Marmorkuchen

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Marmorkuchen aus einer Kranzform

Marmorkuchen ist ein Rührkuchen aus Rühr- oder Sandmasse. Ein Teil – meist etwa ein Drittel – der Masse wird mit Kakao dunkel gefärbt und schichtweise nur leicht mit der übrigen hellen Masse vermischt, wodurch ein an Marmor erinnerndes Muster entsteht. Er wird meist in einer Napf-, Kranz- oder Kastenform gebacken.

Gemäß dem deutschen Lebensmittelbuch muss Marmorkuchen als Handelsware mindestens ein Drittel kakaohaltige Sand- oder Rührmasse mit mindestens drei Prozent Kakao enthalten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuchen aus mehrfarbiger Masse waren schon im 17. Jahrhundert bekannt, Johann Sigismund Elsholtz schrieb 1690 über sogenannte tortæ versicolores (latein.): „Bunte Torten, als wan ein Theil der Torte mit Kirschen angefüllet roht siehet, ein anders von eingeschlagenen Kreutern grün, das dritte von Milch-Rahm weiß, das vierte von Pflaumen schwärtzlich und so weiter“;[2] ähnliche Beschreibungen erschienen um 1750 in Österreich als „mellierte und schattierte Mandeltorten“ mit fünf oder sechs Farben.[3] 1794 wollte ein Wiener Kochbuch alte Koch- und Zuckerbäckerkunst ins Gedächtnis rufen, wie etwa die Torte Marmoree, welche wie eine Marmorsäule gestaltet werden konnte. Für diesen vierfarbigen Kuchen färbte man von vier Teilen der Masse jeweils einen Teil rot mit Tournesol, grün mit Spinat, braun mit Schokolade, und mischte die vier Massen dann so untereinander, dass es einem „coleurten Marmor“ glich.[4] Noch um 1835 lautete eine Empfehlung für eine Torte Marmere, einen Teil der Biskuitmasse mit Spinat grün einzufärben, „damit es recht marmorirt aussieht“.[5]

Frühe Rezepte für Marmorkuchen verwendeten Melasse, braunen Zucker und Gewürze, um die dunkle Masse zu erzeugen, einige enthielten Rosinen und Korinthen.[6] Ein deutsches Kochbuch von 1782 enthält solch eine Vorgängervariante des Marmorkuchens, es heißt dort: „Will man eine marmorirte Torte haben, so nimmt man Bisquit-Tortenteig und Zimmt- oder Brodtortenteig und gießt ihn untereinander“.[7] Backrezepte für marble cake (deutsch: Marmorkuchen) wurden in den USA ab 1860 gedruckt.[8] In Chicago war um 1874 ein cochineal marble cake ein mit Karmin rot marmorierter Kuchen.[9] Um 1880 wird dann Schokolade in die dunkle Masse zugegeben, aber nicht um Melasse und Gewürze zu ersetzen.[6]

Weltrekord-Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Marmorkuchen der Welt wurde für die Show "Last Week Tonight" mit John Oliver für eine Episode über Turkmenistans autoritären Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedow, die am 11. August 2019 ausgestrahlt wurde, gebacken.[10] Der Kuchen war 56 Quadratmeter (600 Quadratfuß) groß, mit einem essbaren Bild von Berdimuhamedow, der von einem Pferd fällt, mit einem Rahmen mit Marmorstruktur und rotem Besatz. Laut Moderator John Oliver weigerte sich Guinness World Records, welche in der Episode wegen Beziehungen zu autoritären Regimes kritisiert wurde, den Rekord zu beglaubigen, es sei denn, die Sendung unterzeichne einen Vertrag, der ihr eine Kritik an der Firma verbietet.

Die Website von Guinness World Records wies dies jedoch zurück mit der Behauptung, dass der vorherige Rekord, der 2017 in Saudi-Arabien aufgestellt wurde, immer noch der rechtmäßige Rekordhalter sei. Die Weigerung, den von Last Week Tonight aufgestellten Rekord anzuerkennen, beruhte auf der Firmenpolitik, sich nicht an Aktivitäten zu beteiligen, die die Leistungen ihrer Rekordhalter herabsetzen könnten.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Marmorkuchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Lebensmittelbuch, Leitsätze für Feine Backwaren, Abschnitt II 4
  2. Johann Sigismund Elsholtz: Johann Sigism. Elsholzii, Doct. & Seren. Elect. Brand. Med. Ord. Artzney-Garten- Und Tisch-Buch, Oder Fortsetzung des Gartenbaws. 1690, S. 273, abgerufen am 2. Juni 2019.
  3. Conrad Hagger: Saltzburger Kochbuch. 1750, S. 213 (google.de).
  4. Der vollständige wienerische Zukerbäcker: oder praktische Anleitung eines herrschaftlichen Koches und Zukerbäckers. Im Verlage bey Mathias Ludwig, Wien 1794, S. 67 (google.de).
  5. Neues auf Erfahrung gegründetes leichtfaßliches Kochbuch für jede Haushaltung: enthaltend: eine practische Anleitung zur Bereitung von mehr als 1150 auserlesenen feinen Speisen. Werfer, Kaschau 1835, S. 207 (google.de).
  6. a b Bruce Kraig: The Oxford Encyclopedia of Food and Drink in America. OUP USA, 2013, ISBN 978-0-19-973496-2, S. 256 (google.de).
  7. Unterricht für ein junges Frauenzimmer, das Küche und Haushaltung selbst besorgen will: aus eigner Erfahrung ertheilt von einer Hausmutter. bey Johann Adam Creutz, 1782, S. 160 (google.de).
  8. Lynne Olver: Marble cake. In: Cake History Notes. Abgerufen am 11. Oktober 2014.
  9. Home Cookbook of Chicago. J. Fred. Waggoner, Publisher, 1874, S. 186 (google.de).
  10. John Oliver: Gurbanguly Berdimuhamedov: Last Week Tonight with John Oliver (HBO). In: YouTube. LastWeekTonight. 12. August 2019. Abgerufen am 28. Mai 2020.
  11. Guinness World Records on Last Week Tonight with John Oliver. In: GuinnessWorldRecords. GuinnessWorldRecords. 11. August 2019. Archiviert vom Original am 6. April 2020. Abgerufen am 20. August 2020.