Pauluskirche (Kiel)

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Pauluskirche Kiel von Osten
Westansicht

Die Pauluskirche im Kieler Stadtteil Düsternbrook wurde in den Jahren 1878–1882 im neugotischen Stil als Garnisonkirche für den preußischen Marinestandort Kiel erbaut[1] und von diesem bis 1918 genutzt. Seit 1925 gehört die Pauluskirche als Gemeindekirche zur Kieler evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Heiligengeist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Jahre nach der 1871 erfolgten Erhebung Kiels zum Reichskriegshafen belief sich die Zahl der Marine- und Heeressoldaten in Kiel bereits auf 3.550 Mann, so dass die Forderung nach einer Garnisonkirche laut wurde. 1876 wurde daher von der Marine ein 6000 m² großes Grundstück am Niemannsweg erworben.

Am 2. Oktober 1878 wurde der Grundstein für eine Simultankirche für 450 Personen gelegt. Der Rohbau wurde im Sommer 1880 fertiggestellt, und die Einweihung erfolgte am 8. Oktober 1882 in Anwesenheit des Prinzen Heinrich von Preußen.[2]

Da Deutschland aufgrund des Versailler Friedensvertrags den Marinebestand auf 15.000 Mann reduzieren musste, genügte die Petruskirche im Kieler Stadtteil Wik als evangelische Garnisonkirche. Die Pauluskirche wurde daher ab 1918 nicht mehr genutzt und verfiel.

1925 ging die Kirche in den Besitz des Kirchgemeindeverbands Kiel über und gehört seit der Wiedereröffnung am 29. November 1925 zur Heiligengeistgemeinde in Kiel.

Die durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden wurden 1948 provisorisch beseitigt, und die Wiedereinweihung fand am 16. Januar 1949 statt. Ein 1955 entstandener Kirchenbauverein setzte sich für eine grundlegende Renovierung ein, die zwischen 1957 und 1960 durchgeführt wurde.

Seit 1988 steht das Kirchengebäude unter Denkmalschutz.

In der Kirche hängt im Kirchenschiff rechts neben dem Eingang eine Gedenktafel aus weißem Marmor, die an vier tote Besatzungsmitglieder des 1913 verunglückten Marineluftschiffs L 1 erinnert.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde nach Entwürfen des Architekten von Gotzkow unter Mitarbeit des Oberingenieurs Gießel als neugotische dreischiffige Halle mit Querschiff und polygonalem Chor gebaut.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuthor-Orgel von 1985–1990

Die Pauluskirche beherbergt zwei Orgeln. Rudolf Neuthor baute 1985 die Hauptorgel, die bis 1990 in zwei Bauabschnitten vollendet wurde. Das Instrument verfügt über 41 Register, die auf drei Manuale und Pedal verteilt sind. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. Derzeit ist ein Orgelneubau für ein romantisch-sinfonisches Instrument in deutsch-französischem Stil in Planung.

Die Chororgel wurde im Jahr 2005 von Orgelbau Quathamer gebaut. Sie umfasst neun Register auf zwei Manualen. Sie bietet flexible kirchenmusikalische Möglichkeiten, weil das zweite Manualwerk als transportable Truhenorgel mit separater Windversorgung herausgekoppelt werden kann. Zudem können beide Manuale separat um einen Halbton höher oder tiefer transponiert werden. Die Disposition lautet wie folgt:[3]

I Manual C–f3
Holzgedackt 8′
Rohrflöte 4′
Waldflöte 2′
Quinte 113
II Manual C–f3
Rohrflöte 8′
Blockflöte 4′
Quinte 223
Terz 135
Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–
angehängt

Landmarke für die Seefahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund ihrer Lage 30 Meter über dem Meeresspiegel sollte die Pauluskirche unter anderem als Landmarke für die Seefahrt bei der Einfahrt in die Innenförde dienen. Ihr 72 Meter hoher Turm ist bis heute Kiels höchster Kirchturm.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pauluskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pauluskirche. Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel, abgerufen am 3. Dezember 2015.
  2. Christa Geckeler: Kieler Erinnerungstag: 16. Januar 1949 - Einweihung der Pauluskirche nach dem Wiederaufbau. Stadt Kiel, abgerufen am 23. Februar 2018.
  3. Chororgel der Pauluskirche, abgerufen am 9. Januar 2020.

Koordinaten: 54° 20′ 1,3″ N, 10° 8′ 41,5″ O