Martin Pucher

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Martin Pucher (2009)

Martin Pucher (* 22. Februar 1956 in Wiener Neustadt) ist ein ehemaliger österreichischer Bankier und Fußballmanager, der als Zentralfigur eines Betrugsskandals eine besondere Bekanntheit erfuhr.

Commerzialbank Mattersburg im Burgenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pucher war Vorstandsvorsitzender der von ihm gegründeten Regionalbank Commerzialbank Mattersburg. Nachdem die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA aufgrund des Verdachtes von Bilanzfälschungen am 14. Juli 2020 der Bank den Geschäftsbetrieb mit sofortiger Wirkung untersagte, trat Pucher am 15. Juli als deren Vorstandsvorsitzender zurück.[1] Laut ersten Angaben war die Bilanz des Geldhauses um rund 500 Millionen Euro (mehr als die Hälfte der angegebenen Bilanzsumme) frisiert worden. Entsprechende Guthaben (sogenannte Interbankeinlagen) der Commerzialbank Mattersburg bei anderen österreichischen Banken existierten nicht, die zugehörigen Belege waren gefälscht.[2] Den Hauptteil des fraglichen Betrages machten vorgebliche Guthaben von je 40 bis 65 Millionen Euro bei mehreren großen österreichischen Banken aus.[3] Darüber hinaus wurden Kredite fingiert, um Zinseinnahmen vortäuschen zu können. Teilweise wurden unter den Namen realer Kunden der Bank Kredite eröffnet, teilweise wählten Pucher und eine enge Mitarbeiterin aber auch vollkommen unbeteiligte Personen aus öffentlichen Verzeichnissen aus. Von den laut Bilanz 350 Millionen Euro an Kundenkrediten wurden 180 Millionen Euro auf diese Art fingiert.[4] Pucher verlautbarte, vollumfänglich mit den Behörden kooperieren zu wollen. Nach Eröffnung des Konkursverfahrens über die Bank beantragte er aufgrund der an ihn gerichteten Schadenersatzforderungen Privatkonkurs.[5]

Fußball – SV Mattersburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pucher leitet seit 1988 den Fußballverein SV Mattersburg als Obmann. Unter seiner Führung und mit Sponsoring durch die Commerzialbank stieg der Klub von der fünftklassigen burgenländischen 2. Liga Mitte bis in die Bundesliga auf, wo er 2007 den dritten Platz erreichte. Wie sich im Zuge des Bankenskandals herausstellte, dürfte ein Großteil des Sponsoring mittels fiktiver Konten und durch Manipulation realer Verträge in der Bank „erfunden“ worden sein. Nachdem die Suche nach einem neuen Hauptsponsor gescheitert war, beschloss der Verein, seine Bundesligalizenz zurückzulegen und den Spielbetrieb einzustellen.[6]

Martin Pucher wurde am 2. Dezember 2005 interimistisch Präsident der Österreichischen Fußball-Bundesliga und damit Nachfolger von Frank Stronach, der dieses Amt seit 1999 innehatte. Am 1. März 2006 wurde er von den Vereinen der Bundesliga und der Ersten Liga in dieser Funktion bestätigt. Im November 2009 gab er bekannt, nicht erneut als Bundesliga-Präsident zu kandidieren und schlug als seinen Nachfolger Hans Rinner, den Präsidenten des SK Sturm Graz vor. Am 7. Dezember 2009 erfolgte im Rahmen der 13. Ordentlichen Hauptversammlung die Amtsübergabe.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Martin Pucher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riesiger Bilanzskandal im Burgenland aufgeflogen derstandard.at, 15. Juli 2020, abgerufen 16. Juli 2020
  2. Wie die Commerzialbank Mattersburg Luftschlösser gebaut haben soll. In: derStandard.at. 17. Juli 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  3. Commerzialbank: Martin Pucher und die Akte Mattersburg. In: profil.at . 25. Juli 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  4. Commerzialbank: Auch Klikovits gesteht. In: burgenland.orf.at. 24. August 2020, abgerufen am 24. August 2020.
  5. Pucher in Privatkonkurs: 65 Mio. Euro Schulden. In: burgenland.orf.at. 27. August 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  6. Bundesliga: Mattersburg wirft endgültig das Handtuch. In: sport.orf.at. 5. August 2020, abgerufen am 5. August 2020.
  7. kleinezeitung.at: Nur Rapid gegen Rinner (Memento vom 2. März 2010 im Internet Archive), aktualisiert 7. Dezember 2009, abgerufen am 7. Dezember 2009.
  8. oefb.at: Hans Rinner zum BL-Präsidenten gewählt, abgerufen am 27. August 2015.