Assyrer (Gegenwart)

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Assyrische Frau in Tell Tamer am Flusse Chabur spinnt Wolle. (1939)
Assyrische Familie in Mavana stellt auf traditionellem Wege Butter her.

Assyrer sind eine Syrisch-Aramäisch[1][2][3] sprechende ethnische Minderheit im Nahen Osten.[4][5] Sie sind Semiten[6][7] und gehören hauptsächlich dem syrischen Christentum an.[8] Ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete liegen in Nordmesopotamien, was heute dem nördlichen Irak, dem nordöstlichen Syrien, der südöstlichen Türkei sowie dem nordwestlichen Iran entspricht.[9] Durch Auswanderung und Flucht lebt ein beachtlicher Teil des assyrischen Volkes in der westlichen Diaspora.[10] Entsprechend der Bezeichnung als „Syrer“ (Suryoye, Suroye und Suraye) werden sie von den Arabern Suriani oder Aschuri'in und von den Persern Asuri und den Türken Süryaniler genannt. Die Bezeichnung „Syrisch“ bezieht sich nicht auf die heutige Republik Syrien, sondern auf die syrische Tradition des Christentums.[11]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Syrisch-Orthodoxe Mutter-Gottes-Kloster in Hah befindet sich im historischen Tur-Abdin. Errichtet wurde das Gotteshaus in der Spätantike.

Die Assyrer sind ein indigenes Volk Mesopotamiens,[12][13] welches als eines der ersten Völker überhaupt das Christentum annahm.[14] Im Laufe der Zeit haben diese Anhänger des syrischen Christentums diverse altorientalische Kirchen gegründet, die zum östlichen Christentum gehören. Die Assyrische Kirche des Ostens, die unter Katholikos-Patriarch Mar Dinkha IV. als weltweit einzige Kirche katholischen Typs (neben protestantischen Gruppen) das „Assyrisch“ in ihren Namen aufgenommen hat (in der Metropolie von Indien gewöhnlich nicht benutzt), wird zum ostsyrischen Ritus gezählt. In einem weiteren Sinn werden als Assyrer alle Christen syrischer Tradition, d. h. einschließlich der assyrischen Altkalendarier (= Alte Kirche des Ostens unter Katholikos-Patriarch Addai II.), der Angehörigen der Chaldäisch-katholischen Kirche (ohne die Indischen „Thomaschristen“), auch der Syrisch-Orthodoxen Kirche und der Syrisch-Katholischen Kirche sowie protestantisch oder russisch-orthodox missionierte Gruppe assyrischer Christen bezeichnet. In der Summe werden die syrischen Christen auch „Aramäer“, „Assyro-Chaldäer“ und „Chaldo-Assyrer“ genannt. Im weitesten Sinn werden als Assyrer jene Christen bezeichnet, deren traditionelle Gottesdienstsprache das Aramäische ist, ohne Rücksicht auf ihre konfessionelle, staatliche oder sonstige Zugehörigkeit (und zum Teil gegen den erklärten Willen einzelner Gruppen und Kirchenleitungen).

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vaterunser in Aramäischer Sprache

Die Sprache der Assyrer ist linguistisch als Neu-Ostaramäisch[15] einzuordnen und gehört zu den semitischen Sprachen. Die Assyrer benutzen dabei folgende zwei Neu-Ostaramäische Formen: einerseits das west-syrische Surayt (auch bekannt als Turoyo) andererseits das ost-syrische Suret (auch bekannt als Swadaya).[16] Gemäß Geoffrey Khan[17] sowie anderen Linguisten finden sich in den beiden Formen viele Spuren des Akkadischen. Eigensprachlich bezeichnen sich die Assyrer im West-Syrischen als Suroye oder Suryoye und im Ost-Syrischen als Suraye. Gemäß dem Orientalist und Semitist Shabo Talay sprechen heute noch ca. 250.000 Assyrer das west-syrische Surayt.[18] Die Platform Ethnologue beziffert die Sprecher des ost-syrischen Suret weltweit auf ca. 830.000.[19][20]

