Osterburg (Groothusen)

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Osterburg
Osterburggroothusen-29181.jpg
Alternativname(n): Osterburg
Entstehungszeit: um 1200 bis 1300
Burgentyp: Niederungsburg, Ortslage
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Groothusen
Geographische Lage 53° 26′ 7″ N, 7° 4′ 8″ OKoordinaten: 53° 26′ 7″ N, 7° 4′ 8″ O
Osterburg (Groothusen) (Niedersachsen)
Osterburg (Groothusen)

Die Osterburg ist eine hochmittelalterliche Wasserburg in Groothusen, einem Ortsteil der Gemeinde Krummhörn, im Landkreis Aurich in Niedersachsen. Architektonisch gehört ihr Kernbau zu den ostfriesischen Häuptlingsburgen des Steinhaustypus Saalbau.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg liegt am östlichen Ende der Langwurt des ostfriesischen Dorfes in einem teilweise parkähnlich angelegten Gehölz. Sie ist umgeben von einer Graft und nur über eine steinerne Brücke zu erreichen.

Die isolierte Lage am Ostende des Dorfes kann auf das hohe Alter der Burgstelle hinweisen, als hier die landseitige Verteidigung (Richtung Pewsum) des Siedelplatzes erfolgte. Nördlich und westlich befand sich mit der erst später eingedeichten Sielmönker Bucht noch das offene Meer.

Ortsburgengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groothusen war im 13. und 14. Jahrhundert der Versammlungsort des Emsigerlandes. Gleichzeitig war es Vorort eines der vier Unterbezirke mit Sitz des Konsuls (weltliche Macht) und des Dekans (kirchliche Macht). Ursprünglich waren beide Funktionen in der Hand einer Familie, die in einem Steinhaus (Burg) residierte. Diese Burg befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach neben der Kirche am Westende auf der Warft und ist als Vorläufer der heutigen Westerburgstätte anzusehen. Die Westerburg galt als die Hauptburg des Ortes, sie ist das „prinzipale erfhues“.

Spätestens mit der Aufteilung der Verwaltungsfunktionen auf zwei Familien entstand auch eine weitere Burg – die Osterburg. Hier wohnte der Dekan. Diese Burg besetzte das andere Ende der Warft im Osten. In einer dritten Phase entstand dann die Middelsteburg, auch genannt „Rederts starkes Haus“.

Wegen der Beteiligung der Ortshäuptlinge an den Überfällen der Vitalienbrüder auf die Hanse wurde 1400 die Osterburg und 1435 die Westerburg durch die Hamburger zerstört. Zuerst wurde die Westerburg nach 1452 wiederaufgebaut, jedoch außerhalb der Warft im Südwesten. Die Osterburgstätte blieb bis 1490 unbebaut. In der nicht zerstörten, aber heute stark veränderten Middelsteburg befinden sich noch Bauteile aus dem 14. Jh.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saalbau.
Allee im Park.

Die Osterburg ist die einzige noch erhaltene der ehemals drei Burgen des Ortes. Das Bauwerk ist ein Gebäudekomplex aus mehreren Teilen, die zwischen 1490 und 1910 errichtet wurden. Die Baugeschichte kann in sieben Bauphasen eingeteilt werden.

  • 1490: Errichtung eines Steinhauses (Saalbau) (LxB = 23,75 × 9,00 m)
  • 1547: Anbau eines kurzen Seitenflügels (Ostflügel) an der Nordostecke des Langhauses (LxB = 9,75 × 6,00 m)
  • 1707: Anbau einer Gulfscheune an der Nordwestecke des Langhauses (LxB = 24,80 × 21,90 m)
  • 1790: Abbruch der Stufengiebel des Langhauses und Aufbau eines Walmdaches. Verlängerung des Ostflügels auf eine Gesamtlänge von 26,00 m.
  • 1891: Anbau eines Flures an der Hofseite des Langhauses. Das heruntergezogene Schleppdach verbirgt seitdem die Zweigeschossigkeit des Steinhauses, die nur noch von der Rückseite erkennbar ist.
  • 1910: Abbruch und Erneuerung der Ostflügelverlängerung von 1790. Mittelteil als Wohnung, vorderer Teil als Remise.
  • 2008: Umbau des Ostflügels komplett zu Wohnzwecken.

