Suda

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Suda (Begriffsklärung) aufgeführt.
Eine Seite der Suda in der 1205 geschriebenen Handschrift Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vaticanus graecus 1296 (fol. 193r)
Seite aus einer frühen Druckausgabe der Suda (15./16. Jahrhundert)

Die Suda (altgriechisch ἡ Σοῦδα) ist das umfangreichste erhaltene byzantinische Lexikon; es entstand vermutlich um 970.

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Suda enthält über 30.000 Lemmata und ist – im Gegensatz zu den meisten anderen Nachschlagewerken dieser Zeit – alphabetisch gegliedert. Sie kann daher als sehr früher Vorläufer moderner Lexika bzw. Enzyklopädien gedeutet werden.

Die Suda enthält zahlreiche Artikel über Leben und Werk antiker Autoren sowie über antike Geschichtsschreibung und Geographie. Der Inhalt ist teilweise wenig verlässlich, da anscheinend viel aus dem Gedächtnis zitiert worden ist und die benutzten Quellen bereits ihrerseits unzuverlässig waren. Da das Lexikon viele verloren gegangene Werke zitiert, ist es dennoch für die Klassische Philologie eine unersetzliche Quelle und wurde bereits in byzantinischer Zeit und in der Renaissance viel benutzt.

Dem humanistischen Philologen Justus Lipsius wird der Satz zugeschrieben: pecus est Suidas, sed pecus aurei velleris („Die Suda ist ein Schaf, aber ein Schaf mit goldener Wolle“).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk wurde vermutlich von mehreren Autoren kompiliert aus älteren, überwiegend verloren gegangenen antiken Lexika von Eudemos von Pergamon, Helladios, Longinos, Eirenaios von Smyrna und Pamphilos von Alexandria sowie aus Scholien zu Werken klassischer Autoren wie Aristophanes, Homer, Sophokles, Thukydides und Lukianos.

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass möglicherweise überwiegend jüngere Vorlagen verwendet wurden, so beispielsweise die Synagoge (Συναγωγὴ λέξεων χρησίμων) und Harpokration. Die Hinweise auf antike Historiker gehen vermutlich ebenfalls nicht auf die Originaltexte zurück, sondern überwiegend auf Constantinus Porphyrogennetos.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk wird heute in der Regel als Suda zitiert. Es wurde bis etwa 1930 (und teils bis heute) einem Autor namens Suidas (auch Souidas oder Soudas) zugeschrieben, doch ein Autor mit diesem Namen ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich daher bei dem (fälschlich als Suidas gelesenen) Wort Suda in den Handschriften um den Titel des Werks, nicht um den Namen eines Verfassers. Dieser Irrtum geht vermutlich bereits auf Eustathios von Thessalonike zurück. Der Titel Suda bedeutet wahrscheinlich „Schanzwerk“ oder „Befestigungsanlage“: Das Lexikon sollte demnach wohl als eine „Festung des Wissens“ bzw. „Festung gegen das Vergessen“ dienen.

Suda On Line (SOL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Suda steht teilweise in digitaler Form zur Verfügung. Seit Januar 1998 erarbeitet eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern die webbasierte Edition Suda On Line (SOL). Die Übersetzung und Kommentierung steht unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-NonCommercial-ShareAlike (online).

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ada Adler (Hrsg.): Suidae lexicon. 5 Bände. Leipzig 1928–1938 (Nachdruck Leipzig 1994-2001)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barry Baldwin: Aspects of the Suda. In: Byzantion 76, 2006, S. 11-31.
  • Wilhelm von Christ: Geschichte der griechischen Literatur. Teil 2/2, 6. Auflage, 1924, S. 1091 ff.
  • Wolfram Hörandner, Erich Trapp: Lexicographica Byzantina. Beiträge zum Symposion zur byzantinischen Lexikographie (Wien, 1.-4. März 1989); darin u.a.: H. Hunger: Was nicht in der Suda steht, oder: Was konnte sich der gebildete Byzantiner des 10./11. Jahrhunderts von einem "Konversationslexikon" erwarten? (Byzantina Vindobonensia, Bd. 20). Wien 1991
  • Herbert Hunger: Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. Bd. 2, München 1978, S. 508 (Index, s.v. Suda).
  • Christos Theodoridis: Quellenkritische Bemerkungen zum Lexikon des Suidas. In: Hermes 116, 1988, S. 468–475.
  • Erich Trapp, Johannes Diethart, Georgios Fatouros, Astrid Steiner, Wolfram Hörandner: Studien zur byzantinischen Lexikographie; darin u.a.: A. Steiner: Byzantinisches im Wortschatz der Suda (Byzantina Vindobonensia, Bd. 18). Wien 1988
  • Antonio Ruiz de Elvira: Suidas, y non „la Suda“. In: Myrtia 12, 1997, S. 5-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Suda – Quellen und Volltexte
  • Suda On Line (im Entstehen begriffene englische Übersetzung)