Nachtjagdleitschiff

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Nachtjagdleitschiff war in der deutschen Kriegsmarine die Bezeichnung für ein bewaffnetes und speziell ausgerüstetes Schiff, das zur Früherkennung und -warnung vor alliierten Luftangriffen und zum Heranführen von Nachtjagdflugzeugen der deutschen Luftwaffe diente.

Nachtjagdleitschiff Togo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einzige als Nachtjagdleitschiff bezeichnete und als solches in Dienst gestellte Schiff war die Togo, die in der Ostsee zur Führung und Unterstützung der Nachtjagdstaffeln gegen die Angriffe der gegnerischen Bomber eingesetzt wurde. Das Schiff war ein ehemaliger Stückgutfrachter, der von der Kriegsmarine zunächst als Minenschiff (Schiff 14), dann als Hilfskreuzer unter dem Namen Coronel eingesetzt worden war und 1943 zum Nachtjagdleitschiff umgebaut wurde.

Neben Flak- und Scheinwerferbatterien war die Togo mit speziellen Ortungs- und Feuerleitgeräten ausgestattet:

  • Funkortungsgerät Typ Freya FuMG 321-328, das 1934 entwickelt wurde. Freya arbeitete als Frühwarnanlage mit einer Reichweite von 120 bis ca. 150 km. Die verwendete Gitterantenne konnte die Entfernung und den Kurs erfassen, jedoch nicht die Höhe anfliegender Maschinen.
  • Funkmess- und Feuerleitradargerät Würzburg, ein Funkmessgerät vom Typ FuMg 39 oder FuMG 62 der deutschen Luftwaffe. Seit 1941 gehörten Würzburg-Geräte zur Standardausrüstung der deutschen Kriegsmarine und meldeten neben den Freya-Frühwarnanlagen auch die Höhe der Flugzeuge. Die Antenne war ein schwenkbarer Parabolspiegel von 3 m Durchmesser.

Jägerleitschiff Kreta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelmeer hatte die Kriegsmarine kurzzeitig ein ähnlich ausgerüstetes Schiff in Dienst, das Jägerleitschiff Kreta. Dies war das 1943 in Besitz genommene französische Post- und Passagierschiff Ile de Beauté, das mit einem Freya AN-Funkmessgerät und einem Feuerleitradar Würzburg 39T sowie einer sehr starken Flugabwehr-Bewaffnung ausgerüstet wurde, aber bereits im September 1943, wenige Wochen nach der Indienststellung, durch einen britischen U-Boot-Torpedo versenkt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Trenkle: Die deutschen Funkführungsverfahren bis 1945, Dr. Alfred Hüthig Verlag, Heidelberg, 1987, ISBN 3-7785-1647-7
  • Gebhard Aders: Geschichte der Deutschen Nachtjagd, Motorbuch Verlag, 1977, ISBN 3-87943-509-X
  • Dieter Jung. Berndt Wenzel, Arno Abendroth: Die Schiffe und Boote der deutschen Seeflieger 1912–1976. Motor Buch Verlag, Stuttgart, 1995, ISBN 3-87943-469-7, 978-3-8794-3469-5
  • Conway’s All the world's fighting ships, 1922–1946. Conway Maritime Press, London, 1980, ISBN 0-85177-146-7, 9-780851-771465 (S. 254)
  • Kurt Petsch: Nachtjagdleitschiff Togo. 1943–45. Die Geschichte des Schiffes und seiner Besatzung, nach dienstlichen und privaten Tagebüchern, Erinnerungen und Fotografien. Preussischer Militär-Verlag, Reutlingen, 1988, ISBN 3-927292-00-1