Aktion Mensch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der Aktion Mensch

Die Aktion Mensch e. V. (bis zum 1. März 2000: „Aktion Sorgenkind“) ist eine 1964 auf Initiative des Zweiten Deutschen Fernsehens entstandene deutsche Sozialorganisation, die sich durch Lotterieeinnahmen finanziert. Sie setzt sich mit ihrer erfolgreichen Soziallotterie, ihrer Förderung und ihrer Aufklärung für die Umsetzung von Inklusion, das heißt der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft, ein.

Der Sitz des gemeinnützigen Vereins befindet sich in Mainz, die Geschäftsstelle ist in Bonn. Der Verein hat sieben Mitglieder, ihm gehören neben dem ZDF die sechs Wohlfahrtsverbände Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland an.

Die von der Aktion Mensch betriebene Soziallotterie, an der sich regelmäßig 4,6 Millionen Menschen beteiligen, unterstützt jeden Monat bis zu 1000 Projekte für Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche. Sie ist die größte Soziallotterie in Deutschland. Seit Vereinsgründung hat die größte Soziallotterie Deutschlands rund 3,7 Milliarden Euro an Projekte weitergegeben (Stand 2015).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Gründer der „Aktion Sorgenkind“ war der ZDF-Journalist und langjährige Moderator der ZDF-Sendung Gesundheitsmagazin Praxis (Erstsendung: 3. Januar 1964) Hans Mohl (1928–1998), den der Contergan-Skandal zu einer Hilfsaktion inspirierte. Das Schlafmittel war für Fehlbildungen bei Neugeborenen verantwortlich. Auf Druck der Öffentlichkeit wurde Contergan im Jahr 1961 vom Markt genommen. Insgesamt wurden ab 1957 rund 5.000 contergangeschädigte Kinder in der Bundesrepublik geboren, an deren Schicksal die Öffentlichkeit großen Anteil nahm. Die intensive Berichterstattung in den Medien enttabuisierte nachhaltig das Thema Behinderung. So wurde Behinderung nicht mehr nur als ein persönliches Schicksal gesehen, sondern als gesellschaftliche Aufgabe. Der ZDF-Journalist Hans Mohl wollte mit der Lotterie die Lebenssituation von Kindern mit Behinderung verbessern.

Das ZDF unterstützte dieses Vorhaben mit einer regelmäßigen Reihe von Fernsehshows, die für die Aktion warben und eine Lotterie durchführten, mit deren Einnahmen die Organisation Projekte unterstützen konnte. Zu den vor allem im Rahmen der Fernsehshows erreichten Lotterieeinnahmen kamen Spenden hinzu. 1964 bis 1970 lief die Show „Vergissmeinnicht“ (mit Peter Frankenfeld), die Nachfolgesendungen waren „Drei mal Neun“ (1970 bis 1974) und „Der große Preis“ (1974 bis 1993) (beide mit Wim Thoelke). Alle Sendungen wurden bis dahin als Erfolg eingestuft. Als Der große Preis nach dem Ausscheiden von Thoelke Ende 1992 unter dessen Nachfolgern allerdings keinen Erfolg mehr bei den Zuschauern hatte und Ende 1993 eingestellt wurde, konnten auch die Nachfolgeformate dieser Sendung, wie „Goldmillion“ (1995), „Das große Los“ (1996 bis 2000), „Jede Sekunde zählt“ (2000 bis 2001) und erneut „Der große Preis“ (2002 bis Mitte 2003), nicht mehr an die früheren Zeiten anknüpfen und verschwanden bald wieder vom Bildschirm. Ab Oktober 2003 engagierte sich Thomas Gottschalk für die Aktion Mensch, ab Januar 2012 gab Jörg Pilawa als neuer ehrenamtlicher „Botschafter“ die Gewinner der Lotterie im ZDF bekannt. Seit Januar 2014 übernimmt diese Aufgabe Rudi Cerne.

Zu den vor allem im Rahmen der Fernsehshows erreichten Lotterieeinnahmen kommen Spenden hinzu.

Mit der Respekt-Kampagne 1995 kam es bei der Aktion Sorgenkind zu einem einschneidenden Perspektivenwechsel: Menschen mit Behinderung wurden nicht länger als bemitleidenswerte Empfänger von Hilfen dargestellt, sondern wurden zu selbstbewussten Akteuren, die sich auch für die Kampagne abbilden ließen. Es ging jetzt auch darum, einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft herbeizuführen. Deshalb wurde 1997 die Satzung um das Vereinsziel „Aufklärung“ erweitert. Man war sich klar darüber, dass die Förderung von Projekten nicht ausreichte, um das Thema Behinderung in die Öffentlichkeit zu tragen und ein Umdenken anzustoßen. Hier waren Aktionen und Kampagnen nötig, um die gewünschte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu erreichen. Die Aktion Sorgenkind wollte mit ihren Informationen und Botschaften eine viel größere Gruppe erreichen. Es ging darum, Nähe zu schaffen, wo noch Distanz herrschte, und Toleranz und Miteinander in der Gesellschaft zu fördern.

