Nikanor (Satrap)

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Nikanor († 310 v. Chr.) war ein makedonischer Offizier zur Zeit der Diadochen im späten 4. Jahrhundert vor Christus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Konferenz von Triparadeisos, auf der 320 v. Chr. das Reich Alexanders des Großen aufgeteilt wurde, erhielt Nikanor die Satrapie Kappadokien. In den darauffolgenden Jahren unterstützte er den Diadochen Antigonos Monophthalmos, der die benachbarten Satrapien kontrollierte. Er nahm 318–316 v. Chr. an Antigonos’ Feldzug gegen Eumenes teil und begleitete ihn vermutlich auch nach Babylon. Von Antigonos wurde er dabei zu dessen strategos der „östlichen Satrapien“, also zum militärischen Oberbefehlshaber aller Provinzen östlich des Euphrats, ernannt. Sein Hauptquartier wurde das medische Ekbatana. Von Appian wurde Nikanor für das Jahr 311 v. Chr. auch als „Satrap von Medien“ bezeichnet, dabei könnte es sich allerdings um einen Fehler des Autors handeln, da Antigonos ursprünglich den gebürtigen Meder Orontobates dort zum Statthalter ernannt hatte.

Als Seleukos, der von Antigonos aus Babylon vertrieben worden war, 311 v. Chr. dorthin zurückkehrte, ging Nikanor gemeinsam mit Euagoras gegen ihn vor. Die beiden Armeen trafen am Tigris aufeinander. Es kam zur Schlacht. Als Euagoras fiel, schlugen sich seine Truppen auf Seleukos’ Seite. Nikanor versuchte nun zu fliehen, was ihm zunächst auch gelang. Er wurde jedoch von Seleukos bis nach Medien verfolgt und besiegt. Er starb wahrscheinlich im Kampf, die von ihm beherrschten Gebiete wurden von seinem Gegner Seleukos übernommen.

Familiäre Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldemar Heckel identifiziert den strategos Nikanor mit einem in der Suda angeführten Nikanor, Sohn des Balakros, wobei er weiterhin den Vaternamen mit dem Leibwächter Alexanders des Großen, Balakros († 324 v. Chr.), identifiziert. Nikanor wäre demnach ein Sohn des Leibwächters Balakros aus einer früheren Ehe gewesen, denn dessen bekannte Ehefrau Phila dürfte als seine Mutter wohl zu jung gewesen sein. Außerdem hätte Nikanor einen Bruder namens Philippos gehabt, der ein Offizier Alexanders des Großen war.

Dem gegenüber steht eine von A. B. Bosworth aufgestellte These, die in Nikanor, Sohn des Balakros, einen prominenten Gefolgsmann des Kassander erkennt, den Admiral Nikanor. Der sei über seine Mutter Phila außerdem ein Neffe Kassanders gewesen. Diese These wird allerdings von Heckel in Zweifel gezogen, da der Admiral Nikanor im Jahre 317 v. Chr. während des zweiten Diadochenkrieges von Kassander hingerichtet wurde. Heckel hält es dabei für wenig wahrscheinlich, dass Kassander seinen eigenen Neffen exekutiert hätte, der außerdem zu diesem Zeitpunkt ein Stiefsohn des Demetrios Poliorketes gewesen wäre, welcher wiederum mit seinem Vater Antigonos Monophthalmos der wichtigste Verbündete Kassanders im zweiten Diadochenkrieg war. Außerdem sind aus der Ehe der Phila mit Balakros (ihrer ersten von dreien) nur die Söhne Antipatros, Thraseas und Balakros bekannt.

Nikanor, Sohn des Balakros, und seine mögliche Verwandtschaft:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Antipatros
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nikanor
 
 
 
 
 
 
Antigonos Monophthalmos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
?
 
Balakros
 
Phila
 
Demetrios Poliorketes
 
Kassander
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nikanor
(Heckel)
 
Philippos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Antipatros
Thraseas
Balakros
 
Nikanor
(Bosworth)
 
 


Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. B. Bosworth: A New Macedonian Prince. In: The Classical Quarterly. New Series Bd. 44, Nr. 1, 1994, S. 57–65, JSTOR 638873.
  • Waldemar Heckel: Who’s Who in the Age of Alexander the Great. Prosopography of Alexander’s Empire. Blackwell, Oxford u. a. 2006, ISBN 1-4051-1210-7, S. 177.
  • Waldemar Heckel: Nicanor Son of Balacrus. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies. Bd. 47, Nr. 4, 2007, ISSN 0017-3916, S. 401–412, (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]