Maschrabiyya

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Maschrabiyya-Gitterschranke in der Medersa Attarine in Fès, Marokko

Maschrabiyya (arabisch مشربية, DMG mašrabīya) nennt man in der traditionellen islamischen Architektur dekorative Holzgitter, die als Gitterschranken in Moscheen oder als Fenstergitter bzw. als Balkonverkleidungen in Wohnhäusern und Palästen zum Einsatz kamen.

Andere Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein anderer, im arabischen Raum weit verbreiteter Begriff ist Roshan (Rushan, Rawashin), mit dem auch speziell die Erkerfenster an den Handelshäusern der Hafenstädte am Roten Meer wie Dschidda und Sawakin bezeichnet werden. In der Türkei heißen sie Müşrefiye, im Irak Shanashil und in Syrien Koshke. Ähnliche Architekturelemente sind in Indien als Jali zu finden.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschrabiyyas werden meist aus geschnitzten oder gedrechselten Holzstücken zusammengesetzt, die zu geometrischen Mustern angeordnet sind. Sie dienen dem Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung ebenso wie der Belichtung, daneben auch der Raumbelüftung bei gleichzeitiger Wahrung der religiösen oder privaten Sphäre. In Wohnhäusern werden sie meist ab dem zweiten Geschoss verwendet. Ähnlich einer Jalousie erlauben sie den Blick nach draußen, ohne den Betrachter selbst erkennbar werden zu lassen. Die häufig vorkommende Ausbildung als Erkerfenster begünstigt den Ausblick. Die offene, meist unverglaste Bauweise lässt im Innenraum einen kühlenden Luftzug entstehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung der Maschrabbiyas liegt im Dunkeln; die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem 12./13. Jahrhundert und wurden in Bagdad gefunden. In Marokko hat sich überdies die gegen Ende des 10. Jahrhunderts gefertigte hölzerne Gebetskanzel (minbar) der Andalusier-Moschee von Fès erhalten, die in einem ihrer fünf Teile 20 unverbunden nebeneinander angeordnete gedrechselte Holzstäbe zeigt. Steinerne Vorbilder sind die indischen Jalis, die seit dem 2./3. Jahrhundert in buddhistischen Höhlentempeln (z. B. in Bhaja) bzw. ab dem 6./7. Jahrhundert an freistehenden Hindu-Tempeln (z. B. in Nachna oder Aihole) bekannt sind; auch hier sind hölzerne Frühformen wahrscheinlich, haben sich aber nicht erhalten. Während in Indien auch unter der islamischen Herrschaft zumeist in Stein gearbeitet wurde, hielt die übrige islamische Welt ganz überwiegend an Holzarbeiten fest. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Maschrabiyya-Gitter vereinzelt in Gusseisen nachgeahmt.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]