Im Jahr 1999 beschloss die Mitgliederversammlung der „Aktion Sorgenkind“, mit Wirkung vom 1. März 2000 den Verein in „Aktion Mensch“ umzubenennen. Der neue Name spiegelt sowohl das größere Aufgabenspektrum der Aktion Mensch als auch den gesellschaftlichen Perspektivenwechsel im Umgang mit Menschen mit Behinderung wider.

Am 1. Januar 2003 startete der neue Förderschwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe und gleich im ersten Jahr konnten mehr als 120 Projekte mit rund 12 Millionen Euro gefördert werden. Dieses Engagement ist langfristig angelegt, da es für junge Menschen immer schwieriger wird, das eigene Leben zu planen und selbstständig zu gestalten – unabhängig davon, ob mit oder ohne Behinderung. Gleichzeitig können die Träger der Kinder- und Jugendhilfe nicht genügend Mittel zur Verfügung stellen, um passende Angebote zu entwickeln.

2014 feierte die Aktion Mensch unter dem Motto "Schon viel erreicht. Noch viel mehr vor." ihr 50-jähriges Bestehen mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten]

„Vorrangiger Zweck der Aktion Mensch ist, Maßnahmen und Einrichtungen anerkannter freier gemeinnütziger Träger im Bereich der Behindertenhilfe zu fördern sowie Aufklärungsmaßnahmen durchzuführen und zu fördern. Der Verein kann darüber hinaus Maßnahmen und Einrichtungen anerkannter freier gemeinnütziger Träger im Bereich der Hilfe für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten und der Kinder- und Jugendhilfe fördern.“

Satzung der Aktion Mensch: 9. Juni 1999

Im Mittelpunkt der Arbeit der Aktion Mensch steht das Engagement für Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche. Sie setzt sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ein und engagiert sich für die Verwirklichung von Inklusion, dem selbstverständlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen. Mit ihren Kampagnen und Aktionen bringt sie das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass Vielfalt einen besonderen Wert in unserem Zusammenleben darstellt.

Förderung[Bearbeiten]

Die Förderung der Aktion Mensch unterstützt Projekte freier, gemeinnütziger Organisationen, nicht aber einzelne Personen oder öffentliche Einrichtungen.[1] Über die eingereichten Anträge entscheidet das Kuratorium auf der Grundlage der Aktion Mensch-Förderrichtlinien, die auf dem Portal des Vereins veröffentlicht sind. Bei der Auswahl der Förderanträge achtet das Gremium darauf, dass es sich um Konzepte handelt, die einen innovativen Ansatz wählen und dazu beitragen, Inklusion im Alltag umzusetzen. Dabei werden Anträge im Bereich der Behinderten-, aber auch der Kinder- und Jugendhilfe berücksichtigt. Die Aktion Mensch stellt Mittel für unterschiedliche Bedürfnisse zur Verfügung. So fördert sie beispielsweise Integrationsunternehmen, unterstützt barrierefreie Umbauten von Gebäuden; die Umwandlung von großen Einrichtungen zu gemeindeintegrierten, kleinen Wohneinheiten, sorgt für mehr Mobilität, indem sie Fahrzeuge bezuschusst; fördert Personal- und Sachkosten sowie Projekte, die sich für mehr Inklusion zum Beispiel bei Freizeit oder Bildungsangeboten einsetzen. Die Aktion Mensch ermöglicht damit nicht nur aufwändige Vorhaben – ihre besondere Stärke liegt vor allem darin, kleinere Projekte oder Initiativen zu unterstützen.

Lotterie[Bearbeiten]

Von den Lotterieeinnahmen fließen knapp 36 % in die Förderung sozialer Projekte der Behindertenhilfe und –selbsthilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Aufklärungsmaßnahmen. 30 % werden als Lotteriegewinne ausgeschüttet, 16,7 % als Lotteriesteuer abgeführt, 7,4 % werden für Kosten des Geschäftsbetriebs verwendet, 10,1 % für Marketing und Kommunikation (Stand 2014). Spenden fließen in voller Höhe in die Förderung.[2] Allein im Jahr 2014 schüttete die Soziallotterie Gewinne im Wert von rund 133 Millionen Euro an die Lotterieteilnehmer aus.[3] Jeden Sonntag gibt der ehrenamtliche Botschafter der Aktion Mensch, Rudi Cerne, um 19:28 Uhr in der Sendung Aktion Mensch Gewinner im ZDF die Gewinnzahlen bekannt. Hier stellt er auch geförderte Projekte der Soziallotterie vor. Bis zum 1. März 2015 trug die Sendung den Titel 5 Sterne-Gewinner. Die Aktion Mensch bietet unterschiedliche Lose an. Abo-Lose sind das Glücks-Los, das 5 Sterne-Los und das Xtra-Superlos, befristete Lose das 1.000.000-Euro Jahreslos und das 500.000-Euro Jahreslos. Der Höchstgewinn beträgt beim 5 Sterne-Los 2.000.000 Euro. Weitere Gewinnmöglichkeiten sind Sofortrente, Haushaltsgeld oder das Traumhaus. Mit dem Glücks-Los können Mitspieler in der Kategorie Sofortgewinn bis zu 2.000.000 Euro gewinnen, als Kombigewinn bis zu 1.000.000 Euro plus monatlich bis zu 5.000 Euro oder als Dauergewinn bis zu 10.000 Euro monatlich.

