Luftverschmutzung

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Brand der Abraumhalde des Ölschieferbergwerks Grube Messel (ca. 1955)
Luftverschmutzung über Indonesien und dem indischen Ozean, Oktober 1997;
Weiß markiert: von Feuern stammende Aerosole (Rauch) in den unteren Luftschichten;
Grün, gelb und rot: darüber liegender Smog in der Troposphäre
Luftverschmutzung durch ein Kohlekraftwerk in New Mexico, 2004

Als Luftverschmutzung wird die Freisetzung umwelt- und gesundheitsschädlicher Schadstoffe in die Luft bezeichnet. Zu diesen Schadstoffen gehören z.B. Rauch, Ruß, Staub, Gase, Aerosole, Dämpfe und Geruchsstoffe.[1] Luftverschmutzung ist eine Form der Umweltverschmutzung. Laut Angaben der WHO starben 2012 ca. acht Millionen Menschen vorzeitig durch Folgen von Luftverschmutzung. Ca. 3,7 Millionen dieser Menschen starben vorzeitig durch Outdoor-Luftverschmutzung und ca. 4,3 Mio. durch Indoor-Luftverschmutzung.[2] Insbesondere in Ländern der Dritten Welt, in Russland, in der Volksrepublik China und anderen Schwellenländern ist die Luftverschmutzung hoch.

In den Industrieländern ist die Luftverschmutzung durch Maßnahmen zur Luftreinhaltung in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Die EU-Kommission hat die direkt verursachten Schäden für Mensch und Umwelt in der EU 2013 auf 23 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die indirekten Kosten werden auf etwa 330 bis 940 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.[3] So ist in der EU die Zahl der vorzeitigen Todesfälle (ca. 470.000 im Jahr, Stand 2016)[4] durch Luftverschmutzung höher als die der Unfalltoten durch den Straßenverkehr.[3][5]

Für Deutschland wurde die Zahl der 2010 durch Outdoor-Luftverschmutzung vorzeitig Gestorbenen auf ca. 34.400 geschätzt. Größter Verursacher war die Landwirtschaft mit 15.675 bzw. 45 % aller vorzeitigen Todesfälle. Es folgten Verkehr an Land mit 6.928 Todesfällen (20 %), Industrie mit 4.452 Todesfällen (13 %), Stromerzeugung mit 4.402 Todesfällen (13 %), Gebäudeheizungen 2.684 Todesfällen (8 %) und das Verbrennen von Biomasse mit 279 vorzeitigen Todesfällen (1 %).[6]

Es wird angenommen, dass die Energiewende zukünftig wesentlich dazu beitragen wird, die Luftverschmutzung zu senken.[7] Da Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Erwärmung häufig auch die Luftverschmutzung reduzieren, ist die Verbesserung der Luftqualität ein wichtiger positiver Nebenaspekt von Klimaschutzmaßnahmen. Zum Teil lohnen sich Klimaschutzmaßnahmen alleine schon durch die volkswirtschaftlichen Vorteile reduzierter Luftverschmutzung.[8]

Geschichte der Luftverschmutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messwagen für Luftverschmutzung des VEB Synthesewerk Schwarzheide, 1978

Mit der gezielten Anwendung des Feuers durch den Menschen begann die Verschmutzung der Luft mit luftfremden Stoffen. An Torfablagerungen wurde nachgewiesen, dass der Abbau und die Verarbeitung von Blei durch menschliche Kulturen seit 6000 Jahren zu erhöhten Blei-Emissionen in die Luft führte, die sich weltweit auswirkten. In den letzten Jahrzehnten sanken diese Emissionswerte u.a. durch die Verwendung „bleifreien“ Benzins und Auflagen für die Industrie.[9]

Im Antiken Rom und später auch in anderen europäischen Städten des Mittelalters finden sich dokumentierte Beschwerden über Luftverschmutzungen. In diesen Beschwerden ging es in der Regel zunächst nur um die Belästigung durch Geruch und Schmutz, eine mögliche Gesundheitsgefahr wurde zunächst nicht erkannt.

