Neutor (Graz)

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Neutor

Das Neutor war ein historisches Stadttor der Stadt Graz. Es stand von 1620 bis 1883/84 im ehemaligen Kälbernen Viertel im Bezirk Innere Stadt. Die heutige Neutorgasse ist nach der Toranlage benannt.

Geschichte und Gestaltung[Bearbeiten]

Im Zuge des Stadtausbaus Richtung Südwesten wurde das Neutor um 1620 errichtet. Es schloss das Kälberne Viertel, das seinen Namen von den Schlachtbänken hatte, mit in die Stadtbefestigung ein. Das Viertel lag bis zu diesem Zeitpunkt außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer. Das Neutor stand an der Kreuzung Kalcherberggasse/Neutorgasse. Den ursprünglich kleinen Baukörper erweiterte man in der Folgezeit zu einem zweistöckigen und bewohnten Torhaus[1] mit annähernd quadratischem Grundriss. Das Gebäude war bewohnt und beherbergte einen Militärwachposten.[2]

1780/90 erhielt die Außenseite eine klassizistische Fassade mit Zopfdekoration. Stadtseitig besaß das Neutor drei Toröffnungen: das Haupttor mit einem Rustikaportal, ein kleineres mittleres Portal und ein vermauertes Steinportal. Eine Besonderheit der Tordurchfahrt war die s-förmige Krümmung, die das Passieren erschwerte.[1]

Im 19. Jahrhundert lag östlich der Anlage der botanische Garten des nahen Joanneums, westlich davon befand sich noch die ehemalige Neutorbastei mit dem Merangarten samt Gastwirtschaft. Um 1860 fällten Stadt und Land den Beschluss zur Erweiterung des Joanneums durch einen Neubau und den Bau der Landesbibliothek. Die Gartenanlagen wurden verkauft, das Neutor 1883 abgetragen und die Grazer Hauptpost sowie das neue Joanneum und der Justizpalast errichtet.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Engele: Ein neues Tor für das Kälberne Viertel. Aus der Reihe Damals in Graz in der Steiermarkausgabe der Kleinen Zeitung vom 13. November 2011. S. 34–35.
  •  Karl A. Kubinzky, Astrid M. Wentner: Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung. Leykam, Graz 1996, ISBN 3-7011-7336-2, S. 289.
  •  Ulrike Schuster: Verlorenes Graz. Eine Spurensuche im 19. und 20. Jahrhundert nach demolierten Bauwerken und Denkmalen der steirischen Landeshauptstadt. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 1997, ISBN 3-85437-119-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Robert Engele: Ein neues Tor für das Kälberne Viertel. Aus der Reihe Damals in Graz in der Steiermarkausgabe der Kleinen Zeitung vom 13. November 2011. S. 34.
  2. Ulrike Schuster: Verlorenes Graz, S. 35.

47.06808115.437328Koordinaten: 47° 4′ 5″ N, 15° 26′ 14″ O