Peter Michel (Kunstwissenschaftler)

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Peter Michel (* 14. Oktober 1938 in Freyburg (Unstrut)) ist ein deutscher Kunstwissenschaftler, Publizist und Ausstellungsmacher.

Peter Michel während seiner Dankesrede nach der Verleihung des Menschenrechtspreises der GBM 2015

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Michel entstammt einer Handwerkerfamilie. Nach dem Besuch der Kant-Oberschule in Berlin-Lichtenberg und dem Abitur studierte er am Pädagogischen Institut Erfurt von 1956 bis 1959 Germanistik und Kunsterziehung. Von 1959 bis 1964 war er Lehrer an der Oberschule Neudorf im Erzgebirge. Danach arbeitete er in der Kreisleitung Annaberg und in der Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Von 1970 bis 1974 folgte eine Aspirantur am Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED; dort promovierte er zum Thema „Wechselbeziehungen zwischen professioneller und nichtprofessioneller Kunst“. In den Jahren 1974 bis 1987 leitete er die im Henschelverlag erscheinende Zeitschrift „Bildende Kunst“ (Organ des Zentralvorstandes des Verbandes Bildender Künstler der DDR – VBK-DDR).

Wegen öffentlicher Kritik am Lehrplan für das Fach Kunsterziehung wurde er 1976 vom Ministerium für Volksbildung der DDR reglementiert. Ein Jahr später folgte eine Kontroverse mit Hans Koch über die Zeitgemäßheit des Begriffes „Sozialistischer Realismus“.

Von 1987 bis 1989 arbeitete er als Sekretär des Zentralvorstandes des VBK-DDR. Bis zur Auflösung der Verlagsstruktur war er kurze Zeit künstlerisch-technischer Leiter des Kinderbuchverlages Berlin; danach folgte Arbeitslosigkeit. Ab 1991 wirkte er bis 2003 als Freier Mitarbeiter im pb-Verlag München, Ausstellungsmacher und freier Publizist. Seit 1990 richtete er sein Hauptaugenmerk auf einen achtungsvollen Umgang mit in der DDR entstandener Kunst. 1995 übergab er dem Kunstforschungszentrum im Getty Center Santa Monica (USA), Chefbibliothekar Mel Edelstein, eine Sammlung von Texten zur Archivierung und Forschung. 2004 bis 2008 und im Jahr 2012 übernahm er die Chefredaktion der Zeitschrift ICARUS (Herausgeber: Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde – GBM).

Peter Michel ist verheiratet mit Maria Michel, geb. Weigel, und Vater von drei Kindern.

Thomas Kumlehn schrieb über ihn:

Peter Michel hat das Selbstverständnis eines Marxisten, der seine Vorliebe für die figurative Kunstgeschichte der DDR bewahrt und kultiviert hat. Ihn interessieren Inhalte in der Kunst, für die er sich als Vermittler sieht und für die er weltanschaulich Position bezieht. Seit Jahren setzt er sich für die Kunst im öffentlichen Raum ein, die aus der DDR-Zeit stammt. Daher bezog er sein Grundwissen und blieb deren Werten treu.[1]

Veröffentlichungen und Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigene Buchpublikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Staffelei im Hühnerhof, Der Kinderbuchverlag Berlin (2 Auflagen 1981,1982)
  • Buchbilder. Klaus Ensikat und seine Illustrationen, dargestellt von Peter Michel, Der Kinderbuchverlag Berlin 1989
  • Ankunft in der Freiheit. Essays gegen den Werteverlust der Zeit, Verlag am Park Berlin 2011
  • Kulturnation Deutschland? Streitschrift wider die modernen Vandalen, Verlag Wiljo Heinen, Berlin und Böklund 2016
  • Künstler in der Zeitenwende I. Biografische Miniaturen und ein Prolog von Armin Stolper, Verlag Wiljo Heinen Berlin und Böklund 2016 

Beiträge in anderen Buchpublikationen und Katalogen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mythos und Ethos. Essay für die Monographie „Heidrun Hegewald – Zeichnungen, Malerei, Graphik, Texte“, hrsg. von Angelika Haas und Bernd Kuhnert, ARTE-MISIA-PRESS Berlin 2004
  • Lexikon Künstler in der DDR, hrsg. von Dietmar Eisold, Verlag Neues Leben Berlin 2010, Leitung der Redaktionsgruppe
  • Text für den Katalog „Gudrun Brüne – Lebensspuren“ des Museums am Dom Würzburg, hrsg. von Michael Koller und Jürgen Lenssen, o. J.
  • „Mit Kopf und Herz“, Text für den Katalog „Nils Burwitz – It’s about time…“ anlässlich seiner Personalausstellung im Forum ALTE POST in Pirmasens 2017

Artikel in der deutschen Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Naiven – Verklärung und Realität, Artikelfolge in der Zeitschrift „Bildnerisches Volksschaffen“, Hefte 2 bis 5/1974
  • 20 Jahre Kultur-Vandalismus. DDR-Kunst soll als „ein hässlicher Regentropfen der Geschichte rasch verdunsten“, in: Sonderheft der Zeitschrift „Deutsche Geschichte“: 20 Jahre deutsch-deutsches Dilemma – eine alternativlos ehrliche Bilanz, Einheit in Zwietracht, Heft 1/2010 