Der Rauch aus den Öfen von Glasschmelzen im antiken Rom um 150 n. Christus war so störend, dass die Glasmacher gezwungen wurden, ihre Werkstätten in die Vororte zu verlegen.

Im England des 13. Jahrhunderts gab es viele Beschwerden und Probleme durch die Verbrennung stark schwefelhaltiger Kohle. 1257 musste Königin Eleanor von England wegen der herrschenden Verqualmung Nottingham verlassen. 1272 verbot König Edward I. unter Androhung der Todesstrafe den Gebrauch der schwefelhaltigen Kohle.

In Köln wurde 1464 einem Kupfer- und Bleischmelzer aufgrund von Nachbarschaftsbeschwerden per Ratsbeschluss der Weiterbetrieb seines Handwerks in der Stadt untersagt. In Augsburg wurde 1623 eine Schmelzhütte wegen Nachbarschaftsbeschwerden über ungesunden Rauch und Dampf abgerissen und die Wiederinbetriebnahme außerhalb der Stadt genehmigt.

Absichtliche Luftverschmutzung: Pick-up beim Rolling Coal, „Rollende Kohle“

1947 versammelte sich kurz nach der Veröffentlichung eines sehr kritischen Artikels über eine Smog-Krise in Los Angeles in einer großen kalifornischen Zeitung eine Gruppe von Managern der US-Ölindustrie in der Stadt zur Gründung des Smoke and Fumes-Komitees („Rauch und Dämpfe-Ausschuss“): Es sollte die wissenschaftliche Forschung der Öl- und Gasindustrie finanzieren und wissenschaftliche Erkenntnisse mittels Public Relations bekannt machen, „um die öffentliche Wahrnehmung von Luftverschmutzung und Regeln zur Eindämmung der Luftverschmutzung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das erklärte Ziel war es, gesetzgeberische Maßnahmen zu verhindern, die die Ölindustrie für unnötig hielt und die sie nicht haben wollte.“[10]

Im Dezember 1952 kam es in London zu einer Smog-Katastrophe (The Great Smog), bei der bis zu 12.000 Einwohner am Smog starben.

2006 und 2015 traten in Südostasien zwei schwere Hazefälle auf. Bei massiven Waldbränden in Indonesien kam es im September und Oktober 2015 zu einer Smogkrise, bei der etwa 100.000 Menschen starben.[11]

Daneben existieren auch Luftverschmutzungen, welche absichtlich herbeigeführt werden: Hierzu zählt u. A. das in den USA praktizierte Rolling Coal-Fahrzeugtuning („Rollende Kohle“), bei dem Autos und Pick-Ups so umgerüstet werden, dass sie besonders viel Ruß und Schadstoffe ausstoßen. Motivation dieser zumeist politisch rechts stehenden US-Amerikaner ist häufig, ein politisches Statement gegen Umweltschützer und Umweltschutzmaßnahmen zu setzen.[12][13]

Obwohl es einen breiten wissenschaftlichen Konsens über die gesundheitlichen Schäden der Luftverschmutzung gibt, werden diese in manchen Staaten wie den USA, Indien oder Polen zunehmend von politischen Akteuren geleugnet. Teilweise sind dies dieselben Kräfte, die auch die menschengemachte Erderwärmung leugnen, beispielsweise das Heartland Institute.[14]

Arten der Luftverschmutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Problem der Luftverschmutzung kann hinsichtlich

  • seiner Ursachen (stoffbezogen, wie es das BImSchG macht)
  • seiner Auswirkung (flächenbezogen) oder aber auch
  • seiner Folgen (wirkungsbezogen)

betrachtet werden.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unser heutiger Lebensstandard ist gekennzeichnet unter anderem durch einen hohen Energiebedarf, viele industriell hergestellte Produkte aus einer Vielzahl von Rohstoffen sowie ein hohes (teils weiterhin zunehmendes) Verkehrsaufkommen. Die Energieerzeugung, der Verkehr, die Produktionsprozesse (Industrie, landwirtschaftliche Tierhaltung) sowie Gewerbebetriebe und Haushalte sind wichtige Ursachen für die anthropogene (vom Menschen verursachte) Luftverschmutzung.

