Looking-glass self

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Der Begriff Looking-glass self bzw. Spiegelbildeffekt (auch bekannt als looking glass effect) beschreibt das Selbstkonzept als sich entwickelnde Folge der wahrgenommenen Eindrücke und Bewertungen im sozialen Miteinander. Der Begriff wurde 1902 von Charles Cooley eingeführt.

Die drei Elemente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cooley postulierte drei prinzipielle Elemente, die in ihrer Gesamtheit und Wechselwirkung zur Herausbildung der eigenen erlebten Identität führen:

Die Person handelt und weiß (nimmt an), dass sie dabei beobachtet wird:

  • Wie wird sie von anderen Menschen gesehen/erlebt
  • Wie wird sie von diesen anderen Menschen daraufhin bewertet
  • Was für Gefühle erlebt sie aufgrund dieser Bewertung

Es geht hier nicht um wirkliche Bewertung durch bedeutsame andere Personen, sondern darum, was das Individuum darüber glaubt (alles unterliegt der Interpretation durch das Individuum).

In dieser Weise ist laut Cooley jeder dem anderen ein Spiegel.[1]

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser frühe Ansatz in der Soziologie erklärt die Entwicklung von Identität als Resultat des sozialen Miteinanders und ist damit Vorläufer von Ansätzen des Symbolischen Interaktionismus. Versuche in neuerer Zeit, diesen Ansatz empirisch zu untermauern, finden Belege für den Einfluss von anderen Menschen auf die Identitätsentwicklung (insbesondere wenn diese anderen Menschen einen hohen sozialen Status haben).[2] In Gregg Henriques' Tree of Knowledge System, welches davon ausgeht, dass die Rechtfertigung des eigenen Handelns gegenüber anderen zur Herausbildung des Selbst führt, findet sich ein moderner Nachfolger des looking glass effect.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsch-US-amerikanische Politikwissenschaftler Alexander Wendt nutzt das Konzept, um die erste Interaktion zwischen zwei Akteuren (Ego und Alter) zu erklären. In Wendts konstruktivistischem Ansatz tendieren demnach Konzeptionen des Selbst und von Interessen dazu, die Praktiken eines signifikant anderen über Zeit zu „spiegeln“. Aus diesem Grund schlägt er bei der ersten Interaktion Handeln auf Basis von Wahrscheinlichkeiten vor und nicht auf Basis der Annahme des Schlimmsten.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Shaffer, Leigh: From Mirror Self-Recognition to the Looking-Glass Self: Exploring the Justification Hypothesis. Journal of Clinical Psychology 61, 47–65 (2005)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charles Horton Cooley: Human Nature and the Social Order. New York: Scribner's, 1902, S. 183.
  2. King-To Yeung und John Levy Martin: The Looking Glass Self: An Empirical Test and Elaboration. Social Forces 81(3), 843-879 (2003).
  3. Alexander Wendt: Anarchy is what States Make of It: the Social Construction of Power Politics. In: International Organization. Nr. 46, 1992, S. 404.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]