Mutualismus

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Mutualismus (lat. mutuus = gegenseitig, wechselseitig) bezeichnet eine Form der Wechselbeziehung, bei der alle beteiligten Individuen einen Nutzen aus den Verhaltensweisen der anderen ziehen. Die Verwendung des Begriffs reicht von der Ökologie über die Verhaltensbiologie, Anthropologie und Ethik bis hin zur (historischen) Soziologie.

Im Deutschen wird der Mutualismus manchmal als vorteilhafte Kooperation ohne Ausnutzen des anderen von der Symbiose unterschieden, die für mindestens einen der beteiligten Partner lebensnotwendig ist. Im Englischen werden beide Begriffe weitgehend synonym verwendet.

In der Biologie bezeichnet Mutualismus ein Zusammenleben verschiedener Arten, bei dem der Nutzen für die eine Seite keinen Schaden für die andere mit sich bringt, wie dagegen zwischen Prädator und Beute oder zwischen Parasit und Wirt.

In der historischen Soziologie wird Mutualismus als eine Form des Genossenschaftswesens im 19. Jahrhundert verstanden, das auf freiwilliger gegenseitiger Unterstützung und Beschränkung des Wettbewerbs beruht. Pierre-Joseph Proudhon machte den Mutualismus zur Basis eines anarchisch verstandenen Sozialismus. Später haben die Soziologen Émile Durkheim und René König diesen Mutualismus diskutiert. Allgemeiner und eher am Tauschverhalten orientiert, spricht man in der Soziologie von einer Reziprozität der Beziehungen.

Im englischen Sprachgebiet bezieht sich das Schlagwort „new mutualism“ auf neuere Formen genossenschaftlichen oder freiberuflichen Zusammenwirkens.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julian Nida-Rümelin, Irina Spiegel, Markus Tiedemann (Hrsg.): Handbuch Philosophie und Ethik. Band 2, Schönigh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-8252-8691-0, S. 114ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johnston Birchall (Hrsg.): The New Mutualism in Public Policy, Routledge, London 2001. ISBN 978-0-415-24130-4