Ost-Aramäisch
Neu-Ostaramäisch
West-Syrisch Ost-Syrisch
Surayt/Turoyo Suret/Swadaya

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung einer heutigen Volksgruppe von Ostchristen als Assyrer soll für den Zeitraum seit mindestens 1612 belegt sein. In der Chronik der karmelitischen Mission in Persien (Chronicle of the Carmelites in Persia) benennt Papst Paul V. in einem Brief an den persischen Schah Abbas I. (1571–1629) vom 3. November 1612 die syrisch-orthodoxen Jakobiten als Assyrer.

“Those in particular who are called Assyrians or Jacobites and inhabit Isfahan will be compelled to sell their very children in order to pay the heavy tax you have imposed on them, unless You take pity on their misfortune”

„Besonders jene, welche Assyrer oder Jakobiten genannt werden und in Isfahan leben, werden gezwungen sein, ihre eigenen Kinder zu verkaufen, um die von Ihnen auferlegte Steuerlast bewältigen zu können, wenn Sie sich ihrer nicht erbarmen.“

Papst Paul V.: Brief vom 3. November 1612.[21]

In ihrem weitesten Sinn ist die Bezeichnung Assyrer meist gleichbedeutend mit dem Begriff Aramäer und nicht weniger umstritten als dieser Begriff. Die bestehende Konkurrenz der Namen führt zu Auseinandersetzungen, da sie auch politisch und konfessionell eingefärbt ist. Die Spaltung der syrischen Christenheit in rivalisierende Konfessionen und Kirchenorganisationen wird von einigen ihrer Angehörigen zugleich als Teilung des einen mesopotamischen Christenvolkes erlebt. Die Anstrengungen um dessen Einigung und Festigung zeigen in Heimat wie Diaspora ein breites, nicht immer spannungsfreies Spektrum von religiös-kirchlichen bis politisch-säkularen Initiativen. Die Benennung von Christen als Assyrer kann mit allgemein- oder kulturpolitischen Zielen einhergehen und mit unterschiedlichen Hypothesen über die ethnische Herkunft dieser Personengruppe verbunden sein, wie die Ableitung von den Assyrern des Altertums.

Historische Schlagzeile in der Washington Times vom 26. März 1915 bezüglich dem Völkermord an den Assyrern.

Im Schatten des Ersten Weltkriegs ereignete sich 1915 der Völkermord an den Armeniern. Dieser Völkermord war nicht nur gegen die Armenier gerichtet, sondern auch gegen die syrischen Christen bzw. Assyrer.[22][23] Die Angaben über die Anzahl der getöteten Syrer unterschiedlicher christlicher Konfessionen die der systematischen Verfolgung in Mesopotamien zum Opfer fielen schwanken von 100.000 bis 250.000.[24][25] Dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit[26] wurde von diversen Parlamenten in Form von Resolutionen als Völkermord eingestuft. Die Parlamente folgender Staaten haben dabei die Assyrer schriftlich explizit auch als Opfer des Genozides von 1915 erwähnt: Schweden[27], Niederlande[28], Armenien[29], Österreich[30], Deutschland[31] sowie die Vereinigten Staaten von Amerika.[32][33][34]

Nachdem Shimun XXI., Katholikos-Patriarch der Assyrischen Kirche des Ostens, im Ersten Weltkrieg ein Kriegsbündnis mit Russland geschlossen hatte, um die Unabhängigkeit der Assyrer-Stämme vom zerfallenden Osmanischen Reich zu erreichen, musste er mit zahlreichen Assyrern aus dem Gebiet von Hakkari in Südostanatolien zunächst in das Gebiet um Urmia (im Nordwesten des heutigen Iran) fliehen und, nach dem Rückzug der russischen Truppen von dort und dem Fall von Urmia, mit den Überlebenden 1918 in den Irak In den Kämpfen und Flüchtlingstrecks verloren Tausende ihr Leben (siehe auch Kapitel: Gegenwart). Die eine andere Politik verfolgende Chaldäisch-katholische Kirche mit Abraham Shimonaya wurde von den Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen, konnte sich in ihren traditionellen Siedlungsgebieten jedoch weithin halten.

