Persönliche Assistenz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Persönliche Assistenz und Assistenz (Behindertenhilfe) überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Autodias 13:03, 9. Feb. 2010 (CET)
Dieser Artikel erläutert den Begriff Persönliche Assistenz im Bereich der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen. Zu persönlichen Assistenten siehe Privatsekretär.

Persönliche Assistenz ist jede Art von Hilfe, die behinderte Menschen in die Lage versetzt, ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliche Assistenz gibt Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, dass sie ihr Leben nach eigenen Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen gestalten können. Persönliche Assistenz umfasst alle Bereiche des täglichen Lebens in denen Unterstützungsbedarf bzw. Hilfebedarf besteht. Das betrifft unter anderem Bereiche wie Körperpflege, die alltägliche Lebensführung, Unterstützung im Haushalt, Mobilitätshilfe, Behördengänge, Gesundheitsförderung/erhaltung Kommunikationshilfe uvm. Als Assistenznehmer wählen Menschen mit Behinderung ihre Assistenten selbstständig aus. Sie äußern Wünsche und Ziele, bestimmen die Dauer, Ort, Art und Umfang der Assistenzleistungen.

Leben mit Beeinträchtigung bedeutet, dass man häufig auf die Unterstützung anderer Mitmenschen angewiesen ist. Die Persönliche Assistenz bietet die Möglichkeit, die Unterstützung zu erhalten, bei der man den Umfang der Assistenz auf die notwendigen Teilbereiche des Lebens einschränken kann. Damit ist es Menschen mit Beeinträchtigungen möglich, sich intensiver in die Gesellschaft zu integrieren. Bewusster und selbstbestimmter am Leben teilzunehmen (Förderung der Inklusion). Dazu gehört auch eine eigene Wohnung, Sinnvolle Freizeitgestaltung, als Frauen und Männer gesehen zu werden (als Individuum!), als Liebende, als Arbeitende, Eltern und Kinder. Der Unterschied zu herkömmlichen Hilfsangeboten bzw. Sozialen Diensten besteht darin, dass bei der Persönlichen Assistenz die Initiative von den Betroffenen ausgeht und sie die Organisation ihrer Hilfe selbst in die Hand nehmen.

Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigungen grundlegende Kompetenzen für ihre Assistenz selbst zu übernehmen:[2]

  • Personalkompetenz: Die Assistenznehmer bestimmen, wer die Assistenzleistungen erbringt. Sie schließen Arbeitsverträge mit ihren Assistenten ab, erstellen Dienstpläne, Lohnabrechnungen, führen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ab. Die Assistenten sind dabei entweder bei ihnen direkt angestellt (Arbeitgeber-Modell) oder bei einem Dienstleister (z. B. Assistenzgenossenschaft). So können die Assistenznehmer auch darüber entscheiden, ob sie die Hilfen von verschiedenen Personen bzw. Anbietern oder aus einer Hand bekommen möchte (Differenzierungskompetenz).
  • Anleitungskompetenz: Die Assistenznehmer arbeiten ihre Assistenten selbst ein. Sie wissen am besten, welche Assistenzleistungen sie in welchem Umfang benötigen.
  • Finanzkompetenz: Die Assistenznehmer kontrollieren die Verwendung der ihnen zustehenden Finanzmittel, wie z. B. in Österreich Leistungen aus dem Bundespflegegeldgesetz oder in Deutschland aus dem Persönlichen Budget der Eingliederungshilfe.
  • Organisationskompetenz: Die Assistenznehmer gestalten ihren Tagesablauf nach ihren Anforderungen und Wünschen.
  • Raumkompetenz: Die Assistenznehmer bestimmen, an welchem Ort die Assistenz erbracht wird (z. B. in ihrer Wohnung, am Arbeitsplatz, am Urlaubsort, bei Besuchen von Freunden oder Familienangehörigen).

Persönliche Assistenz wird von der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung als ein zentrales Mittel für ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen gesehen. Es bedeutet eine Umverteilung der Macht von den Institutionen zu den Betroffenen. Persönliche Assistenz dreht die traditionellen Machtverhältnisse zwischen professionellen Helferinnen und Helfern und Menschen mit Beeinträchtigung um. Deshalb mussten sie sich die Assistenten gegen viele Widerstände oft hart erkämpfen.[3]

Eine Form der persönlichen Assistenz ist die Arbeitsassistenz in Deutschland bzw. die Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz (PAA) in Österreich. Die Arbeitsassistenz (§§ 33 und 102 SGB IX i. V. mit § 17 SchwbAV) schafft erstmals in Deutschland die Möglichkeit, dass Menschen mit Behinderung im Unterschied zum Betreuungsaufwand zum Arbeitgeber eines Arbeitsplatzassistenten werden. Diese Arbeitsassistenz hat den behinderten Arbeitnehmer dabei zu unterstützen, seine arbeitsrechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben: Selbstbestimmt Leben mit persönlicher Assistenz. 2. Auflage Wien 2007. Download
  • Drolshagen, Birgit; Franz, Alexandra; Marrenbach, Eike u. a.: Handbuch selbstbestimmt leben mit persönlicher Assistenz. Bd. A: Ein Schulungskonzept für AssistenznehmerInnen. AG-SPAK-Bücher, Neu-Ulm 2001, ISBN 3-930830-26-4.
  • Drolshagen, Birgit; Franz, Alexandra; Marrenbach, Eike u. a.: Handbuch selbstbestimmt leben mit persönlicher Assistenz. Bd. B: Ein Schulungskonzept für persönliche AssistentInnen. AG-SPAK-Bücher, Neu-Ulm 2002, ISBN 3-930830-29-9.
  • Müller, Conny: Persönliche Assistenz. Kompendium von der Praxis für die Praxis. Diplomica, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8366-9881-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Ausführungen basieren auf BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben: Selbstbestimmt Leben mit persönlicher Assistenz. 2. Auflage. Wien 2007 (zum Download der Broschüre).
  2. Horst Frehe: Persönliche Assistenz – Politik in der Verantwortung. Aussonderung behinderter Menschen oder Leben in Gleichberechtigung? In: Inforum. 1, 2001 (Download Artikel).
  3. ForseA (Hrsg.): 20 Jahre Assistenz. Behinderte auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Mullfingen-Hollenbach 2001 (Download Broschüre).