Politik der hohen Schornsteine

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter einer Politik der hohen Schornsteine oder Hochschornsteinpolitik versteht man das Prinzip, mit Hilfe hoher Industrieschornsteine die Emissionen auf ein möglichst großes Gebiet zu verteilen und dadurch die Luftverschmutzung in der näheren Umgebung zu verringern. Die Emissionen insgesamt werden dabei nicht reduziert. Der Begriff bezieht sich ursprünglich auf eine Entwicklung in Westdeutschland in den 1960er Jahren.

In den 1950er Jahren hatte die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet stark zugenommen. Nachdem erste Initiativen zur Luftreinhaltung entstanden waren, verkündete der damalige Kanzlerkandidat Willy Brandt vor der Bundestagswahl 1961 das politische Ziel: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ 1962 trat in Nordrhein-Westfalen das erste Landes-Immissionsschutzgesetz in Kraft, andere Bundesländer zogen mit eigenen Landes-Immissionsschutzgesetzen nach. Zudem trat 1964 die TA Luft in Kraft. Die Betreiber der Anlagen mit hohem Schadstoffausstoß reagierten auf die verschärften Vorschriften in der Regel mit der Aufstockung ihrer Schornsteine. Dieser Trend wurde als „Politik der hohen Schornsteine“ bekannt.[1] Ruß und Schadstoffe wurden nun weiträumig verfrachtet (Ferntransport). Dies führte allerdings nur regional zu einer Entlastung. In großer Entfernung von den Schadstoffquellen entstanden neue Umweltschäden (saurer Regen, Waldsterben).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Spelsberg: Rauchplage. Zur Geschichte der Luftverschmutzung, Aachen 1986.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thorsten Schulz-Walden: Anfänge globaler Umweltpolitik: Umweltsicherheit in der internationalen Politik (1969–1975), Abschnitt I.1: Die 1950er und 1960er Jahre: „Blauer Himmel über der Ruhr“ und Praxis der hohen Schornsteine. Walter de Gruyter, München 2013, S. 23–29.