One person, one language

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Der Ansatz eine Person, eine Sprache, oft englisch one person, one language (OPOL), ist eine beliebte Methode, die von Eltern angewandt wird, die versuchen, Kinder zweisprachig zu erziehen. Mit dem Ansatz eine Person, eine Sprache spricht jeder Elternteil konsequent nur eine der beiden Sprachen mit dem Kind. So könnte beispielsweise die Mutter des Kindes mit ihm ausschließlich auf Französisch sprechen, während der Vater nur Englisch spricht. Auf diese Art lernt das Kind die beiden Sprachen simultan und nicht sukzessive.

Argumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell gilt die Methode eine Person, eine Sprache als die beste Methode für den zweisprachigen Spracherwerb ohne gemischte Äußerungen. Der Begriff eine Person, eine Sprache wurde erstmals vom französischen Linguisten Maurice Grammont 1902 eingeführt. Er entwickelte die Theorie, dass Eltern durch die Trennung der Sprachen von Anfang an Verwirrung und Code-Mixing bei ihren zweisprachigen Kindern vermeiden könnten.[1] Dieser Ansatz wird häufig auch von bilingualen Kindergärten angewendet, indem „eine Erzieherin [z. B.] lediglich Deutsch mit den Kindern [spricht], während die andere Erzieherin nur auf Englisch agiert.“[2]

George Saunders schrieb in seinem Buch Bilinguale Kinder: Von der Geburt bis zum Teenager, dass der Ansatz eine Person, eine Sprache „sicherstellt, dass die Kinder regelmäßig der jeweiligen Sprache ausgesetzt sind und diese nutzen müssen. Dies ist besonders wichtig für die Minderheitensprache, die wenig externe Unterstützung hat.“[3]

Diese Methode wurde auch mit einer frühen Entwicklung von metalinguistischem Bewusstsein verbunden.[4]

Eine Alternative für die zweisprachige Erziehung besteht darin, eine der Sprachen als „Familiensprache“ (bspw. beim Kuscheln) und die andere als „Umweltsprache“ (bspw. beim Einkaufen) zu verwenden.[5] So wird beim Ansatz Minority Language at Home (ML@H) zu Hause diejenige Sprache gesprochen, die außerhalb des Hauses nicht, oder nur wenig, gesprochen wird.

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer im Infant Mental Health Journal veröffentlichten Studie fand Naomi Goodz heraus, dass Väter dazu neigen, sich strenger an das „One Person, One Language“-Modell zu halten als Mütter.[6] Selbst wenn Eltern streng nach dem „One Person, One Language“-Schema sprechen, zeigten naturalistische Beobachtungen immer wieder Fälle von Sprachmischung bei beiden Elternteilen.[7]

Masae Takeuchi untersuchte 25 japanische Mütter in Melbourne, Australien, die den eine Person, eine Sprache-Ansatz benutzten, um die zweisprachige Entwicklung ihrer Kinder in Japanisch/Englisch zu unterstützen. Takeuchi stellte fest, dass Beständigkeit der Schlüssel zum Erfolg des Ansatzes ist. Die meisten Kinder in Takeuchis Studie nutzten Japanisch nach dem Schulabschluss nicht aktiv, und nur die Kinder, die von Müttern aufgezogen wurden, die konsequent darauf bestanden, nur Japanisch zu sprechen, nutzten Japanisch aktiv als Erwachsene.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Suzanne Barron-Hauwaert: The One-Parent-One-Language Approach. Multilingual Matters: Clevedon, 2004. ISBN 1-85359-715-5 (insbesondere das Kapitel The One-Parent-One-Language Approach. What Is It?), (aufgerufen am 26. Januar 2011)
  • Annick De Houwer: Bilingual Language Acquisition in: Paul Fletcher, Brian MacWhinney: The Handbook of Child Language. Blackwell Publishing: Malden, 1995. ISBN 0-631-18405-8 (aufgerufen am 26. Januar 2011)
  • Naomi S. Goodz: Parental Language Mixing in Bilingual Families. in: Infant Mental Health Journal 10.1 (1989): 25–44. EBSCO. Web. 10 Dec. 2010.
  • George Saunders: Bilingual Children: From Birth to Teens. Philadelphia: Clevedon Avon, 1988.
  • Susanne Döpke: One Parent, One Language. An Interactional Approach. Amsterdam: Benjamins, 1992.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barron-Hauwaert 2004, S. 2.
  2. kita.de: Bilingualer Kindergarten: Alles zur zweisprachige Kinderbetreuung. 10. Juli 2018, abgerufen am 15. Dezember 2019.
  3. Saunders 1988, S. 49.
  4. De Houwer 1996, sec. 4.2.
  5. Doreen Asbrock: Frühkindliche Zweisprachigkeit. In: Bielefelder Institut für frühkindliche Entwicklung. 2006, abgerufen am 15. Dezember 2019.
  6. Goodz 1989, 39.
  7. De Houwer 1996, sec. 4.4.
  8. Maesae Takeuchi: The Japanese Language Development of Children through the 'One Parent-One Language' Approach in Melbourne. In: The Journal of Multilingual and Multicultural Development. 27, Nr. 4, 2006, S. 319–331.