Multiple

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Dieser Artikel erläutert Multiple als Begriff aus der Kunst, für den geophysikalischen Ausdruck siehe: Multiple (Seismologie).

Unter einem Multiple (deutsch: Auflagenobjekt) versteht man eine künstlerische Arbeit, die in der Gegenwartskunst der Druckgrafik im dreidimensionalen Bereich entspricht, aus einer bestimmten Anzahl von seriell hergestellten Objekten besteht und vom Künstler als Multiple autorisiert ist. Die Einzelobjekte sind dabei ökonomisch, materiell und ästhetisch gleichwertig. Jedes Objekt reflektiert die Existenz und Abwesenheit der anderen Objekte.

Der Künstler ist hierbei primär Gestalter, der Form, Größe, Materialien, Techniken, Auflage u.ä. festlegt, während die Ausführung meist von spezialisierten Fachkräften übernommen wird, oft durch maschinelle Unterstützung bzw. in manufakturartiger Organisation.

Unter dem Begriff Multiple werden auch oft Assemblagen verstanden; letzterer Begriff bezieht sich allerdings eher auf reliefartige Leinwandgestaltungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wenn Ihr alle meine Multiples habt, dann habt Ihr mich ganz“

Joseph Beuys

Die Geschichte des Multiples führt zurück zu den Ready-mades des Dadaisten Marcel Duchamp, der seine Kunstobjekte und Installationen bereits in den 1920ern teilweise seriell hergestellt hatte; so u. a. Fountain von 1917, das aus einer Serie von signierten Urinalen bestand und führt über den Surrealismus mit Künstlern wie Salvador Dalí in die Neuzeit zum Fluxus und zur Pop Art. Künstler wie beispielsweise Joseph Beuys, Dieter Roth, Wolf Vostell und überwiegend Andy Warhol haben diese seriell produzierten Auflageobjekte in ihrem Werk verwendet. Bei Warhol ergibt sich das Multiple allein durch seine Technik, die Serigrafie, und zieht sich durch sein gesamtes Werk (Brillo-Boxen, Cow-Wallpaper, Polaroids u. v. a. m.).

Die Multiples von Joseph Beuys sind indes komplexer und sind oft Artefakte oder Relikte seiner Aktionskunst; sie gehen von in Werkzeichnungen skizzierten Konzepten aus (siehe Zeige Deine Wunde).

siehe auch Druck (Reproduktionstechnik)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Pias: Multiple, in: Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst, hrsg. v. Hubertus Butin, Köln 2002
  • Peter Weibel (Hrsg.): Kunst ohne Original. Multiple und Sampling als Medium: Techno-Transformationen der Kunst, Köln 1999
  • Peter Schmieder: unlimitiert. Der VICE-Versand von Wolfgang Feelisch. Unlimitierte Multiples in Deutschland, Köln 1998
  • Peter Weibel (Hrsg.): kunst ohne unikat / art without the unique. edition atelier 1985-1998, Köln 1998 (Kat. Neue Galerie, Landesmuseum Johanneum, Graz)
  • The Great American Pop Art Store. Multiples of the Sixties, Santa Monica 1997 (Kat. University Art Museum, California State University)
  • Zdenek Felix (Hrsg.): Das Jahrhundert des Multiple. Von Duchamp bis zur Gegenwart, Hamburg 1994 (Kat. Deichtorhallen Hamburg)
  • Daniel Buchholz/ Gregorio Magnani (Hrsg.): International Index of Multiples from Duchamp to the Present, Köln 1993 Galerie Buchholz
  • Jörg Schellmann (Hrsg.): Joseph Beuys: Die Multiples. Werkverzeichnis der Auflagenobjekte und Druckgraphik, 8. Aufl. 1997, München/ New York 1997 (Edition Schellmann)
  • Multiples. Ein Versuch die Entwicklung des Auflagenobjektes darzustellen, Berlin 1974 (Kat. Neuer Berliner Kunstverein)
  • Multiples. The first Decade, Philadelphia 1971 (Kat. Philadelphia Museum of Art)
  • Ars Multiplicata. Vervielfältigte Kunst seit 1945, Köln 1968 (Kat. Wallraf-Richartz-Museum Köln)