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Nach dem Krieg siedelte Großbritannien assyrische Flüchtlinge in den irakischen Städten Mosul und Kirkuk sowie bei Bagdad wieder an. Mehr noch, aus vertriebenen Assyrern gebildete Hilfstruppen, die Levi Rifles, halfen der britischen Armee und der Royal Air Force im Krieg, in der Hoffnung auf Wiedergründung eines autonomen assyrischen Staates in den alten Siedlungsgebieten oder deren Nähe. Als wichtigstes Anhängsel der britischen Mandatsmacht waren Assyrer nach der formalen Unabhängigkeit Iraks 1932 und dem Abbau der britischen Truppenpräsenz verstärkt der Verfolgung durch die muslimischen Völker Iraks ausgesetzt. Viele assyrische Familien flohen nach Syrien, wurden aber von der dortigen Mandatsmacht Frankreich wieder zurückgeschickt. Der zurückkehrende Flüchtlingszug wurde 1933 in Kirkuk von der irakischen Armee überfallen, hunderte Assyrer (auch Frauen und Kinder) getötet. Daraufhin kam es zu aufstandsähnlichen Unruhen in Mosul und Kirkuk, die Assyrer griffen zu den Waffen und griffen ihrerseits die irakischen Truppen an. Die irakische Armee unter ihrem Oberbefehlshaber Bakr Sidqī schlug in einer nationalistischen Kampagne den Aufstand im Sommer 1933 nieder, Großbritannien griff nicht ein. Die städtische arabische Bevölkerung begrüßte diese Abrechnung. Der Irak-Experte Sluglett gab jedoch zu bedenken, dass „die meisten (Assyrer), die 1933 in den gegen die gerichteten Operationen der Armee getötet wurden, Untergebene der Levies und nicht die Levies selbst“ waren. Der größte Erfolg der Armee sei im Grund ein Massaker an unbewaffneten Dorfbewohnern gewesen, die in der Polizeistation von Semile (Provinz Dahuk) Schutz gesucht hatten[35]. Seitdem befindet sich in Semile (Sumail) eine assyrische Märtyrerkirche, die an das Massaker von Semile erinnert.

Katholikos-Patriarch Shimun XXIII. der Assyrischen Kirche des Ostens und ein Teil der assyrischen Anführer forderten, unter anderem vor dem Völkerbund in Genf, ein geschlossenes Siedlungsgebiet für ihr Volk mit weitreichender Autonomie, kamen mit ihrer Forderung jedoch nicht durch. Der Patriarch musste mit seiner Familie den Irak verlassen, ließ sich in den USA nieder und konzentrierte sich schließlich auf seine kirchlichen Aufgaben.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Mehrheit der assyrischen Christen lebt heute aufgrund von Unterdrückung und Vertreibung in ihrer angestammten Heimat Mesopotamien, in der westlichen Diaspora (insbesondere Europa, den USA sowie Australien). Die ehemalige Sowjetunion zählte noch 1990 rund 26.000 ethnische Assyrer (russisch Assirijcy), die vorwiegend in den kaukasischen Republiken, sowie in Moskau und Leningrad (Sankt Petersburg) lebten. Diese nestorianischen und jakobitischen Assyrer stammen aus der Gegend um den Urmia-See im Iran, von wo aus sie wegen Verfolgung im 19. Jahrhundert ins Russische Reich, und nach dem 2. Weltkrieg in die Sowjetrepubliken emigrierten.[36][37]

Der Tur Abdin gilt als historisches Siedlungsgebiet der Assyrer.

