Moot Court

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Ein Moot Court ist eine simulierte Gerichtsverhandlung im Rahmen der juristischen Aus- und Weiterbildung. Dabei wird Studenten der Rechtswissenschaften ein fiktiver oder realer Fall zugeteilt, in dem sie jeweils eine der Prozessparteien vertreten müssen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Idee kam ursprünglich aus den USA. Der Sinn liegt darin, den Studenten die Möglichkeit zu geben, das theoretisch Gelernte realitätsnah anzuwenden. Vor allem die großen internationalen Wettbewerbe haben inzwischen im Studium der Rechtswissenschaften einen hohen Stellenwert erlangt. Dabei treten Studenten von Universitäten aus aller Welt an und messen ihre Argumente vor renommierten Rechtswissenschaftlern, die als fiktives Gericht fungieren.

Seit 1960 besteht die älteste unter den internationalen Veranstaltungen mit dem Philip C. Jessup International Law Moot Court, welcher Fragen des Völkerrechts zum Inhalt hat. Neben diesem Universitäten aus aller Welt offenstehenden Moot Court existiert auf dem Gebiet des Völkerrechts auch noch der Telders International Law Moot Court, welcher seit 1977 jährlich von der Universität Leiden ausgerichtet wird und sich an ein europäisches Teilnehmerfeld richtet.

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot, der seit 1994 jährlich in Wien und Hongkong stattfindet, ist die bedeutendste internationale Moot Court Veranstaltung auf dem Gebiet des Zivilrechts und wird als „the olympics of international trade law“ angesehen. Behandelt werden verschiedene Aspekte des internationalen Schiedsverfahrensrechts und das UN-Kaufrecht „CISG“. Im 16. Durchgang 2008/09 nahmen 233 Rechtsfakultäten aus über 75 Staaten teil.

In Deutschland existiert ebenfalls seit 1994 der ELSA Deutschland Moot Court, der von der deutschen Sektion der European Law Students’ Association ausgerichtet wird. Gegenstand sind Fälle nach deutschen Zivilrecht, die in deutscher Sprache verhandelt werden. Das Finale findet in Karlsruhe unter dem Vorsitz von Richtern und Anwälten des Bundesgerichtshofs statt.[1]

Seit 2003 wird der Franz-von-Zeiller-Moot-Court aus Zivilrecht veranstaltet.

Auf dem Gebiet des Steuerrechts ist der European Tax College Moot Court Competition zu nennen.[2]

Seit 2013 existiert der von der Hans-Soldan-Stiftung geförderte Soldan Moot zur Anwaltlichen Berufspraxis (Soldan Moot) an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover. Es handelt sich um einen bundesweiten Moot Court-Wettbewerb für Studierende deutscher rechtswissenschaftlicher Fakultäten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul I. Weizer (Hrsg.): How to please the court: a moot court handbook. Lang Verlag, New York u. a. 2004, ISBN 0-8204-6949-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ELSA Deutschland Moot Court: ELSA-DEUTSCHLAND E.V. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  2. International and European Tax Moot Court. Abgerufen am 20. Dezember 2019 (englisch).