Zum Burgensemble gehören die Bauernhöfe, Groot Plaats (Hof Wäcken) und Osterburg Schatthaus. Nicht mehr erhalten sind ein Teehaus von 1794, Gärtnerwohnhaus (beides im Gehölz) und ein weiterer Plaats (ter Braecks Herd) direkt östlich neben dem Schatthaus. Neben der Wohnstätte für landespolitisch bedeutsame Familien war die Burg vor allem ein landwirtschaftlicher Großbetrieb. Die Burg kann nach telefonischer Voranmeldung besichtigt werden. Der außerhalb der Burginsel gelegene Park ist allgemein zugänglich.

Die Burg befindet sich heute in Besitz der Nachfahren der Häuptlingsfamilie Beninga. Mehrere Räume sind authentisch seit der Zeit des Barock erhalten und zeigen mit ihrer Ausstattung die Wohnkultur der hier ansäßigen Familien. Die Möblierung zeigt in den einzelnen Räumen den Wandel des Zeitgeschmacks und durch die Objekte die weitverzweigten Kontakte und Verwandtschaft der Bewohner. Besonders hervorzuheben ist die Ahnengalerie, die Porträts aus fünf Jahrhunderten zeigt.

Besitzergeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglichen Besitzer der Osterburgstelle sind unbekannt. In die Familie der Dekane zu Groothusen (Osterburglinie) heiratete in der 2. Hälfte des 14. Jh. ein Tiado von Ditzum ein. Aus dieser Verbindung leitet sich die Häuptlingsfamilie Tiadekana ab, die jedoch gegen 1465 ausstarb bzw. in der Häuptlingsfamilie Beninga von Groothusen (Westerburglinie) aufging.

Zwischendurch, in einer kurzen Zeitspanne bis zu ihrer Zerstörung am 14. Juni 1400 gehörte die Osterburg jedoch dem Häuptling Folkmar Allena aus Osterhusen. Danach ist nicht eindeutig, wer über die Osterburgstelle verfügte, es ist aber anzunehmen, dass es wieder die Familie Tiadekana war, die im 2. und 3. Viertel des 15. Jahrhunderts die Dekane stellte.

Die Westerburg wurde 1435 durch die Hamburger zerstört. Mit dem Wiederaufbau der Westerburg wurde 1452 nach der Rückkehr des Häuptlings Redward II. Haitadisna Beninga begonnen. Dessen Tochter Tiada Beninga (1425–1483) erbte aus der Visquarder Tiadekanalinie auch die Osterburgstelle. Mit den beiden Burgen ihres Vaters waren 1465 alle drei Burgen in der Hand der Beninga.

Vielleicht noch zu ihren Lebzeiten, wahrscheinlicher aber unter ihrem Sohn Beno Lyawes von Groothusen und Neermoor wurde die Osterburgstätte vermutl. im letzten Viertel des 15. Jhds. wieder bebaut. Als erste Besitzerin ist dessen Witwe Reinste schriftlich überliefert.

Die Besitzerfolge:

