Mood Indigo

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Mood Indigo ist ein Jazzstandard, der von Duke Ellington und Barney Bigard komponiert wurde. Den Text schrieb Mitchell Parish.[1][2]

Geschichte des Songs[Bearbeiten]

Das Lied hat die Form A-B-A, wobei B eine Variation von A darstellt. Das Hauptthema wurde von Bigard geliefert, der es bei seinem Klarinetten-Lehrer Lorenzo Tio, der es für eine Radiosendung im Oktober 1930 Mexican Blues titulierte [3] nannte, kennengelernt hatte.

Ellingtons unverwechselbares Arrangement wurde zuerst von seinem Cotton Club Orchestra für Brunswick Records (Katalog Nr. 01068) am 17. Oktober 1930 aufgenommen. Auf den Aufnahmen sind Arthur Whetsol (Trompete), Joe Nanton (Posaune), Barney Bigard (Klarinette), Duke Ellington (Piano), Fred Guy (Banjo), Wellman Braud (Bass) und Sonny Greer (Schlagzeug) zu hören. Ungewöhnlich an dieser Aufnahme war, dass Ellington die gedämpfte Trompete, eine gedämpfte Posaune und Klarinette einsetzte, um einen einheitlichen Klang zu gewinnen.

Das Stück wurde im Oktober 1930 im Rahmen einer Rundfunkproduktion von Ellingtons Orchester aufgenommen und als Dreamy Blues betitelt. „Es war das erste Lied, das ich speziell für eine Mikrofonübertragung geschrieben hatte“, erinnerte sich Ellington.[4]In den nächsten Tagen kamen Berge von Post, es war ein einschlagender Erfolg für dieses neue Stück, und Irving Mills schrieb einen Text dazu“. Es wurde umbenannt in Mood Indigo und letztlich ein Jazz-Standard. Erst 1940 nahm Ellington mit Ivie Anderson die Vokalfassung auf.

Was das Lied interessant macht, ist die Tatsache, dass Ellington die traditionellen Klangfarben der Bläser auf den Kopf stellte: Die normale Reihenfolge der Stimmlage wäre die Klarinette in der hohen Lage, Trompete in der Mitte und die Posaune in der tiefen Lage. In Mood Indigo wurde die Reihenfolge umgedreht. Zu der damaligen Zeit war diese Instrumentierung ungebräuchlich. Die Obertöne von Klarinette und Posaune erzeugten im Studio eine zusätzliche Mikrofonklangfarbe (mike tone). Durch akustische Täuschung entsteht der Eindruck einer weiteren Stimme, eines vierten Instruments. Dieser akustische Effekt wurde von Ellington bei Solitude (1932), Dusk (1940) und weiteren Stücken wiederholt eingesetzt. Mood Indigo wurde im Laufe der Jahre eines der Hauptwerke des Ellington Orchesters.

Der Ellington-Biograph James Lincoln Collier bezeichnet es als eine für Ellington atypische Komposition, da dieser dazu neigte, „ein eher bewegter Komponist“ zu sein; „er verwende viel polyphonisches, schwere und oft dissonante Harmonien und viel Kontrast. Mood Indigo ist nahezu die Unbewegtheit selbst. Es enthält keine Polyphonie; die Harmonien sind meist einfach, und es gibt nur einen minimalen Kontrast zwischen den Teilen. Es bewegt sich langsam, mit der Verstohlenheit eines Sonnenuntergangs, und ist plötzlich verschwunden.[5]

Das Stück wurde vielfach von anderen Künstlern aufgenommen, darunter Paul Robeson, Ella Fitzgerald, Nina Simone, Nat King Cole, Frank Sinatra, Louis Armstrong, den Boswell Sisters, Charles Mingus, Red Nichols, Kid Ory, Johnny Hodges, dem Klarinettenquartett Cl-4 und Albert Mangelsdorff.

Charterfolge[Bearbeiten]

Ellingtons Aufnahme mit seinem Cotton Club Orchestra war 1931 für 10 Wochen in den Charts und schaffte es bis auf Platz 3. Im nächsten Jahr erreichte Jimmie Lunceford mit seinem Orchestra Platz 19. Norman Petty brachte das Lied 1954 in die Popcharts (# 14); die Four Freshmen erreichten im gleichen Jahr Platz 24.

Urheberrechtsstreit[Bearbeiten]

Erst im Jahre 1987 behauptete der Texter Mitchell Parish, mittlerweile 87 Jahre alt, dass er den Text zu Mood Indigo alleine verfasst habe. Bis zu jenem Zeitpunkt galten als Komponisten Albany Leon Bigard (alias Barney Bigard), Duke Ellington und Irving Mills[6]. Parish wurde bereits seit 1929 von professionellen Autoren gefragt, einige unfertige Kompositionen zu Ende zu schreiben[7] und gilt deshalb als der berühmteste Phantom-Texter jener Zeit. Von Mills selbst ist überliefert, dass ihm lediglich ein geringer Wortschatz zur Verfügung stand, so dass er sich bei Mood Indigo wohl hat aushelfen lassen. Jedenfalls hat Parish bis zu seinem Tode im Jahre 1993 hierfür keine Tantiemen erhalten[8]; er stand lediglich auf der Gehaltsliste des Musikverlags Mills Music.

Literatur[Bearbeiten]

James Lincoln Collier: Duke Ellington. Ullstein, Berlin, 1999 ISBN 3-548-35839-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus „The Duke Ellington Reader” von Mark Tucker, Duke Ellington (als Google Book)
  2. Mitchell Parish war damals bei dem Musikverleger Irving Mills angestellt. In älteren Werken der Jazz-Literatur wie Carlo Bohländers Reclams Jazzführer wird noch Irving Mills als Textautor genannt. Mills Musikverlag war der Copyright-Inhaber.
  3. Nach Collier hatte die Band des New Orleans-Musikers Armand J. Piron Tios Komposition unter dem Titel „Dreamy Blues“ als Erkennungsmelodie gespielt; Al Rose, zit. nach Collier S. 212.
  4. Der Ellington-Biograph Collier erzählt, dass Duke Ellington behauptete, dass er noch eine Nummer brauchte für eine Aufnahmesitzung, die Irving Mills für ein Sextett angesetzt hatte, und dass er das Stück daher einen Tag vorher geschrieben hätte. Barney Bigard behauptete aber stets, er habe das meiste geschrieben und verklagte Ellington; sein Name wurde schließlich hinzugesetzt, und er kassierte von da ab auch Tantiemen. Bigard sagte später: „Wir hielten (zunächst) nicht viel davon, und ganz plötzlich begann es populär zu werden, und das war's dann. Achtundzwanzig Jahre habe ich die Tantiemen verpasst. Ich habe nicht einen Cent davon bekommen. Es war alles unter Ellingtons und Mills´ Namen.“ Vgl. Collier, S. 211.
  5. zit. nach Collier, S. 211.
  6. ASCAP Hit Songs, 1977, S. 31
  7. Cary Ginell, Music... and then Words Part 1: Mitchell Parish - The Phantom Lyricist
  8. Mark Tucker, a.a.O. S. 340

Weblinks[Bearbeiten]