Massenhysterie

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Massenhysterie. Für das gleichnamige Album des Rappers Godsilla siehe Massenhysterie (Album).

Massenhysterie bezeichnet eine starke emotionale Erregung in großen Menschenmengen, etwa (euphorisch) aus Anlass von Rock- und Popkonzerten, großen Sportereignissen oder (trauernd) nach dem Tod von Filmstars oder politischen Führungspersönlichkeiten. Der Begriff ist von dem der moralischen Panik abzugrenzen, der gezielt der sozialen Kontrolle gilt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Gebrauch geht auf den The Quarterly Christian Spectator 1830 zurück und wurde unter anderem bei einem Choleraausbruch gebraucht.[1] Marshall McLuhan begann das Phänomen in Understanding Media 1964 wissenschaftlich zu beschreiben.[2]

In diesem Sinne wurde und wird beispielsweise die überschießende Begeisterung für die Beatles ebenso dem Bereich der Massenhysterie zugeordnet wie die Trauer um Rudolph Valentino, Josef Stalin oder Eva Perón. Auch die mittelalterliche Tanzwut, der Hexenwahn der Frühen Neuzeit und andere massenhaft auftretende Ängste (etwa die Kommunistenangst im McCarthyismus) werden häufig als Massenhysterie bezeichnet. Der Begriff wird gelegentlich auch als gleichbedeutend mit Massenpanik benutzt. Die Sozialpsychologie beschäftigt sich unter dem Thema Massenpsychologie wissenschaftlich mit dem Verhalten von Menschen in Menschenansammlungen. Thematisiert wird dies auch in Masse und Macht, dem 1960 erschienenen Hauptwerk des späteren Literaturnobelpreisträgers Elias Canetti.

Konkrete Beispiele in der jüngeren Vergangenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Arjenyattah-Epidemie handelte es sich um ein massenhysterisches Ereignis.[3] Im Jahre 1983 entwickelten Schüler in Palästina innerhalb von wenigen Stunden Panikattacken und massive körperliche Beschwerden. Eingehende medizinische Untersuchungen wurden bei insgesamt 949 Betroffenen vorgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James N. Butcher, Susan Mineka, Jill M. Hooley: Klinische Psychologie 13., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München u. a. 2009, ISBN 978-3-8273-7328-1.
  • Thomas Brudermann: Massenpsychologie. Psychologische Ansteckung, kollektive Dynamiken, Simulationsmodelle. Springer, Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-211-99760-4 (Zugleich: Klagenfurt, Universität, Dissertation, 2009).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Massenhysterie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Journal of Health Conducted by an Association of Physicians (1831) p. 180
  2. McLuhan, M. (1964) Understanding Media: The Extensions of Man. New York: Signet
  3. G. W. Small und J. F. Borus: Outbreak of illness in a school chorus. Toxic poisoning or mass hysteria? In: NEJM 308, 1983, S. 632–635. PMID 6828094