Mehrfachsteckdose

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Mehrfachsteckdose mit Schalter und um 45° gedrehten Steckplätzen, Typ F (Schuko)
Abzweigstecker nach SEV 1011 (Schweiz): oben und unten Typ 13, Mitte Typ 14
Schalter einer Mehrfachsteckdose

Eine Mehrfachsteckdose, Steckerleiste, Mehrfachstecker oder Steckdosenleiste stellt mehreren elektrischen Geräten mit genormtem Steckeranschluss einen Anschluss an das Stromnetz bereit.

Dazu wird sie an eine Steckdose angeschlossen und bedingt durch die interne Parallelschaltung werden alle Steckplätze mit Strom versorgt. Sie wirkt somit als Verteiler im Gegensatz zum reinen Verlängerungskabel, das in der Regel nur einen einzigen Anschluss bietet.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird die Mehrfachsteckdose fachlich als „Mehrfachsteckdosenleiste“ bezeichnet. In der Schweiz wird basierend auf SEV 1011:2009/A1:2012, welches auf IEC 60884-2-5 aufbaut, zwischen einer kabelgebundenen „Steckdosenleiste“ und einem kabellosen „Abzweigstecker“ unterschieden.

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist funktional möglich, mehrere Mehrfachsteckdosenleisten (MSL) zu koppeln und so eine große Anzahl von elektrischen Geräten mit Strom zur versorgen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, da MSL nicht unbegrenzt belastbar sind und negative Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage entstehen.

Die Verwendung ortsveränderlicher MSL und Verlängerungsleitungen als Ersatz für eine unzureichende ortsfeste Elektroinstallation ist in einigen Ländern verboten. In Deutschland stellt dies bei unsachgemäßem Gebrauch im Sinne der DIN VDE 0100 Teil 420 Abs. 4.1 eine Brandgefahr in elektrischen Anlagen dar.[1] Eine ortsfeste Verlegung unter Verwendung von Steckdosenleisten ist in der Schweiz verboten.

Ein unsachgemäßer Gebrauch liegt auch vor, wenn zu viele leistungsstarke Verbraucher zusammen mehr als ca. 2300 Watt/10 Ampere an der Mehrfachsteckdosenzuleitung oder insgesamt mehr als 3600 Watt/16 Ampere an einer fest installierten Netzsteckdose angeschlossen sind. Weiteres entscheidendes Kriterium ist die Gesamtschleifenimpedanz für den betreffenden Stromkreis, die sich durch Übergangswiderstände an zusätzlichen Steckverbindungen maßgeblich erhöhen kann. Dadurch ist unter Umständen der Kurzschlussschutz durch die vorgeschaltete Sicherung nicht mehr gewährleistet, oder die in Deutschland in der VDE 0100-410:2007-06 verlangte kurze Abschaltzeit von 0,4 s für das TN-System kann nicht eingehalten werden. Außerdem ist die abgenommene Leistung (gemessen in Watt) an die Belastbarkeit der MSL und des Stromkreises anzupassen.

In der Schweiz ist das Hintereinanderkoppeln von Abzweigsteckern durch die Norm SEV 1011:2009/A1:2012 ab 2016 verboten und es dürfen maximal vier Steckdosen angebracht werden.

In Deutschland ist dies – nur indirekt, abgeleitet – nicht erlaubt, nämlich durch die Norm DIN VDE 0620-2-1:2016-01, die seitens der Hersteller das Aufbringen von Warnhinweisen zwingend fordert. Demnach darf ein Gerät nur so verwendet werden, wie der Hersteller dies vorsieht. Diese Norm ist eine Prüfnorm für die Hersteller von MSL für den Hausgebrauch. Es ist umstritten, inwiefern deswegen pauschal für alle MSL die Verkettung verboten sein sollte.

Es gibt unterschiedliche Typen von MSL. Die wenigsten sind für einen Einsatz in Nassräumen oder im Außenraum geeignet. Wenn Wasser in die Mehrfachsteckdose eindringt, kann dies zu einem Stromschlag und zur Gefährdung der Person führen, die die MSL handhabt.

Es werden auch MSL mit eingebauter Gerätesicherung angeboten, wodurch eine Überlast ausgeschlossen ist. Bei MSL für gewerblichen Einsatz (industrietauglich) sowie bei Arbeitsplatz-Systemen mit MSL, die entlang von Arbeitstischen oder in Kabelkanälen montiert werden, kann die Verkettung erlaubt sein.

Geöffnete Mehrfachsteckdose billiger Ausführung. Am linken und mittleren Steckkontakt sind Schmauchspuren und Materialschäden durch eine Überhitzung der Kontakte zu sehen, die u. a. durch Überlastung und einen zu geringen Kontaktdruck entstehen. Am rechten unteren Bildrand ist der Kinder-Schutzmechanismus zu sehen: Der grüne Plastikeinsatz liegt über den beiden Einführungsöffnungen und ist an diesen Stellen angeschrägt, so dass er beim gleichzeitigen Einführen der beiden Steckkontakte gegen Federdruck zur Seite rutscht und die Öffnungen frei gibt. Dieser Mechanismus neigt dazu, zu blockieren. Beim linken Steckkontakt wurde er entfernt.

