Mößbauerspektroskopie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Mößbauer-Spektroskopie)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Mößbauerspektroskopie ist ein zerstörungsfreies, physikalisches Fein-Analyseverfahren, das beispielsweise in der Biochemie, Festkörperphysik und Geologie eingesetzt wird.[1][2][3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schema eines Mößbauer-Spektrometers;
v. l. n. r.: Mößbauer-Antrieb, Gammastrahlen-Quelle, Kollimator, Materialprobe, Detektor

Bei der Mößbauerspektroskopie macht man sich neben dem Mößbauer-Effekt den Doppler-Effekt zunutze. Eine hyperfeine Modulation eines Gammastrahlers wird erzeugt, indem man ihn während der Messung mechanisch bewegt. So lassen sich in einem Hyperfeinspektrum Gammaquanten mit verschiedenen Energien erzeugen.

Wenn mit einer entsprechend modulierten Gammastrahlung die Probe eines Materials, deren Atomkerne Gammaquanten absorbieren können, durchleuchtet wird, lässt sich mittels entsprechender Detektoren und computergestützter Auswertung ein materialtypisches hochauflösendes Transmissionsspektrum aufnehmen.

Dies ermöglicht qualitative und quantitative Aussagen über die in der Probe enthaltenen Elemente. Über die hochaufgelöste Hyperfeinstruktur, welche aus Elektron-Kern-Wechselwirkungen resultiert, kann man nicht nur Aussagen über die Kerne selbst, sondern auch über Eigenschaften ihrer elektronischen Umgebung treffen, wie z. B. Oxidationszustand, Spinzustände, magnetisches Verhalten, Elektronegativität von Liganden und weitere Eigenschaften der chemischen Bindungen wie Grad der Kovalenz.[4]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mößbauerspektrum von 57Fe

Hauptanwendungsgebiet der Mößbauer-Spektroskopie ist die Unterscheidung von zweiwertigem und dreiwertigem Eisen. Außerdem kann man damit die Elemente Zinn, Antimon und Tellur nachweisen. In den 1980er Jahren wurden tragbare Mößbauer-Spektrometer zur Exploration der Zinnlagerstätten des Erzgebirges eingesetzt.

Miniaturisierte Mößbauer-Spektrometer, als „MIMOS II“ an der Universität Mainz entwickelt und gebaut, sind in den NASA-Marssonden der Missionen Spirit und Opportunity im Einsatz und analysieren das Marsgestein.[5] Diese fanden neben klaren Beweisen für Wasser auch Hinweise auf eine Phase der Marsgeschichte, in der sehr viel mehr Sauerstoff in der Atmosphäre vorhanden war als heute.

Ein weiteres, nur faustgroßes Exemplar, sollte mit der russischen Sonde 'Phobos-Grunt' 2013 auf dem Marsmond Phobos landen.[6] Nachdem die Sonde in einer Parkbahn gestrandet war, trat sie am 15. Januar 2012 in die Erdatmosphäre ein und verglühte über dem Ostpazifik.[7][8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Gütlich, Eckhard Bill, Alfred X. Trautwein: Mössbauer spectroscopy and transition metal chemistry: fundamentals and application. Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-540-88428-6.
  • Virender K. Sharma, Göstar Klingelhöfer, Tetsuaki Nishida: Mössbauer Spectroscopy: Applications in Chemistry, Biology, and Nanotechnology. Wiley, 2013. ISBN 978-1-118-05724-7.
  • D. W. H. Rankin, Norbert Mitzel, Carole Morrison: Structural Methods in Molecular Inorganic Chemistry (Inorganic Chemistry: A Textbook Series). Wiley, 2013. ISBN 978-0-470-97278-6.
  • Colin N Banwell, Elaine M. McCash: Molekülspektroskopie: Ein Grundkurs: Ein Grundkurs. Oldenburg, 1999. ISBN 978-3-486-24507-3.
  • Christian Meier: Mößbauerspektroskopie an biomimetischen Modellkomplexen und Nicht-Häm-Eisenproteinen. Shaker, Aachen 2001, ISBN 3-8265-8381-7.
  • Stefan Lauterbach: Der Oxidationsgrad des Eisens im unteren Mantel: eine Studie des Fe3+-Gehaltes des Silikat-Perowskits in Abhängigkeit seines Al-Gehaltes mit Mößbauer-Spektroskopie und Elektronen-Energie-Verlust-Spektroskopie (EELS). Dissertation, Universität Bayreuth, 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Gütlich: Physikalische Methoden in der Chemie: Mößbauer-Spektroskopie I. In: Chemie in unserer Zeit. Nr. 4, 1970, S. 133–144 (Review-Artikel, doi:10.1002/ciuz.19700040502).
  2. Philipp Gütlich: Physikalische Methoden in der Chemie: Mößbauer-Spektroskopie II. In: Chemie in unserer Zeit. Band 5, Nr. 5, 1971, ISSN 1521-3781, S. 131–141, doi:10.1002/ciuz.19710050502 (wiley.com [abgerufen am 18. Februar 2022]).
  3. Philipp Gütlich, Eckhard Bill, Alfred X. Trautwein: Mössbauer spectroscopy and transition metal chemistry: fundamentals and application. Springer, Berlin 2011, ISBN 978-3-540-88428-6.
  4. Distinct Reaction Pathways followed Upon Reduction of Oxy-Heme Oxygenase and Oxy-Myoglobin as Characterized by Mössbauer Spectroscopy; J. Am. Chem. Soc. 2007 February 7; 129(5): 1402–1412. doi:10.1021/ja067209i, PMC 2519892 (freier Volltext)
  5. Mars-Mößbauer-Group: Aufbau des MIMOS II (Memento vom 27. Juni 2009 im Internet Archive).
  6. Spiegel Online
  7. William Harwood: Russians now preparing for re-entry of failed Mars probe, in Spaceflight Now, Datum: 17. Dezember 2011, abgerufen: 18. Dezember 2011
  8. Bernd Leitenberger: Phobos-Grunt, abgerufen: 18. Dezember 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mößbauerspektroskopie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien