Lutherdenkmal (Berlin, Marienkirche)

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Lutherdenkmal am Neuen Markt (Postkarte, 1904)

Das Lutherdenkmal war ein mehrteiliges Monument, das den Reformator Martin Luther ehrte, die Bildhauer Paul Otto und Robert Toberentz hatten es gestaltet. Der Komplex wurde 1895 auf dem Neuen Markt im Marienviertel von Alt-Berlin, im heutigen Ortsteil Mitte eingeweiht. Die nach dem Krieg verbliebene Figur des Martin Luther steht seit 1989 als Einzelfigur an der Nordseite der St. Marienkirche ganz in der Nähe ihres ursprünglichen Standorts auf einem Sockel aus poliertem Granit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1895 wird die Denkmalanlage eingeweiht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod des Bildhauers Paul Otto übertrug die Marien-Kirchengemeinde im Jahr 1893 dem Bildhauer Robert Toberentz die Vollendung des Lutherdenkmals mit der dreieinhalb Meter hohen Standfigur des Reformators und den Begleitfiguren der Mit-Reformatoren. Die feierliche Einweihung auf dem Neuen Markt fand am 11. Juni 1895 statt.[1] Die Stadt Berlin hatte zu den Gesamtkosten von mehr als 200.000 Mark 50.000 Mark beigesteuert.[2]

Anfang der 1940er Jahre werden Teile eingeschmolzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Kriegsjahre (1939–1945) wurden die Begleitfiguren am Sockel der Denkmalsanlage zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Kurz vor Kriegsende zerstörten Bomben den Neuen Markt vollständig. Die Luther-Figur blieb erhalten und wurde zunächst in der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee aufgestellt.

Lutherfigur erhält ihren Platz in Berlins Mitte zurück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinfachtes Lutherdenkmal vor der St. Marienkirche

Die Rückführung des Denkmals an die Nordseite der Marienkirche in die Nähe seines ursprünglichen Standortes am Neuen Markt im Marienviertel fand im Oktober 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer, statt.

Ein neues Lutherdenkmal wird in den 2010er Jahren geplant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte und der Senat von Berlin haben vereinbart, anlässlich des bevorstehenden 500. Jahrestages der Reformation, 2017, ein neues Denkmal unter Verwendung der Lutherstatue und der im Jahr 2014 wiederentdeckten Fundamente des Denkmals aufzustellen. Dabei ist ausdrücklich vorgesehen, keine Kopie der historischen Anlage vorzunehmen. Architekten und Künstler waren zu einem Gestaltungswettbewerb aufgerufen, an dem sich mehr als 50 Teams beteiligten. „Erwartet wird eine zeitgenössische Interpretation Luthers“ war vom Superintendenten Bertold Höcker zu vernehmen. Abschluss des mehrphasigen Wettbewerbs war im Juni 2016, wobei die rechtzeitige Fertigstellung zum 31. Oktober 2017 noch nicht gesichert ist. Zu der Zeitverzögerung kam es, weil im Jahr 2015 ein Bürgerdialog stattfand zur Neugestaltung der historischen Mitte, die Diskussion zum Luther-Denkmal sollte dabei keine Rolle spielen. Die Kosten für das Denkmal werden mit rund 900.000 Euro geschätzt.[3] Den Wettbewerb gewannen der Künstler Albert Weis zusammen mit dem Architekturstudio Zeller & Moye (Christoph Zeller und Ingrid Moye). Sie wollen die vorhandene Statue als Abguss in Aluminium noch einmal herstellen. Dieser zweite Luther soll der vorhandenen Skulptur dialogisch gegenübergestellt werden. Die Abmessungen des Originaldenkmalfundamentes von 12 × 16 Metern werden aufgegriffen, wobei die gesamte neue Anlage als ein nach Unten gespiegeltes Negativvolumen des Originaldenkmals um einen halben Meter in die Erde versetzt wird. Die Bodenfläche soll mit großformatigen Betonsteinen ausgelegt werden, in die rund 10.000 LED-Punkte eingelassen sind, die mittels Außensteuerung zur Wiedergabe von Zitaten benutzt werden können. Bischof Dröge, der der Jury angehörte, lobte den Entwurf: „Das neue Denkmal eröffnet dem Betrachter neue Perspektiven. Es ist eine Neuinterpretation Luthers und hat Bedeutung für die Gesellschaft in der Gegenwart.“ Aufgrund der eingetretenen Zeitverzögerung wird nicht mit einer Fertigstellung der Denkmalanlage zum 500. Reformationsjubiläum gerechnet. Superintendent Höcker verspricht jedoch: „2017 wird an diesem Ort etwas stehen“. Auf einer provisorischen Stele könnte der Siegerentwurf dargestellt werden.[4]

Beschreibung der historischen Denkmalanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Fundament mit den Abmessungen von etwa sieben mal sieben Metern stand an der Ecke der Straßenkreuzung Spandauer Straße Kaiser-Wilhelm-Straße (heutige Karl-Liebknecht-Straße). Auf der erhöhten Fläche befand sich im Zentrum das Denkmal für Martin Luther auf einem abgestuften Postament. Der Reformator wurde in typischer Mönchskutte mit der aufgeschlagenen Bibel in der Hand dargestellt und auf einem hohen Granitsockel postiert. Zu Luthers Füßen hatten die Künstler Begleitfiguren in emsiger Unterhaltung modelliert, die damalige Mit-Reformatoren darstellen: Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Georg Spalatin, Caspar Cruciger, Johannes Reuchlin, Justus Jonas. Das Plateau war von einer durchbrochenen Steinmauer eingefasst und nur über zehn Stufen von der Kaiser-Wilhelm-Straße aus erreichbar. Die Treppenwangen trugen die Skulpturen des Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen.[5] Die gesamte Denkmalsanlage erreichte eine Höhe von rund acht Metern. Die Flächen um die Anlage herum wurden zu drei Seiten mit Grünanlagen geschmückt, auf Straßenniveau befand sich im Zugangsbereich ein Pflastermosaik.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lutherdenkmal (Berlin, Marienkirche) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans-Werner Klünner: Berliner Plätze. Photographien von Max Missmann, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 1996, ISBN 3-87584-610-9; S. 35.
  2. Klünner: Berliner Plätze..., S. 20.
  3. Uwe Aulich: Luther hat Zeitsorgen. In: Berliner Zeitung, 15. Februar 2016, S. 12.
  4. Uwe Aulich: Der doppelte Luther In: Berliner Zeitung, 25./26. Juni 2016, S. 24.
  5. Baedekers Reisehandbücher. Berlin und Umgebung; 1902; Digitalisat-Ausschnitt

Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 24′ 26″ O