Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor

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Die Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor war eine Müllverbrennungsanlage (MVA) der Hamburger Stadtreinigung an der Schnackenburgallee in Hamburg-Bahrenfeld, nahe der Grenze zu Stellingen. Sie wurde 1973 in Betrieb genommen und 2015 stillgelegt. In den 42 Betriebsjahren wurden insgesamt etwa 7 Millionen Tonnen Abfall verbrannt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MVA Stellinger Moor war die erste Müllverbrennungsanlage, die nach dem Krieg in Hamburg neu errichtet wurde. (Die jüngste Anlage war bis zu diesem Zeitpunkt die 1931 eröffnete Anlage an der Borsigstraße.) Sie wurde von 1970 bis 1973 gebaut und hatte zwei Verbrennungslinien. 1979 wurde sie um eine Kipphalle und eine Sortierhalle mit Abfallzerkleinerungsanlage ergänzt. 1989 wurde eine neue Abgrasreinigungsanlage nach dem Nasswäscheverfahren eingebaut, da die ursprüngliche Anlage nach dem Trockensorptionsverfahren den verschärften Anforderungen der 1990 in Kraft getretenen Verordnung über die Verbrennung und die Mitverbrennung von Abfällen (17. BImSchV) nicht genügte. 1995 wurde eine Abgasnachreinigungsanlage nachgerüstet. Kurzzeitig verfügte die MVA Stellinger Moor auch über eine eigene, nahe gelegene Abwasseraufarbeitung, die sich aber als unwirtschaftlich erwies und 1998 weitgehend stillgelegt wurde.

Zuletzt wurde die MVA 1997 durch ein Blockheizkraftwerk ergänzt, das Strom und Fernwärme erzeugte und in die öffentlichen Hamburger Netze einspeiste. Da es ineffizient war, wurde es 2013 wieder abgebaut.[2]

Schließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2014 wurden Überlegungen seitens der Stadtreinigung Hamburg laut, die Anlage stillzulegen. Dies wurde im September 2014 bestätigt. Der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde Volker Dumann sagte damals: "Diese einzige Anlage im Besitz der Stadt ist teuer im Unterhalt, zudem veraltet und müsste für viel Geld modernisiert werden.[3] Im Juni 2015 hat die Anlage nunmehr ihre Arbeit eingestellt. Am 16. Juni wurde die letzte Fuhre Müll geliefert. Noch in diesem Jahr soll mit dem Rückbau der Anlage begonnen werden.[4]

Gleichzeitig sollen die Müllverwertung Borsigstraße (MVB) sowie die Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm (MVR) von Vattenfall gekauft werden. Die Stadtreinigung verfolgt damit das Ziel, die Müllverbrennung in Hamburg zu reduzieren und gleichzeitig mehr auf Recycling zu setzen.[5][6] Die Stadtreinigung hat am 5. September 2014 bekanntgegeben, dass sie für rund 78 Millionen Euro die Müllverbrennungsanlage Borsigstraße (MVB) übernehmen will. Nach Unternehmensangaben wurde ein Kaufvertrag mit der Vattenfall Europe New Energy GmbH und der EEW Energy from Waste GmbH unterzeichnet.[7] Am 16. Dezember 2014 stimmte der Senat dem Kauf der MVB durch die SRH Verwaltungsgesellschaft mbH zu. Mit dem Kauf der MVB, der Stilllegung der MVA Stellinger Moor sowie dem Vertragsende mit der MVA Stapelfeld am 31. Dezember 2016 vermindert die Stadtreinigung die Verbrennungskapazität um etwa ein Drittel auf 640.000 Tonnen pro Jahr.[8]

Daten und Fakten zum Betriebsjahr 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die MVA Stellinger Moor verbrannte gut 124.000 Tonnen Abfall.
  • Sie produzierte mehr als 38 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie, von denen fast 20 Millionen Kilowattstunden an Dritte abgegeben wurden.
  • Die MVA Stellinger Moor hat zudem durch Kraft-Wärme-Kopplung mehr als 66 Millionen Kilowattstunden Fernwärme gewonnen – Energie, mit der die Imtech Arena, die O2-World Arena sowie etwa 14.000 Hamburger Haushalte versorgt werden.
  • Die angefallenen 27.100 Tonnen Schlacke wurden als Baustoff weitervermarktet.[9]
  • Alle Sekundärabfälle wurden umweltgerecht verwertet.
  • Die Schadstoffgehalte der kontinuierlich überwachten Abgase liegen weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten.

Die bei der Verbrennung und Abgasreinigung entstehende Stoffe werden entweder deponiert oder, falls es sich um wertvolle Rohstoffe wie Salzsäure, Gips oder Altmetall handelt, weiterverkauft.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konzern- und Nachhaltigkeitsbericht 2015. Stadtreinigung Hamburg, S. 40, abgerufen am 29. August 2017.
  2. Ronja Grumbrecht, Heinz-Gerd Aschhoff, Jens Niestroj: MVA Stellinger Moor. Stilllegung – Betriebsmittelfreiheit – Rückbau. In: Karl J. Thomé-Kozmiensky, Stephanie Thiel, Elisabeth Thomé-Kozmiensky (Hrsg.): Strategie, Planung, Umweltrecht. Band 11. TK Verlag, Neuruppin 2017, ISBN 978-3-944310-33-6, S. 159–180 (Volltext (PDF; 2,17 MB)).
  3. Hamburger Morgenpost S. 17, 2. September 2014
  4. Hamburger Morgenpost S. 18/19, 17. Juni 2015
  5. Hamburger Morgenpost S. 17, 3. April 2014
  6. Hamburger Morgenpost S. 17, 2. September 2014
  7. https://www.welt.de/regionales/hamburg/article131955653/Stadtreinigung-kauft-Muellverbrennungsanlage-fuer-rund-78-Millionen.html
  8. Hiev Op - Mitarbeiterzeitung der Stadtreinigung Hamburg, Seite 1, Ausgabe 03/2015
  9. Die Produzenten der emvau-schlacke. emvau-schlacke.de. Abgerufen am 31. März 2014.
  10. Feuer und Flamme für die Umwelt - MVA Stellinger Moor. Stadtreinigung Hamburg. Abgerufen am 31. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 35′ 6″ N, 9° 54′ 42″ O