Aufklärung[Bearbeiten]

Die Aufklärung der Aktion Mensch sensibilisiert die Menschen mit Kampagnen und Aktionen für Inklusion. Sie informiert, bringt Menschen zum Nachdenken und möchte sie motivieren, selbst aktiv zu werden. Die Aufklärungsarbeit soll Menschen für eine Gesellschaft begeistern, in der Unterschiede normal sind.

Kampagnen und Aktionen[Bearbeiten]

Die Inklusionskampagnen[Bearbeiten]

Im Sommer 2011 startete die Aktion Mensch ihre bundesweite Inklusionskampagne, um die Öffentlichkeit für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft zu sensibilisieren und zur Verwirklichung von Inklusion beizutragen. Leitgedanke der Kampagne im Jahr 2011 war, einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft voranzutreiben und anhand von positiven Beispielen zu zeigen, wie Inklusion gelingen kann. Die Motive der Inklusionskampagne 2012 werben für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Freizeit. Die dritte Phase der Aktion Mensch Aufklärungskampagne zum Thema Inklusion stand unter dem Motto: Inklusion braucht Fragen! In der Jubiläumskampagne 2014 zeigten die Protagonisten, wie sie selbst Barrieren überwunden und ihre Ziele erreicht haben. 2015 liegt der Schwerpunkt auf Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. In dem Film "Das erste Mal" dokumentiert die Sozialorganisation solche Begegnungen und zeigt, was sie bei den Menschen auslösen.

5. Mai[Bearbeiten]

1997 initiierte die Förderorganisation die größte Sozialkampagne Deutschlands, die „Aktion Grundgesetz“. In ihr stritten die Aktion Mensch und über 100 Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe für die Umsetzung des Grundgesetzgebotes „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Seit 1998 ist der 5. Mai auf Initiative der "Aktion Grundgesetz" als Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen eine feste Einrichtung in Deutschland geworden. Rund um den Protesttag initiiert und unterstützt die Aktion Mensch aktuell bundesweite dezentrale Aktionen.

Familienratgeber[Bearbeiten]

Unter Familienratgeber.de stellt die Aktion Mensch zusammen mit einem Netzwerk von rund 160 starken Partnern aus der Behindertenhilfe ein bundesweit einmaliges, aktuelles Angebot für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen zur Verfügung.

Der Familienratgeber als unabhängiger Online-Ratgeber bietet Informationen zu einer Vielzahl von Themen, die für Menschen mit Behinderung von Bedeutung sind, um möglichst selbstbestimmt am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben. Ansprechpartner vor Ort können in der Adressdatenbank mit bundesweit über 25.000 hilfreichen Adressen recherchiert werden. Außerdem besteht für Nutzer die Möglichkeit des interaktiven Austausches in verschiedenen Foren.

Freiwilligendatenbank[Bearbeiten]

Die Freiwilligendatenbank der Aktion Mensch ist mit mehr als 10.000 Angeboten die größte und umfangreichste Datenbank für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement. Auf der Plattform werden Anbieter von Engagementmöglichkeiten genauso vorgestellt wie die Menschen und die Geschichten hinter dem Engagement. Netzwerkpartner vor Ort sorgen bundesweit für die Qualitätssicherung und die regelmäßige Pflege der Angebotsdaten. So ist sichergestellt, dass die Angebote stets aktuell sind.

Menschen.das magazin[Bearbeiten]

Viermal im Jahr bringt die Aktion Mensch die Zeitschrift MENSCHEN. DAS MAGAZIN heraus. Im Zentrum des Sozialmagazins stehen Reportagen, Features, Porträts und Interviews rund um die Themen Inklusion, Behindertenhilfe- und -selbsthilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe. Mit Heft 1/2014 startete eine stark erweiterte Online-Ausgabe mit Zusatzinformationen, Fotos und Videos. Dort stehen zudem die meisten Beiträge in Leichter Sprache und alle Artikel als Hörversion bereit.

Weitere Angebote[Bearbeiten]

Der Online-Bildungsservice bündelt alle Materialien der Aktion Mensch zur Bildung an zentraler Stelle: Über ein Suchformular können pädagogische Fachkräfte ebenso wie Eltern und andere Interessierte kostenlose Arbeitsmittel und Informationen zu unterschiedlichen Themen abrufen bzw. herunterladen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Förderung der Aktion Mensch, abgerufen am 6. Februar 2014.
  2. Verteilung der Lotterieeinnahmen, www.aktion-mensch.de
  3. https://www.aktion-mensch.de/ueber-uns/jahresbericht/jahresbericht-2014.html Lotteriegewinner 2014], www.aktion-mensch.de