Muskuläre Dysbalance

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Unter Muskulären Dysbalancen (Ungleichgewicht) versteht man verstärkte Muskelverkürzungen und/oder Muskelabschwächungen zwischen Agonist (= Spieler) und Antagonist (= Gegenspieler) durch einseitige Kraftentwicklung bei gleichzeitiger Vernachlässigung ihrer Dehnungsfähigkeit. Sie werden hervorgerufen durch mangelnde bzw. fehlende körperliche Beanspruchung, einseitige Belastung beim Sport oder im Alltag, ungenügende Regeneration, falsche Bewegungsausführung, aber auch Verletzungen am Bewegungsapparat.

Muskuläre Balance, Dysbalance

Die drei Abbildungen (Klee, 1995) veranschaulichen den Zustand einer muskulären Balance bzw. einer muskulären Dysbalance.

Links: Schematische Darstellung des Zustandes einer muskulären Balance. Die antagonistischen Muskeln A und B halten durch ihr Verkürzungsverhältnis das um den Drehpunkt D drehbare Gelenk im Gleichgewicht.

Mitte: Muskuläre Dysbalance durch Muskelverkürzung. Der Muskel B hat sich einem spezifischen Reiz mit einer höheren Spannung angepasst. Muskel A ist keinem Reiz ausgesetzt worden, seine Spannung bleibt gleich. Das Verkürzungsverhältnis hat sich verändert, die muskuläre Balance ist gestört.

Rechts: Muskuläre Dysbalance durch Muskelverlängerung. Der Muskel A hat sich einem spezifischen Reiz mit einer niedrigeren Spannung angepasst. Muskel B ist keinem Reiz ausgesetzt worden, seine Spannung bleibt gleich. Das Verkürzungsverhältnis hat sich verändert, die muskuläre Balance ist gestört.

Durch die ungünstige Belastungsverteilung zwischen Muskel und Gelenk kann es später zu „Arthromuskulären Dysbalancen“ (gestörten Muskel-Gelenk-Beziehungen) kommen. Diese können schmerzhafte Muskelverspannungen, Überlastung der Sehnen, muskuläre Koordinations- und Funktionsstörungen sowie Abnutzung des Gelenkknorpels zur Folge haben. Ein Beispiel für Muskuläre Dysbalancen ist der Rundrücken, hervorgerufen durch geschwächte Rückenmuskulatur und verkürzte Brustmuskulatur. Um eine Muskelbalance herzustellen, ist hier ein adäquates, aus Krafttraining und Dehnung bestehendes Trainingsprogramm notwendig.

Die Rückenmuskulatur gehört zu den tonischen Muskeln (meist Haltearbeit), ist also verkürzt. Die Bauchmuskulatur gehört zu den phasischen Muskeln (meist Bewegungsarbeit), die zur Abschwächung neigen.

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!

Literatur[Bearbeiten]

  • Lenhart/Seibert: Funktionelles Bewegungstraining – Muskuläre Dysbalancen erkennen, beseitigen und vermeiden. Urban & Fischer Verlag, München, Jena 2001, ISBN 3-437-46671-2.
  • Klee, A.: Muskuläre Balance. Die Überprüfung einer Theorie. In: sportunterricht, 44 (1995), Heft 1, S. 12 - 23. (PDF)
  • Wiemann, K. / Klee, A. / Stratmann, M.: Filamentäre Quellen der Muskel-Ruhespannung und die Behandlung muskulärer Dysbalancen. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 44 (1998a), Heft 4, S. 111 - 118. (PDF)
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