Mischungskorrosion

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Unter Mischungskorrosion versteht man in der Geomorphologie und verwandten Wissenschaften die Korrosion von Kalkstein oder Dolomit, die durch das Mischen zweier kalkgesättigter Lösungen kohlensäurehaltigen Wassers bewirkt wird.

Wasser, das durch Spalten tief in den Berg rinnt, ist bereits kalkgesättigt, das heißt, es kann kein Kalziumkarbonat (Kalk, CaCO3) mehr lösen. Trotzdem bilden sich in der Tiefe, an Stellen, wo sich Rinnsale in Haarrissen oder Spalten treffen, über lange Zeiträume, große Hohlräume ohne nennenswerte Zu- und Abflüsse. Auch entstehen Kolke in wassergefüllten Hohlräumen an solchen Stellen, wo durch einen Riss Wasser eingedrückt wird.

In aller Regel ist die Konzentration von Kohlendioxid (CO2, in Form von Kohlensäure H2CO3) – abhängig von der der jeweiligen Temperatur – in den kalkgesättigten Wässern der verschiedenen Gerinne eines Höhlensystems unterschiedlich. Daher bildet sich an deren Zusammenfluss eine Lösung mit neuer Konzentration. Weil die Menge an gelöstem CaCO3 nicht linear mit der CO2-Konzentration im Wasser zunimmt, kann durch diese Mischlösung wieder Kalk gelöst werden.

Diagramm Mischungskorrosion nach Bögli 1963
Mischungskorrosion nach Bögli (1963):[1] Die Mischlösung mit der CO2- und CaCO3-Konzentration T, die aus zwei CaCO3-gesättigten Lösungen mit den Konzentrationen P1 und P2 entstanden ist, liegt im kalkaggressiven Bereich.

Ausgangspunkt für die obige Abbildung ist die Reaktionsgleichung für die Lösung von Kalziumkarbonat durch Kohlensäure (vgl. Kohlensäureverwitterung):

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Durch empirische Untersuchungen wurde ermittelt, bei welcher Stoffmasse an gelöstem CO2 welche Stoffmasse CaCO3 im Gleichgewichtszustand (Sättigung) in einer wässrigen Lösung vorliegt. Man erhielt so die schwarze Gleichgewichtskurve (Sättigungskurve) in der obigen Abbildung. Der Zusammenhang zwischen CO2-Konzentration und CaCO3-Sättigung ist augenscheinlich nicht linear.

Mischt man zwei gleiche Volumina von Karst­wässern der Zusammensetzung P1 (in obigem Beispiel 1 mg/l CO2 und 74 mg/l CaCO3) und P2 (in obigem Beispiel 47 mg/l CO2 und 273 mg/l CaCO3), so erhält man eine Mischlösung, deren Zusammensetzung T den Mittelwerten der Konzentrationen P1 und P2 entspricht (in obigem Beispiel 24 mg/L CO2 und 173,5 mg/l CaCO3). T ist der Mittelpunkt der Strecke P1–P2. Demnach liegt T nicht auf der Gleichgewichtskurve, da diese keine Gerade ist. Daraus ergibt sich, dass die Mischung mit der Zusammensetzung T, obwohl sie aus zwei kalkgesättigten Wässern entstanden ist, nun an Kalk untersättigt ist und deshalb weiteren Kalk lösen kann. In phreatischen (wassergefüllten) Karsthohlräumen kann durch das Wasser kein zusätzliches CO2 aufgenommen werden. Das heißt, es kann nur so viel Kalk zusätzlich gelöst werden, wie durch den Mischungsvorgang überschüssiges CO2 frei geworden ist. Die Stoffmasse des durch den Mischungsvorgang neu für die Kalklösung zur Verfügung stehenden CO2 entspricht der Länge der Strecke CT.

Will man herausfinden, wie viel Kalk durch den Mischungsvorgang zusätzlich gelöst werden kann, so muss man berücksichtigen, dass zur Lösung von 1 mmol Kalk (entsprechend 100 mg) 1 mmol Kohlenstoffdioxid (entsprechend 44 mg) gebraucht wird. Zwischen beiden Größen besteht eine Proportionalität, die Proportionalitätskonstante entspricht der Steigung der Geraden, die durch die Punkte (44;0) und (0;100) geht. Verschiebt man diese Gerade parallel zur y-Achse, so dass sie durch den Punkt T geht, schneidet sie die Gleichgewichtskurve im Punkt A. Der Abstand AB des Punktes A von der Strecke CT entspricht der Kalkmenge, die durch Mischungskorrosion zusätzlich gelöst wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Bögli: Ein Beitrag zur Entstehung von Karsthöhlen. In: Verband Österreichischer Höhlenforscher, Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (Hrsg.): Die Höhle – Zeitschrift für Karst und Höhlenkunde. Band 14, Nr. 3, 1963, ISSN 0018-3091, S. 63–68.