Matthiasturm

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Matthiasturm
Der Matthiasturm mit den markanten Spitzbogenfenstern und dem Relief

Der Matthiasturm mit den markanten Spitzbogenfenstern und dem Relief

Daten
Ort Bautzen
Baujahr 1483 bis 1486
Koordinaten 51° 11′ 0″ N, 14° 25′ 15,9″ OKoordinaten: 51° 11′ 0″ N, 14° 25′ 15,9″ O

Der Matthiasturm, obersorbisch Maćijowa wěža, ist ein Torturm aus dem späten 15. Jahrhundert an der Nordostseite der Ortenburg in Bautzen. Er wurde im Rahmen des Neubaus der Ortenburg in der Zeit von 1483 bis 1486 auf der Grundlage des Matthiastores im spätgotischen Stil erbaut. Benannt wurde der Turm nach dem ungarischen König Matthias Corvinus, welcher von 1469 bis 1490 als Landesherr der Oberlausitz im Besitz der Burg war.

Nach dem Frieden von Olmütz (1479), durch den die Lausitz dem ungarischen König Matthias Corvinus zugesprochen wurde, wurde die Ortenburg in dessen Auftrag durch den Landvogt zwischen 1483 und 1486 im gotischen Stil neu aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der nach dem König benannte Matthiasturm mit dem Relief.

Durch das Matthiastor war die Burg von der Schlossstraße her zugänglich. Neben dem Matthiasturm gehört zu den auffälligen Teilen der Verteidigungsanlagen auch der Burgwasserturm. Ursprünglich befand sich noch am südlichen Ende der zur Stadt hin gewandten Mauer ein Wehrturm, der jedoch im 17. Jahrhundert in sich zusammengestürzt war und nicht wiederaufgebaut wurde. 1649 wurde das im nördlichen Teil der Burg befindliche Hofrichterhaus fertiggestellt.

Von der mittelalterlichen Bausubstanz blieben lediglich der Burgwasserturm, der Matthiasturm und die Mauer erhalten.

Bevor gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Burgmauer für das neue, heutige Haupttor durchbrochen wurde, war das Matthiastor der einzige öffentliche Zugang zur Festungsanlage. Vor dem Tor befand sich eine Zugbrücke, die über den vorgelagerten Burggraben führte.

St. Georgskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor dem Bau des Matthiasturms wurde im zweiten Geschoss des damaligen Matthiastores eine Schlosskapelle eingerichtet. Nach außen hin ist sie durch die zwei südöstlich gelegenen länglichen Spitzbogenfenster im Matthiasturm von der Stadtseite her erkennbar. Im Inneren hat die Kapelle nur eine Fläche von wenigen Quadratmetern und wird durch den inneren Wehrgang des Turms geschützt. Unterhalb der beiden Spitzbogenfenster befand sich ein Altar.[1] Gegenüber der Fensterseite befindet sich eine Loge, zu der man über eine enge, dunkle Stiege gelangt. An dieser Stiege befindet sich eine Brüstung im Stile eines zierlichen gotischen Maßwerkes. Unterhalb der Loge befindet sich eine bis zum Fußboden reichende Nische, die wahrscheinlich der Aufbewahrung heiliger Gegenstände und Messgewänder diente. Auch die Türen in der Kapelle waren stark verziert. An der Decke befinden sich zwischen den Fenstern und an der gegenüberliegenden Seite zwei Engel, die jeweils einen Schild halten.

Die Kapelle wurde im Jahre 1225 durch den Meißener Bischof Bruno II. von Porstendorf eingeweiht. Sie wurde dem Ritter Georg als Schutzheiligen geweiht und erhielt infolge den Namen St. Georgenkapelle. Infolge wurde sie insbesondere von den Rittern der Umgebung reich dotiert. Später wurden zugunsten der Kapelle auch zahlreiche Stiftungen eingerichtet.[1]

Die St. Georgskapelle wurde im 15. Jahrhundert durch Arnold von Westfalen weiter ausgestaltet. Im Jahre 1639 brannte die Schlosskapelle während des Dreißigjährigen Krieges aus und wurde nicht wieder restauriert.[2]

Tor-Relief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias-Relief an der Ostseite des Turms

An der Stadtseite des Turms befindet sich seit 1486 ein monumentales, neun Meter hohes und vier Meter breites Relief aus Sandstein von Briccius Gauske, das den Ungarnkönig Matthias Corvinus darstellt. Das Abbild des Königs befindet sich unter einem Baldachin und wird von zwei Säulen, Laubwerk und von zwei Engeln flankiert. Seine Füße stützt der König auf einen liegenden Löwen. Oberhalb des Königs befinden sich die Wappen von Ungarn und Böhmen.[3] Auf den seitlichen zwei Sandsteintafeln befinden sich Wappen der damaligen böhmischen sowie ungarischen Provinzen Kroatien, Dalmatien, Österreich, Schlesien, Steiermark, Mähren und der Lausitz.[3]

Dieses Relief gilt als eines der besten Kunsterzeugnisse dieser Zeit.[3] Überlieferungen nach soll der Landvogt Georg von Stein drei Mal wegen dieses Bildnisses zum König Matthias Corvinus nach Ofen in Ungarn gereist sein, da die ersten Entwürfe dem König nicht ausreichend ähnlich waren.[3]

Das Denkmal wurde 1925/26 erneuert. 1993 wurden beim Relief zwei zu diesem Zeitpunkt fehlende seitliche Wappen wieder ergänzt. Nachbildungen dieser Originaldarstellung befinden sich in Budapest (Ungarn), Szeged (Ungarn) und Kráľova Lehota (Slowakei).

Im Tordurchgang ist außerdem das Prinzenwappen von Sigismund Jagiello angebracht, Landvogt der Oberlausitz von 1504 bis 1506 und späterer König von Polen. Es wurde 1925 auf dem Burggelände geborgen und im Matthiastor eingesetzt und ist das einzige erhaltene Monumentalrelief von Sigismunds Prinzenwappen überhaupt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Wenzel: Der spätgotische Neubau der Bautzener Ortenburg. In: Tomasz Torbus (Hrsg.): Die Kunst im Markgraftum Oberlausitz während der Jagiellonenherrschaft. Thorbecke, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7995-8403-6, S. 85–102.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Matthiasturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neues Lausitzer Magazin, Jahrgang 1894, abgedruckt in Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen. Druck und Verlag Gebrüder Müller, Bautzen 1902, S. 214ff.
  2. Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen. Druck und Verlag Gebrüder Müller, Bautzen 1902, S. 214.
  3. a b c d Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen. Druck und Verlag Gebrüder Müller, Bautzen 1902, S. 211.
  4. Kai Wenzel: Ein polnischer Prinz in der Oberlausitz. Das Wappen des Sigismund Jagiello in der Tordurchfahrt des Bautzener Matthiasturmes. (pdf)