Artikel in ausländischen Zeitungen und Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kammerton der Bildhauerkunst. Bemerkungen zur Ausstellung „Kleinplastik und Graphik aus der DDR“ in Moskau, in: Sowjetliteratur (deutschsprachige Ausgabe, Moskau), Heft 11/1976
  • Kathedrale eines Zeitalters. Zum Panorama-Gemälde Werner Tübkes in Bad Frankenhausen, in Vytvarny Zivot (Bratislava), Heft 3/1987; Müvészet (Budapest), Heft 11-12/1986; Iskusstvo (Sofia), Heft 8/1986; Tvortschestvo (Moskau), Heft 9/1986; arta (Bukarest), Heft 1/1987 

Artikel in der Zeitschrift „Marxistische Blätter“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fünf Schwierigkeiten im Umgang mit der Kunst Willi Sittes, Heft 4/1994
  • Schreiben über die Kunstgeschichte der DDR oder Anatomie eines Glaubenswechsels, Hefte 1 und 2/2001 

Artikel in der Zeitschrift ICARUS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Verhältnisse durchschaubar machen. Laudatio zur Verleihung des Menschenrechtspreises der GBM an Heidrun Hegewald, Willi Sitte und Walter Womacka, Heft 1/2010
  • Verbrechen an der deutschen Kultur. Gedanken zum 75. Jahrestag der Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München, Heft 3-4/2012 

Beiträge in der Tageszeitung junge Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachdenken in einem beseitigten Mahnmal. Heidrun Hegewald gewidmet, 20.10.2006
  • Er ist hier bei uns. Gedanken zum 130. Geburtstag von Pablo Picasso, 25.10.2011
  • Theatrum mundi. 14. September 1989: Einweihung des Panoramabildes „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ von Werner Tübke in Bad Frankenhausen, 13./14.9.2014
  • Dialektischer Realismus. Grundbegriff für eine Kunstgeschichte der DDR. Zum Tod des Kunsthistorikers Peter H. Feist, 4.8.2015
  • Ein eigenes Urteil bilden. Das Potsdamer Museum Barberini zeigt Kunst aus der DDR – darunter zahlreiche Bilder, die nach 1990 nicht mehr zu sehen waren, 15.11.2017 
  • (Weitere mehr als 100 Beiträge für Presse, Rundfunk, Fernsehen und Kataloge; Vorträge und Lesungen im In-und Ausland) 

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Personalausstellung der Moskauer Malerin Tatjana Nasarenko im Haus der Bürgerschaft Bremen 1986 (Eröffnungsrede)
  • Der eigene Blick. Berliner Kunstkritiker zeigen Kunst ihrer Wahl im Ephraim-Palais Berlin 1988 (Beteiligung mit eigener Kollektion, Katalogtext)
  • Personalausstellung des österreichischen jüdischen Malers Heinrich Sussmann im Otto-Nagel-Haus Berlin 1989 (Konzeption, Organisation, Eröffnungsrede)
  • Gerhard Rommel zum 80. Geburtstag. Ausstellung in der Klostergalerie Zehdenick 2014 (Eröffnungsrede)
  • Vier Lebenswege. Zwei Künstlerpaare in der Armenischen Tradition. Ausstellung im Kulturhaus Berlin-Karlshorst 2016 (Mitkurator, Katalogautor, Statement zur Eröffnung)
  • Mitwirkung an weiteren zahlreichen Ausstellungen in Freudenstadt, Wittlich, Seeheim-Jugenheim, Neu-Ulm, in der GBM-Galerie und anderen Berliner Galerien, in Kuopio (Finnland), in der Kunstgalerie Gera, der Evangelischen Akademie Meißen, der Städtischen Galerie Eisenhüttenstadt, im Kunstverein Templin u. a. 

Mitarbeit in Jurys[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 100 ausgewählte Graphiken, 100 beste Plakate, Auswahlkommission Malerei und Graphik der X. Kunstausstellung der DDR 

Mitgliedschaften und Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leiter des Redaktionskollegiums der Zeitschrift „Bildende Kunst“
  • Mitglied des Zentralvorstandes des Verbandes Bildender Künstler der DDR
  • Sekretär des Zentralvorstandes
  • Mitglied der UNESCO-Organisation der Kunstkritiker AICA 1979 bis 1991 (Arbeitsaufenthalte in 19 europäischen und außereuropäischen Ländern)
  • Mitglied des Bundesvorstandes der GBM; Sprecher des Arbeitskreises „Kultur“ der GBM; Gründungsmitglied des Freundeskreises „Kunst aus der DDR“
  • Menschenrechtspreis der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde 2015. Die Laudatio hielt die Malerin und Graphikerin Heidrun Hegewald

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.bernau-bei-berlin.de/de/buergerportal/aktuelles/stadtnachrichten/artikel-19_april_kunstraum-gespraech_mit_peter_michel.html