Für die Vereinigten Staaten kam eine 2013 erschienene Studie zum Ergebnis, dass im Jahr 2005 rund 210.000 Menschen vorzeitig aufgrund von Luftverschmutzung infolge von menschgemachten Verbrennungsprozessen starben. Etwa 200.000 von ihnen starben durch Feinstaub (PM2.5) und ca. 10.000 durch erhöhte Ozonwerte. Die drei wichtigsten Emissionsquellen waren in dieser Reihenfolge Verkehr, Kraftwerke und Industrieprozesse mit ca. 53.000, 52.000 bzw. 41.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub sowie 5000, 2000 bzw. 2000 Todesfällen durch Ozon.[15]

Wichtige Schadstoffe aus den drei Bereichen (Emittentengruppen) sowie daraus resultierende Probleme sind nachfolgend zusammengefasst.

Wichtige Emittentengruppen, deren wichtigsten Schadstoffemissionen und die möglichen Folgen für die Umwelt
Bereich Schadstoff(e) Mögliche Auswirkungen Bemerkungen
Energieerzeugung (SO2) Saurer Regen, neuartige Waldschäden Verringerung der SO2-Emissionen im Wesentlichen durch Rauchgasentschwefelungsanlagen
Straßenverkehr (NOx) Saurer Regen, Eutrophierung, neuartige Waldschäden, Ozon-Bildung Verringerung der NOx-Emissionen im Wesentlichen durch Abgasnormen und damit durch den Einbau von Drei-Wege-Katalysatoren
Tierhaltung (NH3) Saurer Regen, Eutrophierung Verringerung der NH3-Emissionen u. a. durch Genfer Luftreinhalteabkommen
Lösemittelverwendung NMVOC Ozon-Bildung Verringerung der NMVOC-Emissionen u. a. durch Genfer Luftreinhalteabkommen
Schiffsverkehr[16] (NOx), (SO2), Feinstaub
Luftverschmutzung durch Fahrzeuge, hier LKW auf einer südafrikanischen Autobahn

Heute stellt der Straßenverkehr eine der wichtigsten Quellen für die Luftverschmutzung in Städten dar. Die Abgase der Kraftfahrzeuge belasten die Umgebungsluft primär mit Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan (NMVOC), Ruß und andere Partikel. Die Emissionen von Kraftfahrzeugen wurden sukzessive durch immer strengere Abgasnormen verringert; der Kraftfahrzeugbestand nahm zu. Extrem starke lokale Luftverschmutzungen finden sich heute weltweit in vielen der sogenannten Megastädte („Mega-City“), zum Beispiel in Peking.

Die Emissionen des weltweiten Schiffsverkehrs sind beträchtlich. Seeschiffe betreiben den Hauptmotor in der Regel mit minderwertigem und schadstoffreichem Schweröl (engl. Heavy Fuel Oil (HFO)), das bei der Erdölverarbeitung als Rückstandsöl anfällt, und haben so gut wie nie eine Abgasfilterung. So lagen die 2003 geschätzten Emissionen[17] für

  • Stickstoffoxide, NOx, zwischen 3 und 7 Mio. t (berechnet als Stickstoff, N)
  • Schwefeloxide, SOx, zwischen 4 und 6,5 Mio. t (berechnet als Schwefel, S)
  • Kohlenwasserstoffe, CxHy zwischen 0,3 und 0,8 Mio. t (berechnet als Methan, CH4)
  • Partikel, PM10, zwischen 0,9 und 1,6 Mio. t (berechnet als PM10)

Die MARPOL#Anlage VI hat die Situation verbessert. Seit 2008 hat der Schadstoffausstoß dank des oft praktizierten Slow steamings (bewusstes Langsamfahren) abgenommen. Niedrige Frachtraten (siehe Schifffahrtskrise) zwingen die Reedereien, alle Sparmöglichkeiten auszuschöpfen.

