Passform

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Als Passform (Sitz) bezeichnet man die Anpassung der Form eines Kleidungsstückes oder Schuhes an den menschlichen Körper. Eine gute Passform trägt zum Tragekomfort bei.

Da jeder Mensch neben unterschiedlichen Körperabmessungen auch unterschiedliche Körperproportionen hat, ermöglicht die Konfektionsgröße allein noch keine Aussage, ob die Kleidung optimal an den Körper angepasst ist.

Eine optimale Passform wird durch Maßanfertigung durch einen Schneider bzw. Schuhmacher erzielt.

Zudem werden als Passformen auch unterschiedliche Arten (Schnitttypen) von Kleidungsstücken genannt.

Kleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Bekleidung wird die Passform durch unterschiedliche Konfektionsgrößen bestimmt. Die Passform von Bekleidung ist stark von der Mode abhängig, weswegen sich die Bezeichnung Passform auch für verschiedene Typen und Arten an Kleidungsstücken eingebürgert hat. In der Damenmode werden bis zu 142 Passformen unterschieden.[1]

Durch Messungen der durchschnittlichen Körpergrößen wird eine Normierung der Konfektionsgrößen versucht. In Deutschland wird dies durch das Hohenstein Institut durchgeführt. Die daraus entstehenden Einheitstabellen dienen den Designern als sinnvolle Vorlagen für Fertigmaßtabellen und damit auch für die Konfektionsgrößen. Trotzdem fallen die Konfektionsgrößen bei verschiedenen Herstellern auch unterschiedlich groß aus. Hinzu kommt, dass es keine internationalen Standards gibt, sondern viele europäischen Länder ihre eigenen Größenangaben pflegen, angepasst an die jeweiligen Daten und Vermessungen, die erhoben wurden.

Viele Modehersteller bieten Größen- und Passformtabellen an, um vor allem Kunden in Onlineshops die Auswahl der richtigen Größe zu erleichtern. Insbesondere in der Damenmode haben viele große Marken auf unterschiedliche Weise versucht, sich dem Problem anzunähern und eine adäquate und hilfreiche Lösung für ihre Kunden zu finden. In einer Umfrage gaben 64,2 % der Befragten an, dass eine gute Passform beim Kauf von Kleidung sehr wichtig ist.[2]

Vor allem Menschen mit Übergrößen und extremen Körperproportionen finden oft nur schwer Kleidung mit guter Passform.

Die Passform bei Kleidung ist – im Unterschied zu Schuhen – meist auch abhängig vom Schnitt des Kleidungsstücks. Eine Skinny Jeans setzt beispielsweise eine andere Passform voraus als eine Marlenehose. Welches Kleidungsstück am besten passt und dem Träger die angenehmste Passform und damit hohen Tragekomfort bietet, ist demnach auch stark abhängig vom Figurtyp sowie individuellen Aspekten wie Geschmack, persönlichen Vorlieben, Trends, Modebewusstsein und Stil.

Schuhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Schuhen besteht das Problem der Passform bei

  • von der Norm abweichenden Fußformen (breite Füße, fleischige Füße, hoher Spann) oder krankhaft veränderten Füßen (z. B. Senk- und Spreizfuß),
  • mehr an modischen Details (z. B. enge Schuhspitze, gerade Schuhe) orientierten Schuhformen, denn an fußmorphologischen Gegebenheiten orientierten Leistenformen,
  • unterschiedlichen Fußproportionen in unterschiedlichen Ländern und Regionen (italienische und japanische Schuhe sind deshalb für Nordeuropäer oft zu schmal),
  • Kinderschuhen.