  • (1) Erbauung (1480/1490 vermutl.) - Beno Lyawes, Häuptling von Groothusen und Neermoor (1442–vor 1495)
  • (2) vor 1495 - Reinste (Reinsedis Remetsna van Midlum) van Groothusen (1445–1515 / Witwe zu 1)
  • (3) ab 1509 - Keno Benena Hptl. von Groothusen und Neermoor (1465–nach 1516 / Sohn von 2 / Abfindung der Schwester)
  • (4) nach 1516 – Nomna Beninga von Groothusen, (1490–1560 / Tochter von 3 / heiratet 4b Wiard Nomen Meckena von Jemgum (Meckenaborg), (1480–1533)
  • (5) ab 1560 - Tiada Meckenaborg van Groothusen (ca. 1520–1602 / Erbteilung / Tochter von 4, Ehemann Meindert (Meynert) Aldringa von Nesse (ca. 1510–1577)
  • (6) ab 1566 (Erbteilungsvertrag) – Enno Mentets Aldringa van Nesse (1540–1599; Sohn von 5)
  • (7) ab 1581 Habbo Mentets Aldringa van Nesse, (1545–? / Bruder von 6)
  • (8) ab ? - Wiard und Albert Aldringa, (Enkel von 5)
  • (9) ab ? - Ennecke Aldringa (van Nesse) zusammen mit ihrem Bruder Mentet, (1619–1669 / Urenkelin von 5 / ihr Mann Tammo Valk verkauft die Burg an 10 und 11)
  • (10) ab 1650 Jannecken Simons van Swart, (1605–1657 / zusammen mit 11)
  • (11) ab 1657 (alleinig) Warner Conring, (1620–1695 / Schwiegersohn v. 10)
  • (12) ab 1695 Maria Conring, (1643–1695 / Tochter von 11 / Heirat mit 12b; Eberhard ter Braeck [1630–1700])
  • (13) ab 1696 Warner ter Braeck (1674–1734 / Sohn von 12)
  • (14) ab 1734 Justus ter Braecke, (1709–1737 / Sohn von 13)
  • (15) ab 1737 Gossel Rudolf van Wingene, (1706–1767 / Sohn von Helena ter Braeck / Vetter von 14)
  • (16) ab 1767 Paul van Wingene, (1736–1816 / Neffe von 15)
  • (17) ab 1816 Eberhard J. Leonhard van Wingene, (1784–1862 / Sohn von 16)
  • (18) ab 1862 Sara Johanna Ottilie van Wingene, (1811–1883 / Tochter von 17 / ab 29. August 1835 verheiratete Kempe / nach Tod Erbengemeinschaft)
  • (19) ab 1883 Erbengemeinschaft
  • (20) ab 1887 Daniel Kempe, Pacht von Erbengemeinschaft, (1853–1916 / Sohn von 18)
  • (21) ab 1891 Paul Kempe, (1839–1897 / Bruder zu 20 / Kauf von Erbengemeinschaft), verheiratet mit Henriette W. Heykes (1856–1940)
  • (22) ab 1940 Klaas Heykes Kempe, (1893–1966 / Sohn von 21)
  • (23) ab 1966 Enno F. Kempe (1926–2015 / Sohn von 22)
  • (24) ab 2007 Klaas H. Kempe, (geb. 1972 / Sohn von 23).

Entsprechend der Bedeutung von Ort und Burg standen die Besitzer häufig in ständischen Ämtern, z.B. Landrichter Emsigerland (4b), Deich- u. Landrentmeister (11), Administrator der Landstände (12b), in neuerer Zeit auch als Landschaftsrat (22). Die überwiegend ev. ref. Religionszugehörigkeit erklärt sich besonders aus ihrer Herkunft als Flüchtlinge aus den Niederlanden, die im 16. Jhdt. nach Emden kamen. Die Familie van Wingene war maßgeblich mit Johannes a Lasco am Aufbau der reformierten Kirche in Emden beteiligt.

Im 14. und 15. Jht. trugen die Besitzer den Titel "hovetling" (Häuptling). Auch wenn die Besitzer, wie die Meckenas und Aldringas adelig waren, wurde die Osterburg nie in die Ritterschaftsmatrikel eingetragen. Standesmäßig gehörten die Burgbewohner somit zum Hausmannsstand (s. 12b). Die jetzigen Eigentümer sind direkte Nachfahren von Beno Lyawes und dokumentieren eine weit über 500 - jährige Eigentümerkontinuität.

Zu den bedeutenden Bewohnern gehört Eberhard ter Braeck (1630–1698). 1682 schloss er als Administrator (s. Ostfriesische Landschaft) des dritten Standes (Hausmannstand / Osterburg Groothusen) zusammen mit Diurco Andree (Städte / Bürgermeister Emden) und Dodo II. zu Innhausen und Knyphausen (Ritterschaft / Herrlichkeit Lütetsburg) einen Vertrag mit dem Kurfürsten von Brandenburg und begründete somit die spätere Bindung (ab 1744) Ostfrieslands an Preußen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enno F. Kempe: Die Osterburg zu Groothusen (Ostfriesischer Kunstführer, Heft 12). Aurich 1989. ISBN 3-925365-34-6
  • Hajo van Lengen: Geschichte des Emsigerlandes vom frühen 13. bis zum späten 15. Jahrhundert. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1973.
  • Sigismund Eberhard: Stammfolge Kempe. Ostfriesisches Geschlechterbuch, Verlag von C. A. Starke, Limburg a. d. Lahn 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F.G. Kempe u. W.D. Kempe: Die Besitzer der Osterburg zu Groothusen von 1495 – 1895. Siebzehn Generationen. Oktavheft, Bunde 1906.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]