In den alten Siedlungsgebieten in Hakkari und im Tur Abdin in der heutigen Südosttürkei gibt es wegen starker Ab- und Auswanderung nur noch ca. 4.000 Assyrer[38], welche fast ausschließlich der Syrisch-Orthodoxen Kirche angehören.[39][40] Tur Abdin ist die aramäische Begrifflichkeit für "Berg der Knechte [Gottes]"[41], das Kalksteingebirge in Nordmesopotamien ist eines der wichtigsten Zentren des Urchristentums. Seit dem vierten Jahrhundert bekennen sich die Assyrer in dieser Region zum Christentum.[42] Klöster wie das 397 erbaute Mor Gabriel sind lebendige Kulturerben dieser eindrücklichen Region.

Doch im Nordirak, in der Ebene von Mosul und in der Region Bagdad sowie in Nordost-, Zentral-Syrien und drei Dörfern in der Umgebung von Damaskus, darunter Maalula, existieren noch immer assyrische Gemeinden.

In jüngster Zeit sind die Assyrer in ihrer Heimat im Nordirak wieder verstärkt in Konflikt mit den Kurden geraten. Kurdenführer Barzani hatte ihnen 1971 vorgeworfen, in Kirkuk die vom irakischen Regime forcierten Ansiedlungen von Arabern zu unterstützen, um die dortige Kurden zu unterminieren.[43] Seit den Siegen der US-Alliierten und kurdischer Hilfswilliger über das irakische Regime 1991 und 2003 klagen Assyrer in Kirkuk über eine Vertreibungspolitik der Kurden, die Kirkuk zur Hauptstadt ihrer autonomen Region machen wollen. Nach Angaben assyrischer politischer und gesellschaftlicher Organisationen sowie christlicher Kirchen leiden chaldo-assyrische Christen auch in der Ninive-Ebene (in der sie die Bevölkerungsmehrheit darstellen) und in der Stadt Mosul in der Provinz Ninawa unter ähnlichen Repressalien.[44]

Der derzeitige Krieg im Irak macht nach Mitteilung chaldäisch-katholischer Bischöfe die dortige Lage der Christen immer bedrohlicher. Nach Schätzung des Weihbischofs Andreos Abouna sind von vormals 1,4 Millionen Christen nur noch 600.000 in ihrer irakischen Heimat verblieben. Erzbischof Louis Sako von Kirkuk teilte mit, lediglich im Kurdengebiet sei die Situation noch erträglich. „Es gibt dort Städte. in denen sich die Zahl der Christen innerhalb von drei Jahren verdoppelt hat“.[45] Der Anteil der Christen im Irak belief sich nach Schätzungen des CIA World Fact Book Mitte 2015 nur noch auf 0,8 %. Der ethnische Anteil der Turkmenen, Assyrer und weiterer Minderheiten an der Gesamtbevölkerung wird noch mit 5 % angegeben.[46]

Assyrische Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die assyrische Flagge (entworfen 1968; angenommen 1971)[47]

Die assyrische Flagge hat ihren Ursprung in der Darstellung des antiken assyrischen Sonnengottes Schamasch, auf der die Sonnenscheibe auf einem Altar steht. Der goldene Kreis in der Mitte stellt die Sonne dar, die mit ihren Flammen Hitze und Licht erzeugt um die Lebewesen der Erde aufrechtzuerhalten. Der Stern, der die Sonne umgibt, symbolisiert das Land, die hellblaue Farbe symbolisiert Gelassenheit. Die wogenden Streifen repräsentieren die drei Hauptflüsse des assyrischen Heimatlandes: der Tigris, der Euphrat und der große Zab. Die dunkelblauen Streifen stehen für den Euphrat. Der assyrische Name für den Euphrat ist „Frot“ oder „Prat“. Die roten Streifen stehen für Courage, Herrlichkeit und Stolz, sie repräsentieren den Tigris. Die weißen Linien zwischen diesen zwei großen Flüssen repräsentieren den großen Zab, die weiße Farbe symbolisiert Frieden. Einige interpretieren die roten weißen und blauen Streifen als die Wege, die die zerstreuten Assyrer zurück zu ihrem Heimatland ihrer Ahnen zurückführen werden.

