Noli me tangere

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Noli me tangere (Begriffsklärung) aufgeführt.
Fra Angelico: Noli me tangere - Fresko in einer Zelle des Klosters von San Marco, Florenz (um 1440)
Antonio da Correggio: Noli me tangere (um 1518)
Hans Holbein der Jüngere: Noli me tangere - Gemäldeausschnitt (1524)

Die Wendung noli me tangere ist in der lateinischen Übersetzung des Johannesevangeliums der an Maria Magdalena gerichtete Ausspruch Jesu nach seiner Auferstehung (Joh 20,17 EU) und heißt übersetzt „Rühre mich nicht an“ oder „Berühre mich nicht“.

Überlieferung[Bearbeiten]

Maria Magdalena begegnet dem Bericht des Johannesevangeliums zufolge als erste dem Auferstandenen in der Nähe des leeren Grabes, erkennt ihn jedoch nicht, sondern hält ihn für den Gärtner. Daher befragt sie diesen, ob er etwa den vermissten Leichnam des Gekreuzigten weggetragen und wohin er ihn gelegt habe. Erst als Jesus sie bei ihrem Namen nennt, erkennt sie ihn. Offenbar auf ihren Versuch, ihn zu küssen oder zu umarmen, reagiert Jesus mit dem sprichwörtlich gewordenen Ausspruch und begründet sein Verbot damit, er sei noch nicht zum Vater aufgefahren. Maria Magdalena fordert er auf, die Jünger zu informieren. Sie wird dadurch zur ersten Zeugin und Verkünderin der Auferstehung Jesu Christi.

Ikonografie[Bearbeiten]

Die nur im Johannesevangelium erwähnte Szene wurde zum Thema einer langen, weitverbreiteten und kontinuierlichen ikonographischen Tradition in der christlichen Kunst, die vom Hochmittelalter (Codex Egberti, 980-993) bis ins 20. Jahrhundert reicht. Maria Magdalena kniet vor Jesus und versucht sein Gewand oder seine Füße zu küssen. Jesus, in der einen Hand oft die Schaufel des Gärtners oder das Vexillum crucis haltend, vollführt ihr gegenüber einen Handgestus. Zwei Varianten sind in der ikonographischen Tradition vorherrschend: ein Lehr- und Verkündigungsgestus (erhobener Unterarm mit ausgestreckten drei Fingern) und ein Abwehrgestus (nach unten gerichteter Arm mit nach oben abgewinkelter Hand, öfter mit auf die Daumenspitze gelegtem Mittelfinger, kleiner Finger und Zeigefinger angehoben und leicht gebogen). [1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Pablo Picasso greift für den rätselhaften zentralen Gestus in seinem berühmten Gemälde La Vie aus der Blauen Periode auf das Gemälde Noli me tangere von Antonio da Correggio zurück.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gisela Schiller: Ikonographie der christlichen Kunst. Bd. 3: Die Auferstehung und Erhöhung Christi, Gütersloh 1986 ISBN 3-579-04137-1 S. 95-98; Abb. 275-297 (Buchmalerei, Elfenbein u. Goldschmiedekunst, Bronzeguß, Gemälde u. a. von Giotto, Altdorfer, Barocci, Rembrandt)
  • Engelbert Kirschbaum u. a. (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Bd. 3 Herder-Verlag Freiburg/Br. ISBN 3-451-22568-9 S. 333-336.
  • G. Becht-Jördens, P. M. Wehmeier: Picasso und die christliche Ikonographie. Mutterbeziehung und künstlerische Position. Berlin 2003 ISBN 3-496-01272-2, S. 40 ff.; Abb. 1-4.
  • Jean-Luc Nancy/Christoph Dittrich: Noli me tangere. Aufhebung und Aussegnung des Körpers. Diaphanes Verlag, Zürich-Berlin 2008. ISBN 978-3-03734-046-2

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Noli me tangere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. G. Schiller, Ikonographie der christlichen Kunst, Bd. 3 Die Auferstehung und Erhöhung Christi, Gütersloh 2 1986 (ISBN 3-579-04137-1) S. 95-98; Abb. 275-297 (Buchmalerei, Elfenbein u. Goldschmiedekunst, Bronzeguß, Gemälde u. a. von Giotto, Altdorfer, Barocci, Rembrandt); Art. Noli me tangere, in: Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 3 Allgemeine ikonographie L-R, Rom Freiburg Basel Wien (ISBN 3-451-22568-9) Kol. 332-336.
  2. Vgl. G. Becht-Jördens, P. M. Wehmeier, Picasso und die christliche Ikonographie. Mutterbeziehung und künstlerische Position, Berlin 2003 (ISBN 3-496-01272-2) S. 40 ff.; Abb. 1-4.