Milk float

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Ein Milk float der Molkerei Dairy Crest vom Hersteller Smith's Elizabethan.
Fahrerkabine eines größeren Milk float

Milk float (deutsch Milchwagen, wörtlich Milchfloß; als float werden niedrige Plattformwagen für Güter oder für Personen bei Festumzügen bezeichnet) ist eine Bauform von Elektroautos, die für den Milchlieferservice und insbesondere zur Auslieferung von frischer Milch an die Haustüren der Verbraucher entwickelt wurde.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milk floats waren in mehreren europäischen Ländern und auch in Nordamerika im Einsatz, mit der größten Verbreitung im Vereinigten Königreich während der 1970er Jahre.[1] Mit der Verbreitung von Supermärkten ging der Anteil der Hauslieferung zurück, wodurch längere Routen entstanden. Gepaart mit der begrenzten Reichweite der Elektrowagen führte dies zum verstärkten Einsatz von dieselgetriebenen Transportern und somit zu einer Abnahme der Bedeutung von Milk floats im Transportgewerbe. Den Elektroautos gingen im späten 19. Jahrhundert Pferdewagen voraus.[2]

In Großbritannien wurden Milk floats von Smith's, Wales & Edwards, Osborne, Harbilt, Brush, Morrison, Midford Electric, Bedford und Leyland hergestellt. Aktiv sind noch Bluebird Automotive und Smith Electric Vehicles.

In den Niederlanden war Spijkstaal ein wichtiger Hersteller.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milk floats waren für Geschwindigkeitsbereiche von 10 bis 15 mph (16–24 km/h) ausgelegt, konnten teilweise Geschwindigkeiten bis 80 mph (130 km/h) erreichen. Die Türen konnten während der Fahrt offen bleiben. Durch die verwendeten Elektromotoren sind die Fahrzeuge für den Betrieb in Wohngebieten in den frühen Morgenstunden und in der Nacht wegen der geringeren Geräuschemissionen ausgelegt.

Ein Teil der Fahrzeuge war mit einem Fahrersitz ausgestattet, welcher an der Vorderseite in einem Scharnier gelagert und an der Hinterseite mit einer oder mehrerer Spiralfedern ausgestattet war, sodass die Sitzfläche unbelastet ca. 30° nach vorn geneigt war. Beim Einsteigen / Hinsetzen wurde dieser Sitz durch das Gewicht des Fahrers niedergedrückt und löste dabei eine mechanische Feststellbremse. Das Aufstehen / Aussteigen bewirkte eine Entlastung des Sitzes und damit das Einsetzen der Bremswirkung. Geschickte Fahrer setzen die per Pedal betätigte (Haupt-)Bremse kaum bis zum Stillstand des Fahrzeugs ein, sondern glitten bei langsamer Fahrt aus dem Sitz / aus der ständig geöffneten Schiebetür mit der Folge, dass das Kfz durch die einsetzende Bremswirkung nach ca. einem Meter selbsttätig zum Stehen kam und der Milchmann sofort nach den Milchflaschen auf der Ladefläche greifen konnte.

Daneben gab es elektrische angetriebene vierrädrige Karren ohne Führerhaus, welche vom zu Fuß laufenden Milchmann an einer Deichsel geführt wurden. Der Einsatz erfolgte in sehr dicht besiedelten / engen Wohngebieten. Unter der Ladefläche befanden sich Batterien sowie Elektromotor(en); die Vorderachse verfügte über eine Achsschenkellenkung, um zwischen den Rädern mehr Freiraum zu erreichen sowie Kippsicherheit zu erzielen. Wurde die Deichsel losgelassen, sank sie gegen Federzug ein Stück Richtung Boden, ohne diesen zu berühren - gleichzeitig wurde der Karren bis zum Stillstand gebremst. Das Anheben der Deichsel über eine eingestellte Höhe setzte den Karren in Bewegung. Das Fahrzeug hatte eine Ladefläche von ca. 160 x 120 cm und ähnelte einem überdimensionalen Bollerwagen.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Sammlung von Milk floats und anderer Elektroautos sind im Museum des Birmingham and Midland Motor Omnibus Trust zu besichtigen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Milk floats – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

noch aktive Produzenten:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nick Georgano 1996: Electric Vehicles, Osprey Publishing, ISBN 0747803161
  2. Commercial Vehicles – As it was in the beginning
  3. http://www.spijkstaal.nl/asp/spijkstaal.asp?pagina=historie&lang=eng