Über der assyrischen Flagge ist der Gott der Assyrer Aschur aus vorchristlicher Zeit zu sehen.

Der assyrische Adler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Assyrer führten früher auch den assyrischen Adler ein, welcher allerdings anstatt der Sonne den Kopf des assyrischen Gottes Assur zeigt. Sehr oft wird dabei im Hintergrund ein Stern dargestellt, was oft als „Geistiges Kreuz“ interpretiert wird und den Namen Jesu repräsentiert.

Diaspora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Syrisch-Orthodoxe Kathedrale St. Jakob von Nisibis in der Schwedischen Provinz Stockholms län

Aufgrund von Verfolgung, Repression und Unterdrückung in ihrer alten Heimat Mesopotamien, leben die meisten Assyrer heute in der westlichen Diaspora.[48][49]

Europa: Nach Angaben der Assyrischen Konföderation von Europa leben 500.000 Assyrer in Westeuropa.[50][51] Wovon 135.000 Assyrer in Deutschland beheimatet sind.[52][53] Rund 100.000 Assyrer haben in Schweden eine neue Heimat gefunden.[54][55] Weitere Staaten mit einer assyrischen Gemeinde sind: Belgien[56], Frankreich[57], Schweiz[58], Niederlande[59], Vereinigtes Königreich[60], Dänemark[61], Spanien[62] und Österreich[63]. Die Mehrheit der Europäer mit assyrischen Wurzeln gehört der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien an.[64]

Nordamerika: Die ersten Gruppen assyrischer Emigranten erreichten den US-Bundesstaat New Jersey in den 1910er-Jahren. Sie kamen hauptsächlich aus Diyarbakır.[65][66] So entstand die erste Syrisch-Orthodoxe Kirche in den USA in West Hoboken (heutiges North Bergen) in New Jersey.[67] In den Vereinigten Staaten von Amerika leben heute über 120.000 Assyrer, viele von ihnen haben sich in der Metropolregion Detroit niedergelassen.[68] Die ersten Assyrer emigrierten 1902 nach North Battleford in Kanada.[69] Heute beheimatet Kanada etwa 25.000 Assyrer,[70] die meisten wohnen in Toronto, Hamilton und Ottawa.

Kaukasus: Ab 1915 gab es auch eine assyrische Gemeinde in Aserbaidschan. Die meisten Assyrer in Aserbaidschan wurden 1949 in die Oblast Tomsk nach Russland zwangsumgesiedelt.[71] In Armenien leben heute ca. 3.000 Assyrer, die Mehrheit der Assyrer leben in den folgenden Dörfern: Arzni, Verin Dvin, Dimitrov sowie Nor Artagers. Sie sind die Nachkommen von Flüchtlingen der verschiedenen Verfolgswellen wie zum Beispiel während des Russisch-Persischen Krieges von 1826 bis 1828 oder während des Völkermordes an den Assyrern von 1915.[72][73]

Australien/Ozeanien: Seit den 1960er-jahren hat auch Australien eine assyrische Gemeinde.[74] Ein beachtlicher Anteil der rund 40.000 Australier mit assyrischen Wurzeln lebt in einem westlichen Vorort von Sydney namens Fairfield.[75] Neuseeland beheimatet heute ca. 6.000 Assyrer, wovon knapp zwei Drittel in der Wellington Region zu Hause sind.[76]

Neujahrsfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das assyrische Neujahrsfest im australischen Fairfield (westlicher Vorort von Sydney).

Aufgrund des Assyrischen Kalenders[77], feiern die Assyrer jährlich jeweils am 1. April das neue assyrische Jahr.[78][79] Dieses Fest wird als Akitu oder "Ha b'Nison" bezeichnet und weltweit in Form eines Familienfestes zelebriert.[80] Akitu steht symbolisch für einen Neuanfang, die Aussaat sowie für den Geist und das Leben neue Kraft und Hoffnung zu schöpfen.[81]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Fernsehsendern, die sich an Assyrer richten und über Internet oder Satellit empfangbar sind, gehören: Assyria TV (Södertälje, Schweden), Suroyo TV (Södertälje, Schweden), Suryoyo Sat (Södertälje, Schweden), ANB Sat (San Jose, USA), KBSV-TV 23, AssyriaVision (Ceres, USA) und Ishtar TV (Ankawa, Irak).

