Moot Court

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Ein Moot Court ist eine simulierte Gerichtsverhandlung im Rahmen der juristischen Aus- und Weiterbildung. Dabei wird Studenten der Rechtswissenschaften ein fiktiver oder realer Fall zugeteilt, in dem sie jeweils eine der Prozessparteien vertreten müssen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Idee kam ursprünglich aus den USA. Der Sinn liegt darin, den Studenten die Möglichkeit zu geben, das theoretisch Gelernte realitätsnah anzuwenden. Vor allem die großen internationalen Wettbewerbe haben inzwischen im Studium der Rechtswissenschaften einen hohen Stellenwert erlangt. Dabei treten Studenten von Universitäten aus aller Welt an und messen ihre Argumente vor renommierten Rechtswissenschaftlern, die als fiktives Gericht fungieren.

Seit 1960 besteht die älteste unter den internationalen Veranstaltungen mit dem Philip C. Jessup International Law Moot Court, welcher von der International Law Students Association ausgerichtet wird und Fragen des Völkerrechts zum Inhalt hat.[1] Neben diesem Universitäten aus aller Welt offenstehenden Moot Court existiert auf dem Gebiet des Völkerrechts auch noch der Telders International Law Moot Court, welcher seit 1977 jährlich von der Universität Leiden ausgerichtet wird und sich an ein europäisches Teilnehmerfeld richtet.[2]

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot, der seit 1994 jährlich in Wien und als Schwesterwettbewerb seit 2003 parallel auch in Hongkong stattfindet, ist die bedeutendste internationale Moot Court Veranstaltung auf dem Gebiet des Zivilrechts.[3] Behandelt werden verschiedene Aspekte des internationalen Schiedsverfahrensrechts und das UN-Kaufrecht „CISG“. Im 16. Durchgang 2008/09 nahmen 233 Rechtsfakultäten aus über 75 Staaten teil.

Die Price Media Law Moot Court Competition (auch: Price Moot) ist ein jährlicher internationaler Wettbewerb. Dieser konzentriert sich auf das internationale Medienrecht und verwandte Menschenrechte wie zum Beispiel Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Vereinigungsfreiheit und verschiedene rechtliche Facetten der Privatsphäre. Der Moot Court wurde im Jahr 2008 von der Universität Oxford ins Leben gerufen und organisiert.[4]

Den Internationalen Roman Law Moot Court gibt es jährlich seit 2008 und dieser wird nach dem MOHA Research Center derzeit durch die Universität Cambridge organisiert. Der Bewerb basiert auf dem Gedanken der Völkerverbindung und ist eine internationale Besonderheit, da das diesbezügliche Wettbewerbsrecht einerseits aus der Antike stammt und damals in vielen heutigen Ländern in Geltung war und andererseits die weltweite Grundlage vieler heutiger Rechtssysteme bildet.[5][6][7]

Der Manfred Lachs Space Law Moot Court Wettbewerb (auch Lachs Space Moot) ist ein internationaler Wettbewerb über Weltraumrecht. Der Wettbewerb findet seit 1992 statt und wird durch die International Astronautical Federation veranstaltet.[8]

In Deutschland existiert seit 1994 der ELSA Deutschland Moot Court, der von der deutschen Sektion der European Law Students’ Association ausgerichtet wird. Gegenstand sind Fälle nach deutschen Zivilrecht, die in deutscher Sprache verhandelt werden. Das Finale findet in Karlsruhe unter dem Vorsitz von Richtern und Anwälten des Bundesgerichtshofs statt.[9]

Seit 2003 wird in Österreich der Franz-von-Zeiller-Moot-Court aus Zivilrecht veranstaltet.

Auf dem Gebiet des Steuerrechts ist der European Tax College Moot Court Competition zu nennen.[10]

Auf dem Gebiet des Rechtes der Welthandelsorganisation, existiert der John H. Jackson Moot Court, der von der European Law Students’ Association mit Unterstützung der Welthandelsorganisation durchgeführt wird. Die Mitglieder des Panels, die "Juroren" des Moot Courts, sind teilweise selbst aktuelle oder ehemalige Mitglieder des Panels der WTO oder Experten im Recht der Welthandelsorganisation.[11]

Seit 2013 existiert der von der Hans-Soldan-Stiftung geförderte Soldan Moot zur Anwaltlichen Berufspraxis (Soldan Moot) an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover. Es handelt sich um einen bundesweiten Moot Court-Wettbewerb für Studierende deutscher rechtswissenschaftlicher Fakultäten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul I. Weizer (Hrsg.): How to please the court: a moot court handbook. Lang Verlag, New York u. a. 2004, ISBN 0-8204-6949-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Moot court – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. About The Jessup. In: International Law Students Association. 3. Juli 2018, abgerufen am 5. September 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. Telders International Law Moot Court Competition. Abgerufen am 5. September 2021.
  3. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot – Vis Moot. Abgerufen am 5. September 2021 (amerikanisches Englisch).
  4. Monroe E. Price Media Law Moot Court Competition
  5. University of Cambridge: International Roman Law Moot
  6. Paolo De Luca "Quattro studenti della Federico II in gara a Oxford inscenano un antico processo romano" In: La Repubblica vom 5. April 2013.
  7. Areti Kotseli "Greek Law Students Finish Second in the 2012 International Roman Law Moot Court Competition" In: Greek Reporter vom 13. April 2012.
  8. ESA: Manfred Lachs Space Law Moot Court Competition
  9. ELSA Deutschland Moot Court: ELSA-DEUTSCHLAND E.V. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  10. International and European Tax Moot Court. Abgerufen am 20. Dezember 2019 (englisch).
  11. https://johnhjacksonmoot.elsa.org/