Luftqualität in Metropolen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafik zur Luftbelastung mit Schwefeldioxid in Leipzig (DDR), November 1989

Megastädte sind Städte, in denen mehr als 10 Millionen Menschen wohnen. Bekannte Megastädte sind z. B.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) messen im Rahmen eines weltweiten Monitoring-Programms auch die Luftqualität in Mega-Cities. Als größte Probleme der Luftverschmutzung in Mega-Cities gelten Partikel und Ozon.

Überregionale (globale) Luftverschmutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reduktion von Schwefeldioxid in Deutschland nach Helsinki-Protokoll 1987
Industrielle Schwefeldioxid-Emissionen in Ostchina 2004

Dass Luftschadstoffe nicht an nationalen Grenzen stoppen, ist spätestens seit dem Auftreten von stark sauren Niederschlägen in den skandinavischen Ländern bekannt,[18] deren wesentliche Ursache Schwefeldioxid-Emissionen in den mitteleuropäischen Ländern waren. Dieses leicht wasserlösliche Gas ist entlang feuchten Luftströmungen in Wolken mehrere hundert bis maximal 1500 km stabil.

Transport von oxidiertem Schwefel von und nach Deutschland 1998[19]
Land Export (von Deutschland) Import (nach Deutschland) Differenz (Import – Export)
Polen 73,1 kt 31,5 kt −41,6 kt
Tschechische Republik 35,2 kt 44,2 kt 9,0 kt
Frankreich 18,4 kt 35,3 kt 16,9 kt
Großbritannien 0,7 kt 19,7 kt 19 kt
Belgien 0,4 kt 15,1 kt 14,7 kt
Niederlande 0,64 kt 0,74 kt 0,1 kt

Laut Umweltbundesamt wurden 1998 in Deutschland 983 kt Schwefeldioxid emittiert. Diese Menge erhöht sich gemäß Tabelle „Transport von oxidiertem Schwefel“ um ca. 9 kt Schwefeldioxid aus angrenzenden Staaten (Vergleich von Import 153,2 kt mit Export 144,1 kt).

In den USA wurden die Schwefeldioxid-Emissionen gesenkt von 23,5 Mio. t (1980), 21,5 Mio. t (1990), 16,6 Mio. t (2000) auf 12 Mio. t Schwefeldioxid in 2010.

China verursacht heute die weltweit höchsten Schwefeldioxid-Emissionen. Die Menge stieg von 2000 bis 2005 auf 25,5 Mio. t (+27 %) an; dies entspricht dem USA-Niveau von ca. 1980. Die Tabelle zeigt auch, dass das Ziel der Verringerung der Luftverschmutzung keine nationale, sondern eine länderübergreifende Aufgabe darstellt (s.u.: Internationale Maßnahmen).

Ausbreitung von Schadstoffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteilungsweg von Fabrikabgasen

Luftschadstoffe können in der näheren Umgebung ihres Entstehungsortes und auch weit entfernt davon nachgewiesen werden. Die wesentlichen Einflussfaktoren dieser Ausbreitung bilden Wind und Schichtungszustand der Erdatmosphäre. Als besonders gefährlich erweisen sich dabei Fumigation-Lagen wie im Bild rechts. Sie treten insbesondere bei Stadtklimaten und im Bereich von großen Industrieanlagen auf. Dies war in Mitteleuropa und speziell London noch bis in die 1970er Jahre der Fall und tritt heute vor allem in ostasiatischen Metropolen wie Peking oder Shanghai auf. Man kann die Ausbreitung von Luftschadstoffen mittels Ausbreitungsrechnung prognostizieren.

Prinzip der Luftschadstoffverdünnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als es noch keine Abgasfiltertechniken gab, waren hohe Schornsteine eine verbreitete Methode, um lokale Immissionen zu reduzieren: man emittierte die Abgase in bis zu 300 m Höhe, um sie weiträumiger zu verteilen. sollten die Abgase in höhere Luftschichten gebracht werden, um sie weiträumiger und damit in geringeren Konzentrationen zu verteilen.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Luftschadstoff kann direkt den Menschen schaden, der Umwelt schaden oder beiden schaden.