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit Abstand beliebteste und am meisten verbreitete Sportart unter den Assyrern ist der Fußball. Dies gilt sowohl für die mesopotamische Heimat der Assyrer als auch für die assyrische Diaspora. In Schweden zum Beispiel haben es gleich zwei Mannschaften zwischenzeitlich in die höchste Fußballliga geschafft. Sowohl der Fußballverein Assyriska FF als auch der konkurrierende Verein Syrianska FC konnten in der höchsten Schwedischen Liga als Emigrantenmannschaften mithalten.[82][83][84]

Liste von Persönlichkeiten assyrischer Volkszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspieler und Filmschaffende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erol Dora, türkischer Politiker, Abgeordneter und Anwalt, gewählt in der Provinz Mardin
  • Anna Eshoo, US-amerikanische Senatorin, Mitglied des US-Kongresses

Im Nahen Osten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religiöse Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
    Mor Philoxenos Yahanon Dolabani
    • Mor Michael der Syrer (auch bekannt als Michael Syrus oder Michael der Große), Patriarch (* 1126 in Melitene, heute Battalgazi; † 7. November 1199)
    • Mor Ignatius Ephräm I. Barsum, Patriarch (15. Juni 1887 in Mossul; † 23. Juni 1957 in Homs)
    • Mor Philoxenos Yuhanon Dolabani, Metropolit von Mardin und gelehrter Autor (1885 - † 1969)
    • Mor Philoxenos Saliba Özmen, Erzbischof von Mardin/Diyarbakir und Abt des Klosters Deyrulzafaran. Das Kloster geht auf das fünfte Jahrhundert zurück.[85]
    • Mor Theophilus George Saliba, Metropolit der Diözese im Libanon und Tripoli/Beirut. Seit 1973 Vikar des Patriarchen für den Libanon.
    • Mor Julius Abdulahad Gallo Shabo, seit 1987 Erzbischof von Schweden und Skandinavien (* 8. März 1951)
    • Abuna Bitris Ögünc, 1971 wurde Bitris Ögünc erster Pfarrer für die Diaspora in Mitteleuropa (* 1937 in Midyat; † 26. Januar 2014 in Augsburg)[86]
    • Abuna Shamun Bagandi, Priester der Mor Malke Gemeinde in Delbrück, für seine Predigten jedoch bei der Diaspora in ganz Europa bekannt
    • Abuna Dr. Emanuel Aydin, Chorepiskopos der St. Ephrem Kirche in Wien, Träger des 'Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich', (*16.05.1947 in Midyat)[87]

Musiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Assyrische Patrioten und Nationalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Agha Petros, assyrischer Militärführer im Ersten Weltkrieg
  • Freydun Atturaya, Gründer der ersten assyrischen Partei, 1917
  • Naum Faiq (1868–1930), Journalist, Lehrer und Dichter
  • Ashur Yousif
  • Farid Nazha
  • Ninos Aho, assyrischer Poet und Aktivist (* 24. April 1945 in Gerkeh-Shamo, Syrien; † 15. Juli 2013 in San Pedro, Los Angeles)[92]
  • Israel Makko, einer der Gründungsväter des assyrischen Mesopotamien-Verein in Augsburg im Jahre 1978, (* 1937 in Enhil; † 30. September 2018 in Augsburg)[93]

