Meiji-Restauration

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Einzug des Meiji-Tennō in Tōkyō (1869)
Iwakura-Mission (1872)
Meiji-Tennō (1888)

Meiji-Restauration (jap. 明治維新, Meiji ishin)[Anm 1] bezeichnet formal die Erneuerung der kaiserlichen Macht zu Beginn der Meiji-Zeit und beinhaltet darüber hinaus nicht nur die Schaffung eines neuen politischen Systems in Anlehnung an westliche Vorbilder, sondern auch die völlige Umgestaltung der japanischen Gesellschaft. Eng gefasst endet diese Phase mit dem letzten Widerstand Saigō Takamoris 1877, als eigentlichen Abschluss kann man das Inkrafttreten der Verfassung 1890 ansehen.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Als Anfang des 19. Jahrhunderts verstärkt auftauchende ausländische Schiffe die seit Mitte des 17. Jahrhunderts bestehende Landesabschliessung Japans seit der Edo-Zeit bedrohten, war eine erste Maßnahme des Shogunats, den gesamten Küstenverlauf Japans vermessen zu lassen, was Inō Tadataka auch in kurzer Zeit mit einer bewundernswerten Anstrengung gelang. Mit der Bedrohung von außen nahmen auch die Studien zur Kokugaku zu, dem Versuch einer adäquaten geistigen Definition Japans.

Als dann der amerikanische Commodore Perry mit seinen „Schwarzen Schiffen“ in der Edo-Bucht erschien, sah sich das Shogunat 1854 zu einer teilweisen Öffnung des Landes gezwungen. Diese Nachgiebigkeit führte u.a. dazu, dass Han (Lehen), die seit dem Beginn der Tokugawa-Zeit von einer Regierungsbeteiligung ausgeschlossen waren (Tozama daimyō), gegen das Shogunat rebellierten.

In dieser schwierigen Zeit trat 1866 Tokugawa Yoshinobu als 15. Shōgun sein Amt an. Als am 8. November 1867 die gegnerischen Han sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen das Bakufu geeinigt hatten, verkündete am Tag darauf Yoshinobu die Rückgabe der Regierungsgewalt an den Tennō (大政奉還, taisei hōkan), allerdings ohne ausdrücklich auf sein Mitwirken bei einer Neugestaltung der Regierung zu verzichten. Darauf hin erklärten die gegnerischen Han unter Mitwirkung des Hofadels am 3. Januar 1868 im Namen des Tennō die Wiederherstellung der kaiserliche Macht (王政復古, ōsei fukko) unter Ausschluss der Tokugawa. Der Shōgun, der sich in Ōsaka aufhielt, reagierte mit der Mobilisierung seiner Armee und setzte sie am 27. Januar in Richtung Kyōto in Bewegung. Damit begann der Boshin-Krieg, der am 3. Mai mit der Übergabe von Edo an die neue Regierung zum endgültigen Rücktritt des Shōguns führte, aber erst im folgenden Jahr beendet werden konnte.

Hauptartikel: Boshin-Krieg

Die neue Regierung[Bearbeiten]

Die neue Regierung wurde zunächst nach dem alten kaiserlichen Modell, als Dajōkan (太政官), gebildet. Sie bestand vor allem aus Vertretern des Chōshū- und Satsuma-han, ergänzt durch Vertreter des Tosa- und Saga-han und Vertreter des Hofadels (Kuge). Aber auch aus dem ehemaligen Bakufu wurden fähige Personen übernommen. Von Beginn an lässt sich ein nationaler, imperialistischer und ein progressiver, um innere Reformen bemühter Flügel unterscheiden. Die neue Regierung bereitete den relativ abstrakt gehaltenen „Fünf-Paragraphen-Eid“ (五ヵ条の誓文, gokajō no seimon) vor, der im Frühjahr 1868 vom Tennō verkündet wurde. Als wichtigste Aussage kann man die Abschaffung der alten Stände-Gesellschaft sehen. Auch wird eine zukünftige Beteiligung des Volkes an der Regierung angedeutet.

Die interne Diskussion um ein modernes Rechtssystem und eine Verfassung begann bereits in den siebziger Jahren, wurde dann in den achtziger Jahren konkreter. Deutschland wurde auf diesen beiden Gebieten zum Vorbild. Im Vorgriff auf die Verfassung wurde 1885 das erste Kabinett nach europäischem Muster gebildet.

Innenpolitik[Bearbeiten]

Als Startsignal gaben die in der neuen Regierung vertretenen Han ihre Lehen zurück (版籍奉還, hanseki hōkan), die anderen mussten dann folgen. Als weitere Maßnahme wurden die Han abgeschafft und in Präfekturen umgewandelt (廃藩置県, haihan chiken), was sich aber über Jahre bis 1888 hinzog, bis aus den zwischendurch mehr als 300 Präfekturen 46 auf der Basis der alten Provinzen[Anm 2] wurden. Dazu kam das Entwicklungsgebiet Hokkaidō. Mit der Auflösung der feudalen Strukturen wurden alle Japaner wieder direkte Untertanen des Tennō bzw. der Zentralregierung. Mit der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht 1872 verloren zudem die Samurai ihren Sonderstatus. Saigō, der sich 1873 mit seinem Strafzug gegen Korea nicht durchgesetzt hatte und sich nach Kyūshū zurückgezogen hatte, nutzte die allgemeine Unzufriedenheit 1877 für eine militärische Rebellion, es kam zum „Südwest-Krieg“. Mit der Niederschlagung und dem Tod Saigōs war das neue System endgültig gesichert.