Anfang der 1980er Jahre erregte das Waldsterben große Sorgen in der Bevölkerung. Es wurde vermutet, dass Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid und Stickoxide Ursachen des Waldsterbens waren. Schwefeldioxid und andere Schadstoffe in der Luft wurden vom Regen zu Boden befördert (der Regen wurde dadurch zu saurem Regen), gelangte an die Wurzeln von Pflanzen und schädigte diese. Zur Beunruhigung trug bei, dass geschädigte Waldbestände weitab von Emissionsschwerpunkten waren, z.B. im Schwarzwald und in anderen deutschen Mittelgebirgen.

Schematische Darstellung von verschiedenen Ursachen und Auswirkungen der Luftverschmutzung: (1) Treibhauseffekt, (2) Feinstaubbelastung, (3) Erhöhte UV-Strahlung, (4) Saurer Regen, (5) Ozonbelastung, (6) Belastung mit Stickoxiden
Quellen und Multieffekte von Luftschadstoffen: Ein Schadstoff kann zu mehreren Umweltproblemen beitragen

Auf den Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahl der Toten durch Luftverschmutzung im Jahre 2004, Länderstatistik aufgrund von Daten der WHO

Die Schadstoffe in der Luft können je nach Art des Stoffes und der vorherrschenden Konzentration(en) die menschliche Gesundheit beeinträchtigen (hauptsächlich Erkrankungen der Atemwege und des Kreislaufsystems) oder im schlimmsten Fall zum Tode führen. Wegen Luftverschmutzung sterben laut WHO jährlich ca. acht Millionen Menschen.[2]

Luftverschmutzung verursacht Lungenkrebs und erhöht das Risiko auf Blasenkrebs. Im Jahr 2010 sind mehr als 220.000 Lungenkrebstote weltweit auf die Verschmutzung der Luft zurückzuführen, das entspricht ca. 15 Prozent aller Lungenkrebstoten dieses Jahres. Am 17. Oktober 2013 wurde Luftverschmutzung von der WHO offiziell als Krebsursache eingestuft.[20]

Die Zunahme von Erkrankungen beziehungsweise die Erhöhung der Sterblichkeit während solcher Smog-Episoden wird heute vor allem auf die zu diesen Zeiten erhöhten Konzentrationen von fünf Stoffen zurückgeführt:

Die Wirkung dieser Stoffe auf den Menschen lässt sich aber nicht isoliert betrachten, sondern wird auch durch Faktoren wie z. B. die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Zu unterscheiden ist ferner zwischen akuten Gesundheitsfolgen und längerfristigen chronischen Krebserkrankungen, etwa durch Feinstaub.[21]

Auf die Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftverschmutzungen können zu zahlreichen Umweltproblemen führen:

  • Versauerung und Eutrophierung durch Emissionen von versauernden und eutrophierenden Schadstoffen (Schwefeldioxid, Stickoxide, Ammoniak)
  • Beeinträchtigung der Luftqualität durch Emissionen von Ozonvorläufersubstanzen, Staub, Schwermetallen, persistenten organischen und anderen Schadstoffen
  • Verstärkung der Lichtverschmutzung durch Emissionen von Aerosolen und Staub

Luftverschmutzung wirkt sich zudem negativ auf das Pflanzenwachstum aus und verringert z. B. den Ertrag von wichtigen Nutzpflanzen, was sich negativ auf die Nahrungsmittelversorgung der Welt auswirkt. Beispielsweise lag der Ertrag von Weizen in Indien aufgrund von Luftverschmutzung und Klimawandel im Jahr 2010 um 36 % niedriger als in einem Referenzszenario ohne diese negativen Faktoren; teilweise betrug der Ertragsrückgang bis ca. 50 %. Etwa 90 % des Ertragsrückgangs ist auf die direkte Wirkung kurzlebiger Schadstoffe wie Ruß und Ozon zurückzuführen, der Rest auf deren Beitrag zur Erwärmung.[22]

