Monilinia

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Monilinia
Ein Apfel mit Konidien von Monilia sp. („Fruchtmumie“)

Ein Apfel mit Konidien von Monilia sp. („Fruchtmumie“)

Systematik
Abteilung: Schlauchpilze (Ascomycota)
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Leotiomycetes
Ordnung: Helotiales
Familie: Sklerotienbecherlingsverwandte (Sclerotiniaceae)
Gattung: Monilinia
Wissenschaftlicher Name
Monilinia
Honey

Monilinia, besser bekannt unter seiner Anamorphe Monilia, ist eine Pilzgattung, unter der sich wichtige Pflanzenschädlinge bei Obstbäumen befinden. Die Krankheit tritt als Fruchtfäule und/oder Spitzendürre unmittelbar nach der Blüte auf. Erreger bei Apfel und Kirsche sind vor allem die Arten Monilia laxa, Monilia fructigena und Monilia fructicola.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pilz bildet am befallenen Gewebe viele einzelne Konidienträger, an denen Konidienketten entstehen, die insgesamt weißliche bis bräunliche Pilzrasen bilden. Leicht erkennbar sind zumindest beim Apfel die typischen ringförmigen Nebenfruchtkörper. Konidienrasen findet man an abgestorbenen, nicht entwickelten Früchten, abgestorbenen Trieben oder Blattstielen. Die reifen Konidien sind zitronenförmig. Die Arten befallen fleischige Früchte der Rosengewächse und Heidekrautgewächse. Sie bilden nur selten Apothecien.

Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monilinia-Arten verursachen verschiedene Krankheiten. Die wirtschaftlich bedeutsamsten sind Moniliose/Fruchtfäule oder Spitzendürre. Monilinia fructigena bildet in der Nebenfruchtform die typischen konzentrischen Kreise mit gelblichen Pusteln und ist vor allem auf den Früchten zu finden, Monilinia laxa und auch Monilinia fructicola bilden hingegen gräuliche Pusteln, die nicht konzentrisch angeordnet sind[1].

Fruchtfäule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bereits am Baum verfaulter Apfel

Monilia, v. a. Monilinia fructigena, befällt nur verletzte Früchte. Häufig ist zu beobachten, dass die Fäulnis an Fraßstellen oder anderen Wunden beginnt. Der Pilz durchwächst die Frucht und führt zu einer Totalfäule. Typisch sind dabei weiße Fruchtkörper des Pilzes auf der etwa milchkaffeebraunen, verfaulten Frucht. Die Flecken sind dabei in sehr charakteristischen konzentrischen Kreisen angeordnet.

Befallene Früchte trocknen ein, verbleiben am Baum oder fallen ab. Komplett verfaulte, am Baum verbliebene Früchte werden als „Fruchtmumien“ bezeichnet. Um eine erneute Übertragung des Erregers zu vermeiden, sollten befallene Früchte vom Baum entfernt, Zweige bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten und diese Abfälle vernichtet (verbrannt oder vergraben) werden.

Der Erreger überwintert in den am Baum verfaulten Früchten, in Blüten, in befallenen Zweigen am Baum oder am Boden.

Spitzendürre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gummifluss und Spitzendürre an einem Sauerkirschzweig

Ebenfalls bei den genannten Obstbäumen kann die sog. Monilia-Spitzendürre auftreten. An Blättern ist mehr Monilinia laxa zu beobachten. Hier dringt der Erreger bei feuchtem Wetter über die Blüten in die Pflanze ein und verursacht ein Absterben der Triebspitze. Hin und wieder tritt an der Übergangsstelle zwischen befallenem und gesundem Holz ein sog. Gummifluss auf.

Um der Krankheit Einhalt zu gebieten, müssen befallene Triebe bis zu 15 cm ins gesunde Holz zurückgeschnitten und die Wunden nach Möglichkeit mit Baumwachs versiegelt werden.

Befallene Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Monilia-Befall sind fast alle kultivierten Obstarten, aber auch einige Zierpflanzen betroffen. Neben Apfel-, Birn-, Süß- und Sauerkirsch- (hier besonders die Schattenmorelle) und Pflaumenbäumen tritt Monilia auch bei den entsprechenden Zierarten und Mandelbäumen auf. Inzwischen werden auch Sorten gezüchtet, die gegen den Pilz resistent sind. Auf verschiedenen Heidekrautgewächsen wachsen Arten, die von Holst-Jensen und Schumacher vorläufig in die Gattung Franquinia gestellt werden.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mykologe Honey trennte die Gattung Monilinia von Sclerotinia. Er teilte sie in zwei Sektionen, die Disjunctoriae, die interkalierende Disjunktoren in den Konidienketten besitzen, und in die Junctoriae, denen diese fehlen. Batra (1991) zählte ungefähr 30 Arten weltweit. Holst-Jensen et al. (1997a) stellten aber die polyphyletische Stellung fest und trennten die Disjunktoriae von Monilinia ab und bildeten die neue Gattung Franquinia, die aber bisher noch nicht anerkannt wird. Monilinia-Arten beinhalten demnach nur noch die Sektion Junctoriae, die fleischige Früchte der Rosengewächse befallen und nur selten Apothecien bilden.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liste führt alle Arten nach dem Index Fungorum an einschließlich der nicht offiziellen Gattung Franquinia:[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holst-Jensen, A., L. M. Kohn, K. S. Jakobsen & T. Schumacher 1997a. Molecular phylogeny and evolution of Monilinia (Sclerotiniaceae) based on coding and noncoding rDNA sequences. Amer. J. Bot. 84: 686-701.
  • Holst-Jensen, A., L. M. Kohn & T. Schumacher 1997b. Nuclear rDNA phylogeny of the Sclerotiniaceae. Mycologia 89: 885-899.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Monilinia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Synoptic keys to the inoperculate stromatic discomycetes in the Nordic countries Sclerotiniaceae & Rutstroemiaceae: Monilinia
  2. http://www.bio.uio.no/bot/ascomycetes/Taxa/Franquinia.html Holst-Jensen & T. Schumacher ined.: The genus Franquinia.
  3. http://www.indexfungorum.org/Names/Names.asp Index Fungorum