Lyktos

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Vouleuterion, Lyttos

Lyktos (griechisch Λύκτος) oder Lyttos (griechisch Λύττος), lateinisch Lyctus, ist der Name einer antiken Stadt auf Kreta. Heute trägt ein nahe gelegenes Dorf den Namen.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der griechischen Mythologie nahm Lyktos eine zentrale Rolle im Mythos des olympischen Zeus ein. Nach Hesiods Theogonie war Lyktos der Ort, an dem Rhea auf der Flucht vor ihrem Gemahl Kronos ihren dritten Sohn Zeus gebar und in einer Höhle des Dikti-Gebirges verbarg;[1] nach Polybios und Pausanias war Lykaion in Arkadien der Geburtsort, und Zeus wurde von Rheas Mutter Gaia nach Kreta gebracht und dann im Aigaischen Gebirge bei Lyktos versteckt und dort von Amalthea aufgezogen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ortsnamenliste im Totentempel des Pharao Amenophis III. wird der Ort als Rikata erwähnt, ein Handelsort der Keftiu (Kreter).[3] Auf Linear B-Tontäfelchen aus Knossos, die in mykenischem Griechisch geschrieben sind, taucht der Ort als ru-ki-to (𐀬𐀑𐀵) auf.[4] In Homers Ilias, wie auch in den meisten antiken Handschriften, wird die Stadt Lyktos (Λύκτος) genannt, auf Münzen und in Inschriften fast durchweg Lyttos (Λύττος),[5] wobei Lyktos die ältere Namensform ist.

In antiker Zeit galt Lyktos als dorische Gründung beziehungsweise lakedaimonische Kolonie.[6] Die griechische Mythologie berichtet von einer dorischen Einwanderung auf Kreta unter Tektamos, zwei Generationen vor Minos, was in die dritte Palastzeit oder Nachpalastzeit der minoischen Kultur fiele. Homer nennt Lyktos im Schiffskatalog der Ilias (2, 647),[7] der Aufzählung der entsendeten Schiffe im Trojanischen Krieg um 1200 v. Chr., und gibt in der Odyssee an, dass ein Teil der Einwohner Kretas in dieser Zeit Dorer waren (19, 177).[8] Zu einer verstärkten dorischen Einwanderung auf Kreta kam es nach neuerer Forschung erst um 1000 v. Chr. Die Lage von Lyktos auf einem Bergrücken ist jedoch typisch für Stadtgründungen der Dorer.

Im ersten vorchristlichen Jahrtausend stieg Lyktos bis in klassische Zeit zu einer der einflussreichsten Poleis auf Kreta auf und stand in ständiger Konkurrenz zum nordwestlich gelegenen Knossos, von dem es im sog. Lyttischen Krieg (221-219 v. Chr.) völlig zerstört, die Bevölkerung musste ins Exil nach Lappa gehen[9], erholte sich jedoch bald wieder. Bei der Eroberung Kretas durch die Römer wurde Lyktos 67 v. Chr. von Truppen unter dem Konsul Quintus Caecilius Metellus Creticus eingenommen.[10] In römischer Zeit spielte die Stadt noch eine beträchtliche Rolle, aus dieser Zeit stammen auch alle noch sichtbaren Überreste (Theater, Tempel, Häuser). In der Spätantike wurde Lyktos Bischofssitz.

Das moderne Lyttos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der antiken Stadt wurde das Dorf Xidas (Ξιδάς) unterhalb der antiken Stadt in Lyttos Irakliou (Λύττος Ηρακλείου) umbenannt. Es gehört heute zur Gemeinde Kastelli. Der Fußballverein Lyttos Ergotelis aus Iraklio führt ebenfalls den Namen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Porträt der modernen Ortschaft auf den Seiten der Gemeinde Kastelli (griechisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hesiod: Theogonie (deutsche Übersetzung)
  2. Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1960, ISBN 3-499-55404-6, S. 32.
  3. Elmar Edel, Manfred Görg: Die Ortsnamenlisten im nördlichen Säulenhof des Totentempels Amenophis III. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05219-8.
  4. ru-ki-to. Minoan Linear A & Mycenaean Linear B. minoan.deaditerranean.com, abgerufen am 15. Mai 2014 (englisch).
  5. Georg Busolt: Die Geschichte Griechenlands bis zur Schlacht von Chaeroneia, Bd. 1, Perthes, Gotha 1885–1904, S. 332.
  6. Polybios 4, 56, 6.
  7. ΙΛΙΑΔΟΣ – ὄνειρος, διάπειρα. Βοιωτία ἢ κατάλογος τῶν νεῶν (Altgriechisches Original des 2. Gesangs der Ilias). gottwein.de, abgerufen am 15. Mai 2014.; Edzard Visser: Homers Katalog der Schiffe. B. G. Teubner, Stuttgart und Leipzig 1997, ISBN 3-519-07442-7, S. 616 (online [abgerufen am 17. Mai 2014]).; Claude Brügger, Magdalene Stoevesandt, Edzard Visser: Lyktos. In: Joachim Latacz (Hrsg.): Homers Ilias. Gesamtkommentar (Basler Kommentar / BK). Band 2. de Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-022495-5, S. 210 (online [abgerufen am 16. Mai 2014]).
  8. ΟΔΥΣΣΕΙΑΣ – Ὀδυσσέως καὶ Πηνελόπης ὁμιλία. τὰ νίπτρα (Altgriechisches Original des 19. Gesangs der Odyssee). gottwein.de, abgerufen am 15. Mai 2014.
  9. Polybios 4, 53-54.
  10. Livius periochae 99.

Koordinaten: 35° 12′ 28″ N, 25° 22′ 3″ O