einerseits der Vermieter bzw Verpächter und der Dienstverpflichtete, andererseits aber auch der Besteller des Werkes bezeichnet wurde. Freilich war auch dem römischen Recht ein gewisses Maß an Verschiedenheit der zusammengefassten Vertragsypen bewusst, sodass keineswegs die drei Unterfälle auch dogmatisch stets dem gleichen Regime unterfallen wären. Wie sehr in römischer Vorstellung die Untertypen ineinander übergingen zeigt das Beispiel der Bereitstellung von Dienstleistungen. Geschieht dies durch Sklaven handelt es sich um einen „Mietvertrag“, also die locatio conductio rei; handelt es sich dagegen um Freie liegt ein „Dienstvertrag“, also die locatio conductio operarum vor.[3]

Locatio conductio rei[Bearbeiten]

Die locatio conductio rei, erfasste im römischen Recht sowohl bewegliche als auch unbewegliche Sachen sein, das heißt Wohnräume, Speicherräume, Landgüter, Fässer aber auch Tiere und Sklaven. Möglich war sowohl die bloße Gebrauchsüberlassung als auch das Recht zur Fruchtziehung. Letzteres betraf vornehmlich Landgüter; den Landpächter bezeichnete man als colonus. Ersteres betraf Stadtwohnungen; den Mieter nannte man inquilinus.[4]

Locatio conductio operarum[Bearbeiten]

Die Verpflichtungen aus der locatio conductio operarum orientieren sich an der Vermietung von Sklaven. Ihre praktisch Bedeutung war in der Antike unterdessen gering: Die große Masse der Arbeitskräfte bestand aus Sklaven, für die die locatio conductio rei einschlägig war. Die sozial gehobenen artes liberales boten ihre Dienste unentgeltlich als mandatum an. Als Anwendungsbereich blieb somit nur der einfache Tagelöhner.[5]

Locatio conductio operis[Bearbeiten]

Die locatio conductio operis ist im Gegensatz zur locatio conductio operarum auf einen Erfolgs gerichtet, nicht nur auf die bloße Tätigkeit. Typischer Anwendungsbereich ist die Herstellung von Sachen oder die Beförderung von Gütern und Personen.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Susanne Hähnchen: Die Abgrenzung der aus locatio conductio resultierenden Klagen von anderen Aktionen. In: Francisco Javier Andrés Santos, Christian Baldus, Helge Dedek (Hrsg.): Vertragstypen in Europa. De Gruyter, Berlin 2011, S. 77 sqq..
  •  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, ISBN 978-3-540-28118-4, § 48 ff.
  •  Theo Mayer-Maly: Locatio conductio: Eine Untersuchung zum klassischen römischen Recht. Herold, 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Susanne Hähnchen: Die Abgrenzung der aus locatio conductio resultierenden Klagen von anderen Aktionen. In: Francisco Javier Andrés Santos, Christian Baldus, Helge Dedek (Hrsg.): Vertragstypen in Europa. De Gruyter, Berlin 2011, S. 77.
  2.  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, § 48.
  3.  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, § 48.
  4.  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, § 49.
  5.  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, § 50.
  6.  Heinrich Honsell: Römisches Recht. 6. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2006, § 51.