Wissenschaftler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kenan Araz: Verfolgung, Flucht, Asyl. Flüchtlingsgespräche, Flüchtlingsinterviews mit Assyrern. Ars Una, Neuried 2001. ISBN 3-89391-110-3.
  • Burchard Brentjes: The Armenians, Assyrians and Kurds: Three Nations, one fate?. Richi Press, Campbell 1997, ISBN 0-9659623-1-8.
  • Michel Chevalier: Les montagnards chrétiens du Hakkâri et du Kurdistan septentrional. Dépt. de Géographie de l'Univ. de Paris-Sorbonne, Paris 1985, ISBN 2-901165-13-3.
  • H. Chick: A Chronicle of the Carmelites in Persia. 2 Bände, London 1939.
  • James Farwell Coakley: The Church of the East and the Church of England. Clarendon Press, Oxford 1992. ISBN 0-19-826744-4.
  • Wolfgang Gockel: Irak. Sumerische Tempel, Babylons Paläste und heilige Stätten des Islam im Zweistromland. Dumont Kunst-Reiseführer. Du Mont, Köln 2001. ISBN 3-7701-4949-1.
  • Augin Kurt Haninke: The Heirs of Patriarch Shaker. Nineveh Press, 2018, ISBN 978-91-984100-7-5.
  • Svante Lundgren: Die Assyrer: Von Ninive bis Gütersloh Lit Verlag, Münster 2016, ISBN 9783643132567.
  • Abdo Mirza, Franz-Rudolf Müller: „Barfuß sind wir an den Chabour gekommen, barfuß sind wir gezwungen wieder zu gehen.“ Flucht, Vertreibung und Geiselhaft der assyrischen Christen aus Tal Goran (Al-Hassake, Nordsyrien). Persönlicher Bericht des Abdo Mirza und seiner Familie. Lit Verlag, Berlin/Münster 2019, ISBN 978-3-643-14320-4.
  • Abrohom Mirza: Dokumentation über Ermordungen und Verfolgungen der assyrischen Christen in der Türkei 1976-2007. ADO, Frauenfeld 2007, ISBN 3-931358-12-7.
  • P.& M. Sluglett: Der Irak seit 1958 – von der Revolution zur Diktatur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-11661-4.
  • Salâhi R. Sonyel: The Assyrians Of Turkey Victims Of Major Power Policy. Türk Tarih Kurumu, Ankara 2001, ISBN 975-16-1296-9.
  • Gabriele Yonan: Assyrer heute. Gesellschaft für bedrohte Völker, Hamburg 1978, ISBN 3-922197-00-0.
  • Gabriele Yonan: Ein vergessener Holocaust, Die Vernichtung der christlichen Assyrer in der Türkei. Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen 1989. ISBN 3-922197-25-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Assyrer (Gegenwart) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Shabo Talay: Šlomo Surayt: Ein Einführungskurs ins Surayt-Aramäische (Turoyo). Shabo Talay, 2017, abgerufen am 1. November 2019.
  2. Shlemon Yonan, Annelore Hermes, Gernot Wiessner: Assyrer - Christliche Minderheit im Nahen Osten. Gesellschaft für bedrohte Völker, 22. April 2005, abgerufen am 1. November 2019.
  3. Svante Lundgren: Die Assyrer: von Ninive bis Gütersloh. Hrsg.: LIT, 2015. LIT Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-643-13256-7, S. 176.
  4. Auswärtiges Amt: Auswärtiges Amt - Armenien. In: Auswärtiges Amt DE. (Online [abgerufen am 10. Oktober 2018]).
  5. Sharo Ibrahim Garip: Ethnische Konflikte im Vergleich: Baskenland - Kurdistan. LIT Verlag Münster, 2013, ISBN 978-3-643-90325-9 (google.com [abgerufen am 10. Oktober 2018]).
  6. Sabatino Moscati. Dt. Übertr. von E. Kümmerer: Geschichte und Kultur der semitischen Völker. In: http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/inhouse/content/titleinfo/5218092. Stuttgart: Kohlhammer, 1955, abgerufen am 31. Dezember 2019 (deutsch).