Auf Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftverschmutzung beeinträchtigt auch Materialien, die vom Menschen als Werkstoffe eingesetzt werden. So werden durch Luftschadstoffe Materialien wie Stahl,[23] Glas,[24] und Stein[25] angegriffen. Die Korrosionsrate von Stahl erlaubt dabei sogar erste Rückschlüsse auf die Höhe der Luftverunreinigungen.[26] Bei Bronze wurde die Beobachtung gemacht, dass unterschiedliche Legierungen trotz gleicher Umweltbedingungen zu verschiedenartigen Korrosionserscheinungen führen können.[27]

Auf Kulturgüter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aufgrund von Luftverschmutzung in Verbindung mit Wasser entstehenden Säuren greifen auch Kulturgüter an und führen z. B. zu Steinfraß, beschädigen Glasmalerei oder zerstören, wenn sie mit dem Regen in den Boden eindringen, in hohem Maß archäologisches Kulturgut, insbesondere Nicht-Edelmetalle wie Eisen. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, dass sich das Aussehen von Bronzeskulpturen erst durch das Auftreten der industriellen Luftverschmutzung geändert hat.[27]

Überwachung der Maßnahmen zur Luftreinhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es eine Reihe von Bundes-Immissionsschutzverordnungen (BImSchV) auf Grundlage des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG), die z. B. auf die europäische Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG vom 21. Mai 2008 zurückgehen. Die Betreiber genehmigungsbedürftiger Anlagen müssen Art, Menge, räumliche und zeitliche Verteilung der von der Anlage ausgehenden Luftverunreinigungen in einer Emissionserklärung angeben.

EU-Bürger haben seit dem 26. Mai 2011 die Möglichkeit, genau zu sehen, wer in ihrer Umgebung Luft verschmutzt: Europäische Kommission und Europäische Umweltagentur haben im Rahmen des Europäischen Schadstoffemissionsregisters neue Karten veröffentlicht,[28] die auf einer Skala von 5×5 km zeigen, wo Emissionsquellen wie Straßen- und Luftverkehr für die Freisetzung u. a. von Feinstaub verantwortlich sind. Bisher waren solche Werte nur punktuell, z. B. bei einzelnen Industrieanlagen einsehbar.[29]

Das Umweltbundesamt und Bundesländer veröffentlichen seit Jahren aktuelle Messwerte (zum Beispiel Feinstaub, Ozon) von etwa 450 Messstationen in Deutschland im Internet.[30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Detlef Schulze, Otto Ludwig Lange: Die Wirkungen von Luftverunreinigungen auf Waldökosysteme. Chemie in unserer Zeit 24(3), S. 117–130 (1990), ISSN 0009-2851
  • D. Möller: Luftverschmutzung und ihre Ursachen: Vergangenheit und Zukunft. VDI Berichte 1575, S. 119–138 (2000), ISSN 0083-5560
  • Michael Stolberg: Ein Recht auf saubere Luft? Umweltkonflikte am Beginn des Industriezeitalters. Erlangen 1994, ISBN 3-89131-112-5
  • C. Bach: Mittheilungen über die internationale Ausstellung von Apparaten und Einrichtungen zur Vermeidung des Rauches (International exhibition of smoke preventing appliances) in London 1881. Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 26(1), S. 40–47 (1882)
  • H. Bottenbruch, K. Kämmer: Luftreinhaltung durch Schornsteine. Chemie-Technik 9(1), S. 17–26 (1980), ISSN 0340-9961

