Luftangriffe auf Mannheim

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Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu schweren Luftangriffen auf Mannheim. Die Angriffe begannen im Dezember 1940 und dauerten bis Mitte März 1945. Mannheim erlebte über 150 Luftangriffe und war die am meisten angegriffene Stadt im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg.[1]

Hintergrund und Ablauf[Bearbeiten]

Als Teil der Operation Abigail Rachel fand das erste gezielte Flächenbombardement ziviler Ziele in Deutschland statt.[2] Am 16. Dezember 1940 wurden rund 100 Tonnen Sprengbomben und 14.000 Brandbomben über Mannheim abgeworfen.[3] Die Briten hatten auf eine Gelegenheit gewartet einen solchen Angriff durchzuführen, um den kombinierten Einsatz von Spreng- und Brandbomben zu erproben. Damit sollte ein maximaler flächenhafter Zerstörunggrad erreicht werden. Mannheim, bzw. dessen Innenstadt galt als ideal für einen Experimentalangriff. Die als Quadratestadt angelegte Innenstadt Mannheims bot nahezu ideale Bedingungen für das Studium der Wirkung des Bombardements, mithilfe von Luftbildern.[2] Intern wurde der Angriff als Vergeltung für deutsche Angriffe auf Coventry und Southampton deklariert.[3] Die neue Bombenstrategie wurde offiziell am 1. Dezember 1940 durch Churchill angeordnet. Dieser erklärte die neue Strategie am 12. Dezember 1940 im britischen Kriegskabinett. Am 13. Dezember 1940 genehmigte dies die Operation Rachel Abigail als Experimentalangriff offiziell, jedoch unter der Bedingung, dass diese Entscheidung nicht veröffentlicht werden dürfe.[3] Die "Bomber-Besatzungen betrachteten jedoch zu Recht diesen Angriff als Terrorangriff".[3] Am 16. Dezember 1940 warfen acht Bomber Brandbomben zur Zielmarkierung. Sie verfehlten jedoch das Kernzielgebiet des Stadtzentrums. deshalb verfehlten von den anschließenden 134 Bombern 100 Bomber das Zielgebiet Stadtzentrum. Die deutschen Verluste diesen Angriffs beliefen sich auf 34 Tote und 81 Verletzte.[4] Die Lehre aus der großen Zerstreuung der Bomber über Mannheim war die Entwicklung der Angriffstaktik des Bomberstroms, mit dem Ziel eine maximale Menge von Bomben in kürzester Zeit über einem definierten Gebiet abzuwerfen.[3] Trotz des geringen Erfolges dieses Angriffs wurden weitere Operationen im Stil der Operation Rachel Abigails geplant und durchgeführt.[3]

Dieser Angriff war der Beginn einer Veränderung der britischen Luftkriegsstrategie weg von Präzisionsangriffen auf militärische Ziele und hin zu einem Flächenbombardement ziviler Ziele, insbesondere dichtbesiedelter Stadtzentren. Diese Entwicklung mündete Anfang 1942 in der britischen Area bombing directive.[3]

Den größten Luftangriff erlebte Mannheim in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1943. Ein großer Teil der Stadt wurde dabei zerstört. Im Jahre 1944 zerstörte ein weiterer Angriff auch das Mannheimer Schloss nahezu vollständig. Nur eines der 500 Zimmer blieb unbeschädigt. Am 2. März 1945 startete die Royal Air Force einen 300-Bomber-Angriff und verursachte dabei einen vernichtenden Feuersturm in Mannheim. Insgesamt fielen 25.181 Tonnen Bomben während des Krieges auf Mannheim.[3] In Mannheim wurden durch die Angriffe rund 1700 Menschen getötet. Dies entsprach einer Verlustquote von 0,6 % der Einwohnerschaft. Die relativ zur Häufigkeit und Heftigkeit der Angriffe geringe Opferzahl war insbesondere auf den massiven Ausbau des Luftschutzes zurückzuführen. Bis Herbst 1943 waren rund 150 Luftschutzbunker mit einer nominellen Kapazität von 120.000 Plätzen entstanden. Bei einer üblichen Überbelegung der Bunker boten diese den damals 284.000 Einwohnern nahezu Vollschutz. Insbesondere in der Innenstadt wurden sehr große Tiefbunker errichtet. [1]

Im Rahmen des Manhattan-Projekts wurden vom US-Verteidigungsministerium die Industriezentren Ludwigshafen und Mannheim als mögliche Ziele für einen Atombombenabwurf auf Deutschland ausgewählt. Dazu kam es aber nicht mehr, da Mannheim schon Ende März 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt wurde, zweieinhalb Monate bevor den amerikanischen Wissenschaftlern erstmals die Zündung einer Atombombe gelang.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. S. 279.
  2. a b Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. S. 78.
  3. a b c d e f g h Horst Boog: Germany and the Second World War: The global war, S. 507–509.
  4. Bomber Command Campaign Diary 1940 (Version vom 1. November 2006 im Internet Archive)