Morsemerkwort

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Morsemerkwort dient dazu, sich den Code eines Buchstabens im Morsealphabet zu merken. Je nach Sprache wurden dazu verschiedene Wörter benutzt. Die Morsemerkwörter hatten in der Ausbildung eine historische Tradition,[1] gelten jedoch als ungeeignet, um mit ihnen das Morsen zu erlernen, da bei üblicher Tastgeschwindigkeit die Umsetzung der Merkhilfen nicht mehr möglich ist. Die Merkhilfen wurden durch das sogenannte Gehörlesen ersetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Buch Cheaper by the Dozen beschrieben 1948 zwei Kinder des US-amerikanischen Tayloristen Frank Gilbreth, Ernestine Gilbreth Carey und Frank Bunker Gilbreth Jr., wie sie Morsecode von ihrem Vater mit Eselsbrücken erlernt hatten.[2]

Die Merkhilfen beginnen jeweils mit dem zu kodierenden Buchstaben. Jede Silbe im zugehörigen Merkwort steht für ein Signal. Dabei bedeuten Silben, in denen der Vokal O enthalten ist, einen Strich (langes Signal) und alle anderen Silben einen Punkt (kurzes Signal). Darüber hinaus nahm man auch zusätzlich den Silbenrhythmus (Rhythmuswörter bzw. Klangbildwörter) zur Hilfe. Es traten Mischformen in den Reihen der O-Silbenwörter und der Rhythmuswörter auf. Weitere Merkhilfe-Varianten waren an der 1947 von der ICAO entwickelten Buchstabiertafel ausgerichtet.[3]

Berühmt wurde die Morse-Silbenhilfe für den Buchstaben L durch die am 23. Dezember 1932 im Theater an der Wien uraufgeführte musikalische Liebeserklärung Ich liebe Dich (Rhythmus entspricht dem Morsezeichen · − · · für L) der Operette Sissi von Fritz Kreisler, die auch im später erschienen Sissi-Film zu hören ist, sowie durch das 1939 uraufgeführte deutsche Funkerlied.

Beispiel einer Merkhilfen-Liste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchstabe Code Merkwort Silben
A · − Adolf a-DOLF
B − · · · Borvaselin BOR-va-se-lin
C − · − · Coburg-Gotha CO-burg-GO-tha
D − · · Doria DO-ri-a
E · Ernst ernst
F · · − · Friedrichroda fried-rich-RO-da
G − − · Gomorrha GO-MOR-rha
H · · · · Herrenzimmer her-ren-zim-mer
I · · Ida i-da
J · − − − Jawohl Odol ja-WOHL-O-DOL
K − · − Kommando KOM-man-DO
L · − · · Leonidas le-O-ni-das
M − − Motor MO-TOR
N − · Nora NO-ra
O − − − Ökonom Ö-KO-NOM
Ö − − − · Ökonomie Ö-KO-NOM-ie
P · − − · Peloponnes pe-LO-PON-nes
Q − − · − Quolsdorf bei Forst QUOLS-DORF-bei-FORST
R · − · Revolver re-VOL-ver
S · · · Sabine sa-bi-ne
T Tod TOD
U · · − Uniform u-ni-FORM
Ü · · − − Überkonto ü-ber-KON-TO
V · · · − Verbrennungstod ver-bren-nungs-TOD
W · − − Weltnordpol welt-NORD-POL
X − · · − Xolabaphon XO-la-ba-PHON
Y − · − − York Yellowstone YORK-yel-LOW-STONE
Z − − · · Zoroaster ZO-RO-as-ter

Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 12 (MAI–MUD). Leipzig 1932, S. 762.

Andere Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die üblichen Telegrafiegeschwindigkeiten zu erreichen, müssen andere Wege beschritten werden. Eine der effektivsten Trainingstechniken publizierte 1936 der deutsche Psychologe Ludwig Koch. Sie ermöglicht das Gehörlesen der Morsezeichen aufgrund des Klangs der Zeichen, ohne Abzählen der Punkte und Striche.

Bekannte Telegrafie-Lernmethoden sind:

  • Koch-Methode, bei der die Zeichen bei relativ hoher Geschwindigkeit (zum Beispiel 80 BpM) in einer bestimmten Reihenfolge gelernt werden;
  • Farnsworth-Methode, benannt nach dem US-amerikanischen Funkamateur Donald R. Farnsworth, bei der die Geschwindigkeit von Anfang an hoch ist, aber die Abstände zwischen den einzelnen Morsezeichen vergrößert werden. Beim Lernen werden die Abstände nach und nach bis zur Normlänge reduziert.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank B. Gilbreth Jr., Ernestine Gilbreth Carey: Cheaper by the Dozen. HarperCollins, 1948.
  • Ludwig Koch: Arbeitspsychologische Untersuchung der Tätigkeit bei der Aufnahme von Morsezeichen, zugleich ein neues Anlernverfahren für Funker. In: Zeitschrift für angewandte Psychologie und Charakterkunde, Band 50, Heft 1 und 2, Februar 1936.
  • Jon Bloom: A standard for Morse timing using the Farnsworth technique. (PDF; 137 kB) In: QEX, April 1990, S. 8–9.
  • Rudolf Grötsch: Richtig morsen – Ein Leitfaden für den Morseunterricht. 11. erweiterte Auflage. Jakob Schneider Verlag, Berlin 1964.
  • Vorschrift H.Dv. 426, L.Dv. 407 – Anleitung für die Ausbildung im Morsen. Oberkommando der Wehrmacht, 1941.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Easy Morse Code. – englische Merkhilfen aus dem Zweiten Weltkrieg
  2. Learn Morse Code Like an Efficiency Expert. Abgerufen am 19. Januar 2013 (PDF; 228 kB).
  3. Morse code mnemonics based on the NATO phonetic alphabet in der englischsprachigen Wikipedia
  4. Morsen lernen mit dem HTC. (PDF; 998 kB)