Luftreinhaltung und Abgasreinigung

  • Joachim Alexander: Luftreinhaltung in Deutschland: Emissions- und Immissionsentwicklung seit 1970. Berichte zur Deutschen Landeskunde 73, S. 365–379 (1999), ISSN 0005-9099
  • Jürgen Assmann, Katharina Knierim, Jörg Friedrich: Die Luftreinhalteplanung im Bundes-Immissionsschutzgesetz. Natur und Recht 26(11), S. 695–701 (2004), ISSN 0172-1631
  • Walter Kaminsky: Verfahren zur Entschwefelung von Rauchgas. Chemie Ingenieur Technik 55(9), S. 667–683 (1983), ISSN 0009-286X
  • Manfred Koebel, Martin Elsener: Entstickung von Abgasen nach dem SNCR-Verfahren: Ammoniak oder Harnstoff als Reduktionsmittel? Chemie Ingenieur Technik 64(10), S. 934–937 (1992), ISSN 0009-286X
  • Entscheidung der Kommission vom 17. Juli 2000 über den Aufbau eines Europäischen Schadstoffemissionsregisters (EPER) gemäß Artikel 15 der Richtlinie 96/61/EG des Rates über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IPPC). Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften L192, S. 36–43 (28. Juli 2000), ISSN 0376-9461
  • Dieter Maas: EPER – European Pollutant Emission Register: Entwicklung und Status. KA – Abwasser, Abfall 52(2), S. 138–140 (2005), ISSN 1616-430X

Gesundheitliche Aspekte

  • Anonymus: Luftverschmutzung – ein ernstes Gesundheitsrisiko in einigen Metropolen der Welt. Bundesgesundheitsblatt 36(5), S. 202 ff. (1993), ISSN 0007-5914
  • Ursula Ackermann-Liebrich: Epidemiologische Ansätze zur Klärung der Zusammenhänge von Luftverschmutzung und Gesundheit. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 4(1), S. 25–27 (1999), ISSN 1430-8681
  • Rembert Watermann: Alexander von Humboldt und die chemische Erforschung der „Gesundheit der Luft“. In: Centaurus, Band 8, 1963, S. 48–68.
  • D. Nowack: Effekte der Luftverschmutzung auf Risikopatienten. Atemwegs- und Lungenkrankheiten 25(6), S. 294 ff. (1999), ISSN 0341-3055
  • Nino Künzli, Reinhard Kaiser, Rita Seethaler: Luftverschmutzung und Gesundheit: Quantitative Risikoabschätzung. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 6(4), S. 202–212 (2001), ISSN 1430-8681
  • Annette Peters, Joachim Heinrich, Erich H. Wichmann: Gesundheitliche Wirkungen von Feinstaub – Epidemiologie der Kurzzeiteffekte. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 7(2) S. 101–115 (2002), ISSN 1430-8681

