Massaker von Semile

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Geschehnisse des Großmassakers

Im Massaker von Semile (syrisch-aramäisch: ܦܪܡܬܐ ܕܣܡܠܐ oder ܦܪܸܡܬܵܐ ܕܣܡܹܠܹܐ Premta d-Simele) wurden 1933 mehrere Tausend Assyrer in verschiedenen Dörfern Nordiraks ermordet. Das besonders betroffene Dorf Semile wurde Namensgeber.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1933 endete das britische Völkerbundsmandat im Irak und eine Gruppe von Assyrern verhandelte mit den Franzosen, um für ihre Familien Aufnahme in Syrien zu finden.[1] Etwa 800 Männer erschienen am Fluss Khabur, an der erst kurz zuvor festgelegten Grenzlinie zwischen Syrien und Irak. Die Franzosen beurteilten den Grenzübertritt als illegal und alle Männer wurden zurückgeschickt. Auf irakischer Seite kam es danach zu einem Zusammenstoß mit Regierungstruppen, die dort Stellung bezogen hatten. 530 Assyrer flüchteten zurück nach Syrien und wurden dort interniert. Die von den irakischen Truppen gefangen genommenen Assyrer/Aramäer wurden umgebracht.[2]

Das Massaker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grenzzwischenfall und die aufgestauten Aggressionen gegen die Assyrer führten 1933 zum sogenannten Massaker von Semile.[3] Unter der irakischen Bevölkerung wurde das Gerücht verbreitet, die Assyrer würden in Nordirak plündern.[4] Damit gelang es, kurdische und arabische Stämme gegen die Aramäer/Assyrer aufzubringen. Im Zuge der Unruhen wurden 60 von 64 assyrischen Dörfern zerstört, und unter der Führung des irakischen Militärs wurden die Assyrer zusammengetrieben und die männliche Bevölkerung ab dem zehnten Lebensjahr erschossen. In Semile kam es zu einem Massaker durch die irakischen Truppen, das im Irak als Ende des assyrischen Aufstands verstanden und gefeiert wurde. Allein für Semile werden 350 Getötete genannt, die Gesamtzahl der umgekommenen Assyrer wird auf über 9000 geschätzt.[5]

Der Patriarch, Mar Shimun XXIII., der in Bagdad festgehalten wurde, versuchte die diplomatischen Vertretungen und den Völkerbund durch Petitionen immer wieder über die sich dramatisch zuspitzenden Ereignisse zu informieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sargon George Donabed: Reforging a forgotten history. Iraq and the Assyrians in the Twentieth Century. Edinburgh University Press, Edinburgh 2015, ISBN 978-0-7486-8602-5.
  • John Joseph: The Assyrian Affair: A Historical Perspective. In: International Journal of Middle East Studies, Jg. 6 (1975), S. 115–117.
  • John Joseph: The modern Assyrians of the Middle East. Encounters with Western Christian missions, archaeologists, and colonial powers. Brill, Leiden 2000, ISBN 90-04-11641-9.
  • Ivan Kakovitch: Mount Semele. Mandrill, Alexandria, VA 2002, ISBN 1-931633-70-3.
  • Alexander Mikaberidze (Hg.): Atrocities, massacres, and war crimes. An encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara 2015, ISBN 978-1-598-84925-7, Bd. 2, S. 733–766: Chronology of massacres and war crimes, hier S. 746.
  • Ronald Sempill Stafford: The Tragedy of the Assyrians. Allen and Unwin, London 1935.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Keith David Watenpaugh: Bread from Stones. The Middle East and the Making of Modern Humanitarianism. University of California Press, Berkeley 2015, ISBN 978-0-520-27932-2, S. 195−196.
  2. Wilhelm Baum, Dietmar Winkler: Die apostolische Kirche des Ostens. Geschichte der sogenannten Nestorianer. Verlag Kitab, Klagenfurt 2000, ISBN 3-902005-05-X, S. 126.
  3. FIDH Report: Iraq: continuous and silent ethnic cleansing. Displaced persons in Iraqi Kurdistan and Iraqi refugees in Iran
  4. Martin Tamcke: Hermannsburg, die Assyrerfrage und der Völkerbund. In: Georg Gremels (Hg.): Die Hermannsburger Mission und das „Dritte Reich“. Zwischen faschistischer Verführung und lutherischer Beharrlichkeit. Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-8972-6, S. 151–166, hier S. 160.
  5. Sargon George Donabed: Reforging a forgotten history. Iraq and the Assyrians in the Twentieth Century. Edinburgh University Press, Edinburgh 2015, S. 109–122.