Minderwertige Produkte verfügen teilweise über mangelhaft oder nicht verbundene Schutzleiterkontakte (PE) oder zu kleine Leiterquerschnitte für die Anschlussleitung. Prüfsiegel wie GS- oder TÜV-Siegel werden bei Importen manchmal gefälscht. Gemäß VDE Entscheidungspapier EK1 393_08[2] und EK1 370-08[3] dürfen in Deutschland seit dem 23. Februar 2009 Steckdosenleisten mit einem Leitungsquerschnitt < 1,5 mm² nicht mehr mit dem VDE GS (Gütesiegel) ausgezeichnet werden. Die bisher erhältlichen 1,0-mm²-Leitungen überschritten bei Prüfungen regelmäßig die zulässigen Grenztemperaturen nach DIN-VDE-0298-300-Tabellen 4A bzw. 4B. Die SEV 1011:2009/A1:2012 definiert Minimalquerschnitte bei Steckdosenleisten und verlangt einen Überstromschutz. Andere dürfen in der Schweiz nur noch bis zum 31. Dezember 2015 hergestellt und bis zum 31. Dezember 2018 verkauft werden.

Viele Mehrfachsteckdosen enthalten eingebaute Kindersicherungen. Steckdosenleisten mit Formen und gegenständlichen Motiven, die Kinder zum Spielen anregen, sollen das VDE GS (Gütesiegel) nicht erhalten.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MSL können folgende Eigenschaften und Funktionen haben:

  • Unterschiedliche Anzahl und Ausführung der Anschlüsse. Schuko-Steckdosen etwa werden in einer Ausführung mit sechs statt nur zwei Löchern angeboten, so dass statt eines einzelnen Schukosteckers bis zu zwei Eurostecker eingesteckt werden können.
  • Mehrfachstecker, die direkt an einer fest installierten Steckdose eingesteckt werden, werden nach VDE als Adapterstecker bzw. Zwischenstecker und in der Schweiz als Abzweigstecker bezeichnet (Abzweigstecker dürfen ab 2016 max. vier Anschlüsse besitzen).
  • Mehrfachstecker mit Anschlusskabel werden in der Schweiz als Steckdosenleiste bezeichnet
  • Eingebauter Überspannungsschutz bzw. Überstromschutz
  • Eingebauter Schalter, um an einzelnen oder allen Steckplätzen den Strom ein- bzw. auszuschalten
  • Steuerung aller angeschlossenen Geräte über ein Hauptgerät (Master-Slave-Steckdose)
  • Um 45° (Schuko) oder 90° (Schuko und SEV 1011) gedrehte Steckplätze, um mehrere Winkelstecker ohne gegenseitige Behinderung anzuordnen
  • Steckdosenleisten werden auch mit eingebautem Fehlerstromschutzschalter oder mit Überspannungsschutz angeboten.

Steckdosenleisten zur Verwendung mit EDV-Anlagen besitzen häufig um 45° (Schuko) bzw. 90° (SEV 1011) gedrehte Steckplätze, Überspannungsschutz, Master-Slave-Funktion und einen zusätzlichen Schalter. Spezielle Ausführungen zur Verwendung in Rechenzentren zur Versorgung von Servern und ähnlichem können über Zusatzfunktionen wie Fernsteuerbarkeit über IP-Netze und Erfassung des Verbrauchs pro Abgang verfügen und werden als Power Distribution Unit (PDUs) bezeichnet.

Bis in die 1990er-Jahre wurden MSL für Schuko-Stecker überwiegend mit Steckdosen angeboten, deren Steck-Anschlüsse quer zur Leiste angeordnet waren und bei denen Platzprobleme mit Winkelsteckern und Steckernetzteilen auftraten. Ausführungen mit um 90° gedrehten Dosen waren teurer, da diese aufwendiger in der Herstellung sind. Erst später wurden um 45° gedrehte Dosen angeboten, die binnen kurzer Zeit eine weite Verbreitung fanden.

Direkt in eine fest installierte Steckdose eingesteckte Abzweigstecker können bei grober Handhabung sowie durch den Zug der Geräte-Anschlussleitungen die Wandsteckdose mechanisch überlasten.[4] Abzweiger mit mehreren Schuko-Anschlüssen sind darum in Deutschland nicht mehr erhältlich. Im europäischen Ausland (z. B. in Spanien) können diese jedoch noch erworben werden, unter anderem auch mit TÜV-Siegel.

Energie sparen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfachsteckdosen mit Schalter helfen, Energie zu sparen, indem durch den Schalter alle angeschlossenen Geräte vom Stromnetz getrennt werden und der Energieverbrauch durch Standby-Betrieb entfällt. Im Gegensatz dazu ist eine Master-Slave-Steckdose selber ein Standby-Gerät, in dem konstant ein geringer Strom fließt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • IEC 60364-4-42:2010 VDE 0100-420:2013-02 Errichten elektrischer Niederspannungsanlagen Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen
  • DIN VDE 0620-1:2013-03 Stecker und Steckdosen für den Hausgebrauch und ähnliche Anwendungen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen an ortsfeste Steckdosen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mehrfachsteckdose – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mehrfachsteckdose – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holger Bluhm: Unzulässige Verwendung ortsveränderlicher Mehrfachsteckdosenleisten. (PDF) Abgerufen am 25. April 2012.
  2. Erfahrungsaustauschkreis im Rahmen des GPSG, Anfrage an den EK 1 – AD05. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) VDE, archiviert vom Original am 17. November 2015; abgerufen am 25. April 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vde.com
  3. Erfahrungsaustauschkreis im Rahmen des GPSG EK 1 – Anfrage an den EK 1, GS-Zeichen-Zuerkennungsverfahrens für das gesamte Produkt Steckdosenleiste. (PDF; 36 kB) VDE, abgerufen am 26. April 2012.
  4. Allgemeine Sicherheitskriterien für Adapter; Leitfaden für Hersteller, Inverkehrbringer und Marktaufsicht