Außenpolitik[Bearbeiten]

1871 begab sich die Iwakura-Mission auf eine Weltreise, um (a) sich als neue Regierung Japans vorzustellen, (b) die „Ungleichen Verträge[Anm 3] von 1854 abzulösen und (c) sich persönlich ein Bild vom Westen zu machen. Nachdem die USA Verhandlungen zu den Verträgen ausgeschlossen hatten, gab es auch in Europa nichts zu verhandeln. Trotzdem kann die Reise als Erfolg gewertet werden, zumal der Sekretär Iwakuras, Kume Kunitake, eine durch Literatur-Studium ergänzte fünfbändige Reisebeschreibung verfasste, die ein detailliertes Bild des Westens vermittelte.[Anm 4]

Die Mission kam rechtzeitig zurück, um eine militärische Expedition unter Saigō nach Korea zu verhindern. Dabei ging es u.a. um das Zurückdrängen des chinesischen Einflusses. Japan bestätigte jedoch nun im Japanisch-Koreanischen Freundschaftsvertrag 1876 die Unabhängigkeit Koreas.[1]

Technik und Wissenschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: O-yatoi gaikokujin

Die Regierung ging auf zwei Wegen vor: einerseits wurden Techniker und Wissenschaftler als Berater bzw. als Lehrer (o-yatoi gaikokujin) eingeladen, zum anderen wurden ausgewählte Studenten in das Ausland geschickt. 1877 wurden verschiedene Vorgänger-Einrichtungen zur Tōkyō daigaku zusammengefasst. Sie erhielt das große Gelände der Stadtresidenz der wohlhabenden Familie Maeda im Stadtteil Hongō. Für die Medizin wurden deutsche Lehrer berufen, die dieses Fach über viele Jahrzehnte prägten. Hervorzuheben ist Erwin Bälz, der nicht nur ungewöhnlich lange eine Professur innehatte, sondern sich auch das Vertrauen vieler führender Persönlichkeiten erwarb und einer der Leibärzte des Tennō wurde. Deutsches Recht in seiner ganzen Breite und deutsche Verwaltung wurden im Rahmen der Verfassungsdiskussion ein wichtiges Studienfach. Auch die deutsche Philosophie wurde richtungsweisend in Japan.

Politische Führer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Meiji-Oligarchie

Die politische Führungsgruppe die sich ab 1868 bis 1890 (und z.T. darüber hinaus) die Regierungsämter teilte, wurde als Meiji-Oligarchie bezeichnet.

Nachbemerkung[Bearbeiten]

Die Meiji-Restauration war ein vielschichtiger Vorgang, der im Detail immer wieder Neubewertung erfährt. Der Prozess der Modernisierung war nicht einfach, das lassen die Aufstände, die Anschläge mit Toten und Verwundeten innerhalb der Regierung (Etō Shimpei, Saigō Takamori, Ōkubo Toshimichi, Mori Arinori, Iwakura Tomomi, Ōkuma Shigenobu) erkennen. Fest steht, dass es Japan gelang, aus eigener Kraft – mit gebildeter Elite und mit genügend eigenen Mitteln zur Finanzierung der gesamten Entwicklungshilfe – als Ausnahme in Asien innerhalb kurzer Zeit sich zu einer, vom imperialistischen Westen respektierten, modernen Nation zu entwickeln.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Noma (Hrsg.): Japan – An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, Tokyo 1993, ISBN 4-06-205938-X.
  • S. Nakamura: Meiji ishin. (Band 16 der Geschichte Japans). Verlag Shueisha, 1992, ISBN 4-08-195016-4. (japanisch)
  • J. Hunter: Concise Dictionary of Modern Japanese History. Kodansha International, Tokyo 1984.
  • K. Inoue: Meiji ishin. Band 20 der History of Japan. Chuo koronsha, 1966. (japanisch)
  • W. W. McLaren: A Political History of Japan during the Meiji Era. Frank Cass, London 1965.
  • M. Ramming: Japan-Handbuch. Berlin 1941.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vs. Hunter, S. 85.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wörtlich "Meiji-Erneuerung". Zunächst sprach man, kaum übersetzbar, von „Das kaiserlich Eine: Neu“ (御一新, go isshin).
  2. Die traditionellen Namen wurden dabei durchgehend durch neue ersetzt, sie leben aber zur Unterscheidung von gleichlautenden Orten weiter, z.b. Hida no Takayama.
  3. Ungleich z.B. was Strafverfolgung von Ausländern, was Einfuhrzölle betraf.
  4. Kume lässt dabei erkennen, dass er vom Westen mehr durch sein technisches als durch sein gesellschaftliches Niveau beeindruckt war.