Nakagin Capsule Tower

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Nakagin Capsule Tower
Nakagin Capsule Tower
Basisdaten
Ort: Tokio, Japan
Bauzeit: 1970–1972
Status: Erbaut
Baustil: Metabolismus
Architekt: Kisho Kurokawa
Technische Daten
Höhe bis zur Spitze: 54 m
Etagen: 13
Baustoff: Stahlbeton

Der Nakagin Capsule Tower (jap. 中銀カプセルタワー, Nakagin Kapuseru Tawā; deutsch in etwa: „Kapsel-Turm auf der mittleren Ginza“) ist ein Wohn- und Bürogebäude, das der japanische Architekt Kisho Kurokawa 1972 im tokioter Stadtteil Ginza errichten ließ.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmaufnahmen

Das Gebäude hat 13 Stockwerke. In den ersten beiden Etagen wurden konventionelle Büroräume untergebracht, darüber sind auf 9 resp. 11 Stockwerken um zwei Erschließungskerne 140 Wohnmodule montiert. Die standardisierten Module sollten industriell vorgefertigt in großer Stückzahl auf den Markt kommen. Sie sind mit den zwei Hauptstützen nur mit vier Bolzen verbunden, wodurch sie leicht abgetrennt werden könnten, um sie gegen aktuellere Modelle auszutauschen – von dieser Möglichkeit wurde bislang aber noch kein Gebrauch gemacht. Zudem können sie zu größeren Einheiten zusammengefügt werden.

Die vorfabrizierten Module oder Kapseln (englisch: modules oder capsules) messen 2,3 m × 3,8 m × 2,1 m. Kurokawa weist darauf hin, dass diese Grundfläche den Dimensionen eines traditionellen Teehaus von vier Tatami entspricht.[1] Sie fungieren als kleine Wohn- oder Büroeinheiten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Nakagin Capsule Tower beantwortete der Architekt Kurokawa eine der zentralen Forderungen des Metabolismus. Die in den Kern eingehängten, standardisierten Wohneinheiten sollten flexibel miteinander zu verbinden sein und als Konstruktionsprinzip für ganze Städte dienen. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht unmittelbar, wurde aber 1986 beim Bau des Lloyd’s building in London von Richard Rogers zum Teil wieder aufgegriffen.Beleg?

Nach vierzig Jahren weist der Turm vor allem durch seine Asbestbelastung und Feuchtigkeitsschäden durch undichte Wasserleitungen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Eine Sanierung erscheint unwirtschaftlich; eine erforderliche Mehrheit von mehr als 80 % der Eigentümergemeinschaft stimmte 2007 für Abriss und Neubau. Durch die Auswirkungen der Finanzkrise ab 2007 waren diese Planungen aber nicht realisierbar.[2]

Seitdem macht sich eine Gruppe von Bewohnern um Tatsuyuki Maeda für den Erhalt des Gebäudes stark. Das Nakagin Capsule Tower Preservation and Rehabilitation Project leistet Öffentlichkeitsarbeit und klärt über die Bedeutung des Gebäudes auf; zusätzlich entstand eine über crowdfunding finanzierte Publikation, die über den Turm und seine Bewohner informiert.[3] Das Projekt bemüht sich zudem, zum Verkauf stehende Kapseln an architekturinteressierte Käufer zu vermitteln, um den für eine entscheidende Mitsprache notwendigen Eigentümeranteil von mindestens 20 % zu erreichen.[4] Im Dezember 2015 einigte sich die Eigentümerversammlung darauf, 2016 ein Gutachten über die Erdbebensicherheit des Gebäudes zu erstellen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse neu über Abriss oder Restaurierung zu diskutieren.[2]

Damit ist die Zukunft des Nakagin Capsule Towers auch weiterhin ungewiss. Ein Aufruf, den Nakagin Capsule Tower zu einem Welterbe zu machen und das Gebäude damit zu schützen, fand keinen großen Widerhall.

Im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Blackwood: Kisho Kurokawa: From Metabolism to Symbiosis (1993)[5]
  • Jesper Wachtmeister: Kochuu (2003), mit Kisho Kurokawa[6]
  • Rima Yamazaki: Japanese Metabolist Landmark on the Edge of Destruction (2010). Interviews mit Architekten und Bewohnern des Nakagin Tower.[1]
  • In Wolverine: Weg des Kriegers (2013) stellt der Nakagin Capsule Tower ein Love Hotel dar.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andres Lepik: Wolkenkratzer. Prestel Verlag, München 2005, S. 88–89, ISBN 3-7913-3454-9.
  • Noritaka Minami: 1972. Nakagin Capsule Tower. Kehrer Verlag, Heidelberg und Berlin 2015, ISBN 978-3-86828-548-2
  • Nakagin Capsule Tower Building Preservation and Restoration Project (Hrsg.): Nakagin Capsule Tower. Seigetsusha, Tokyo 2015, ISBN 978-4810912883

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Beschreibung des Films auf der Website von Michael Blackwood Productions (englisch, abgerufen am 5. Februar 2016); Metabolist Landmark on the Edge of Destruction in der Internet Movie Database (englisch)
  2. a b Fate of iconic, deteriorating Ginza Capsule Tower up in air. The Japan News, 21. Dezember 2015 (englisch, abgerufen am 23. Februar 2016).
  3. Nakagin Capsule Tower Building Preservation and Restoration Project (Hrsg.): Nakagin Capsule Tower. Seigetsusha, Tokyo 2015, ISBN 978-4810912883.
  4. Demolition or Survival? A Masterpiece of Experimental Architecture Battles for Its Life in the Heart of Downtown Tokyo. Ignition.co (englisch, abgerufen am 23. Februar 2016).
  5. Metabolism to Symbiosis in der Internet Movie Database (englisch)
  6. Kochuu in der Internet Movie Database (englisch)
  7. The Wolverine film locations, movie-locations.com (englisch, abgerufen am 16. September 2015)

Koordinaten: 35° 39′ 56″ N, 139° 45′ 48″ O