Das Problem ist sehr vielschichtig und hängt teils mit der herstellenden Industrie, teils mit der Eitelkeit der Schuhträger selbst, wie auch mit deren Unerfahrenheit (im Fall von Kindern) zusammen. Untersuchungen (EuroShoeProject 2001–2004) belegen, dass die meisten Verbraucher die Passform der Schuhe bemängeln. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die meisten Schuhe zwar in unterschiedlichen Schuhlängen, aber nicht in unterschiedlichen Schuhweiten hergestellt werden (für eine angemessene Versorgung werden pro Schuhlänge fünf verschiedene Weiten benötigt). Auch geht aus medizinstatistischen Daten hervor, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Industrieländer Fußprobleme hat (rund 75-80 %), was wiederum zu weit über 90 Prozent auf nicht richtig passendes Schuhwerk zurückzuführen ist.

Und selbst eine aufgedruckte Schuhgröße sagt noch nicht viel über die tatsächliche Größe aus. Die Hersteller setzen die Vorgaben nicht exakt um. Die Leisten, nach denen Schuhe gefertigt werden, sind oft nach englischen Größen bemessen, die mit ihren halben Größen (7, 7½, 8, 8½ usw.) eine feinere Staffelung haben, als die in Kontinentaleuropa gebräuchlichen Größen (39, 40, 41 usw.). Die Folge sind Rundungsfehler, Dopplungen oder Lücken im Größengang et cetera, mit denen die Hersteller umgehen müssen.

Während Erwachsene durch Anprobieren relativ schnell das gewünschte Modell in einer (anscheinend) passenden Schuhgröße finden, entscheiden sich Kinder nach anderen Kriterien, wie Aussehen, Farbe usw. Kinder haben andere Prioritäten. Da der kindliche Fuß auch noch bedeutend weicher und anpassungsfähiger ist, verspüren Kinder keinen Schmerz bei zu kurzen oder engen Schuhen. Dies wird oftmals von den Eltern nicht bemerkt. (Die übliche Daumenprobe erweist sich als unzulänglich.) Doch der Fuß verformt sich auf Dauer in einem zu kleinen Schuh, was zu bleibenden Schäden führen kann. So stellte das Deutsche Ärzteblatt im Februar 2005 fest, dass eine steigende Anzahl jugendlicher Schüler bereits unter die Bewegungsfähigkeit einschränkenden Fußproblemen leidet.

Oft verstärkt durch aktuelle Modetrends, indem vor allem junge Mädchen im Zehenbereich spitz zulaufende Schuhe tragen, die den Zehen nicht genügend Raum lassen und (insbesondere durch das Tragen von Absätzen jenseits von 3 bis 4 Zentimeter Höhe) bereits bei 14-Jährigen zum Hallux valgus (Schiefstellung der Großzehe) führen. In China wurden die Füße von Frauen bis ins 20. Jahrhundert durch Einbinden gezielt verkrüppelt, da kleine Füße als schön galten. Betrachtet man die Füße europäischer Frauen, und achtet dabei auf die unnatürlich schiefe Stellung der Großzehe (Hallux valgus), so sind wir vor solchen Gefahren im Namen der „Schönheit“ auch nicht gefeit. Denn der Hallux valgus resultiert einerseits aus dem bei Frauen schwächer ausgeprägten Bindegewebe (teils erblich bedingt), anderseits aber auch durch das Tragen von im Zehenbereich zu eng zulaufenden und durch hohe Absätze in der negativen Wirkung noch stärker zum Tragen kommende Schuhspitzen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guido Hofenbitzer: Maßschnitte und Passform: Schnittkonstruktion für Damenmode Band 2. 1. Auflage. Europa-Lehrmittel, 2013, ISBN 978-3-8085-6238-3.
  • Wieland Kinz: Kinderfüße-Kinderschuhe. Alles Wissenswerte rund um kleine Füße und Schuhe. 3. Auflage. Eigenverlag, 2005, ISBN 3-00-005879-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://magazin.house-of-gerryweber.de/kleiderschrankchallenge/
  2. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/437466/umfrage/umfrage-zur-wichtigkeit-einer-guten-passform-als-kaufkriterium-fuer-kleidung/