  7. Moscati, Sabatino, Sandkühler, Bruno: Die altsemitischen Kulturen. In: http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/inhouse/content/titleinfo/4896476. Stuttgart: Kohlhammer, 1961, abgerufen am 31. Dezember 2019 (deutsch).
  8. Shlemon Yonan, Annelore Hermes, Gernot Wiessner: Assyrer – Christliche Minderheit im Nahen Osten. Gesellschaft für bedrohte Völker, 22. April 2005
  9. Sargon Donabed: Reforging a Forgotten History: Iraq and the Assyrians in the Twentieth Century. Edinburgh University Press, 2015, ISBN 978-0-7486-8605-6 (google.de [abgerufen am 23. Februar 2019]).
  10. Dietmar W. Winkler: "Islamischer Staat": Wieder auf der Flucht. In: Die Zeit. 5. März 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  11. Erzdiözese Wien: Ökumenisches Großereignis ab 26. November in Wien. Abgerufen am 20. Mai 2020 (deutsch).
  12. Hans-Joachim Löwer: Mit Feuer und Schwert: Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden. Styriabooks, 2016, ISBN 978-3-99040-422-5 (google.com [abgerufen am 11. Oktober 2018]).
  13. Ein wenig bekannter Genozid | a3kultur | Feuilleton für Augsburg. Abgerufen am 13. Mai 2020.
  14. Assyrische Christen: Uralte Gemeinschaft im IS-Visier. 27. Februar 2015, abgerufen am 13. Mai 2020.
  15. Shabo Talay: Šlomo Surayt: ein Einführungskurs ins Surayt-Aramäische (Turoyo). Hrsg.: Shabo Talay. Bar Habraeus Verlag, Glane 2017, ISBN 978-90-5047-065-0, S. 2 (Online [PDF; abgerufen am 10. Februar 2019]).
  16. Nicholas Awde, Nineb Lamassu, Nicholas Al-Jeloo: Modern Aramaic (Assyrian/Syriac). Hrsg.: HIPPOCRENE BOOKS, INC. HIPPOCRENE BOOKS, INC., New York 2007, ISBN 978-0-7818-1087-6.
  17. Lundgren Svante: Die Assyrer von Ninive bis Gütersloh. Lit Verlag, Berlin, ISBN 9783643132567
  18. Šlomo Surayt. Abgerufen am 21. Dezember 2019.
  19. Assyrian Neo-Aramaic. Abgerufen am 21. Dezember 2019 (englisch).
  20. Chaldean Neo-Aramaic. Abgerufen am 21. Dezember 2019 (englisch).
  21. H. Chick: A Chronicle of the Carmelites in Persia. London 1939, S. 100.
  22. Susanne Güsten: Völkermord: Das Jahr des Schwertes. In: Die Zeit. 18. April 2015, ISSN 0044-2070 (Online [abgerufen am 27. Oktober 2019]).
  23. Langer Kampf um das Gedenken. Abgerufen am 27. Oktober 2019.
  24. Martin Tamcke: Der Genozid an den Assyrern/Nestorianern. In: Tessa Hofmann (Hrsg.): Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich. 1912–1922. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-7823-6. S. 103–118, hier: S. 110 f. (PDF).
  25. Hannibal Travis: The Assyrian Genozid. A Talo of Oblivion and Denial. In: Rene Lemarchand (Hrsg.): Forgotten Genocides. Oblivion, Denial, and Memory. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2011, ISBN 978-0-8122-0438-4, S. 123–136, hier: S. 127.
  26. admintv: International Conference: Seyfo 1915 - Panel I - Part I. 5. August 2015, abgerufen am 11. November 2019 (sv-SE).
  27. Schweden erbost Türkei. 13. März 2010, abgerufen am 11. November 2019.
  28. Massenmord an Armeniern - Niederlande auf Konfrontationskurs mit der Türkei. 23. Februar 2018, abgerufen am 11. November 2019.
  29. Adoption of declaration to certify that Armenia recognizes Greek and Assyrian genocide: Eduard Sharmazanov. Abgerufen am 11. November 2019 (englisch).
  30. Austrian Parliament Recognizes Armenian, Assyrian, Greek Genocide. Abgerufen am 11. November 2019.
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