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Luftverschmutzung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Luftverschmutzung – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) vom 26. Sept. 2002. In: Bundesgesetzblatt, I, S. 3830
  2. a b Reducing global health risks through mitigation of short-lived climate pollutants. Internetseite der WHO (pdf), S. 1, 25 und 111.
  3. a b Umwelt: Neues Maßnahmenpaket für saubere Luft in Europa Europäische Kommission, Pressemitteilung, 18. Dezember 2013
  4. Gegen Luftverschmutzung. Blauer Himmel für Europa. In: Süddeutsche Zeitung, 23. November 2016.
  5. J Kravchenko, I Akushevich, AP Abernethy, S Holman, WG Ross Jr, HK Lyerly: Long-term dynamics of death rates of emphysema, asthma, and pneumonia and improving air quality. In: International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, June 2014, Volume 2014,9, S. 613–627, doi:10.2147/COPD.S59995.
  6. Johannes Lelieveld et al.: The contribution of outdoor air pollution sources to premature mortality on a global scale. In: Nature. Band 525, 2015, S. 367–371, doi:10.1038/nature15371.
  7. Mark Z. Jacobson et al.: 100% clean and renewable wind, water, and sunlight (WWS) all-sector energy roadmaps for the 50 United States. In: Energy and Environmental Science, 2015, doi:10.1039/C5EE01283J.
  8. Drew Shindell, Yunha Lee, Greg Faluvegi: Climate and health impacts of US emissions reductions consistent with 2 °C. In: Nature Climate Change. Band 6, 2016, S. 503–507, doi:10.1038/nclimate2935.
  9. idw-online.de
  10. Center for International Environmental Law („Zentrum für internationales Umweltrecht“, CIEL), Caroll Muffet. In: deutschlandfunk.de, Das Feature, 28. September 2017, Harald Brandt: Die Ölindustrie auf der Anklagebank: Smoke and Fumes (Manuskript, PDF , S. 17, 28. September 2017)
  11. Shannon N. Koplitz et al.: Public health impacts of the severe haze in Equatorial Asia in September–October 2015: demonstration of a new framework for informing fire management strategies to reduce downwind smoke exposure. In: Environmental Research Letters. Band 11, Nr. 9, 2016, doi:10.1088/1748-9326/11/9/094023.
  12. Dreckige Provokation. In: Süddeutsche Zeitung, 11. Juli 2014. Abgerufen am 2. Juni 2017.
  13. Rechte in den USA verpesten absichtlich die Luft. In: Der Tagesspiegel, 10. Juli 2014.
  14. 'Modern air is too clean': the rise of air pollution denial. In: The Guardian, 16. November 2017. Abgerufen am 16. November 2017.
  15. Fabio Caiazzo et al.: Air pollution and early deaths in the United States. Part I: Quantifying the impact of major sectors in 2005. In: Atmospheric Environment. Band 79, 2013, S. 198–208, doi:10.1016/j.atmosenv.2013.05.081.
  16. Winkel et al.: Shore Side Electricity in Europe: Potential and environmental benefits. In: Energy Policy. Band 88, 2016, S. 584–593, doi:10.1016/j.enpol.2015.07.013.
  17. James J. Corbett, Horst W. Köhler: Updated emissions from ocean shipping. In: Journal of Geophysical Research, 108, (D20), S. 4650 (2003), doi:10.1029/2003JD003751.
  18. Günter Fellenberg: Chemie der Umweltbelastung. 3. Aufl., Verlag B. G. Teubner, Stuttgart 1997, ISBN 3-519-23510-2, S. 63 ff.
  19. Farbfoliensatz Umweltdaten Deutschland 2001, Umweltbundesamt Berlin
  20. spiegel.de
  21. Peter Straehl: Kanzerogene Luftschadstoffe in der Schweiz. 2003
  22. Burney, Ramanathan: Recent climate and air pollution impacts on Indian agriculture. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 111, Nr. 46, 2014, S. 16319–16324, doi:10.1073/pnas.1317275111.
  23. VDI 3955 Blatt 1:1996-01 Bestimmung der korrosiven Wirkung komplexer Umgebungsbedingungen; Exposition von Stahlblechen (Manksches Karussell) (Assessment of effects on materials due to corrosive ambient conditions; Exposure of steel sheets (Mank's carrousel)). Beuth Verlag, Berlin, S. 3.
  24. VDI 3955 Blatt 2:1993-12 Bestimmung der korrosiven Wirkung komplexer Umgebungsbedingungen auf Werkstoffe; Exposition von Glassensoren (Assessment of effects on materials due to corrosive ambient conditions; exposure of glass sensors). Beuth Verlag, Berlin, S. 4.
  25. VDI 3955 Blatt 3:2000-12 Bestimmung der korrosiven Wirkung komplexer Umgebungsbedingungen auf Werkstoffe; Exposition von Naturstein-Plättchen (Manksches Karussell) (Assessment of effects on materials due to corrosive ambient conditions; Exposure of natural stone samples (Mank's carrousel)). Beuth Verlag, Berlin, S. 4.
  26. Siegbert Luckat: Beziehungen zwischen der Korrosionsrate von Stahl und den Immissionsraten verschiedener Schadstoffe. In: Staub – Reinhalt. Luft. 34, Nr. 6, 1974, ISSN 0949-8036, S. 209–213.
  27. a b A. Reisener, M. Mach: Umwelteinflüsse auf Bronze und Kupfer im Freien und Auswirkungen auf Denkmäler. In: Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN: Materialien in ihrer Umwelt. VDI-Verlag Düsseldorf 1993, ISBN 3-18-091060-7, S. 99–111.
  28. The European Pollutant Release and Transfer Register.
  29. Umwelt: Neue Karten zu Luftverschmutzung. Europäische Kommission, Presseportal Europa vor Ort, 26. Mai 2011.
  30. Aktuelle Immissionsdaten und Ozonvorhersage