Politische Klasse

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Durch räumliche Erhöhung und durch Sicherheits­kräfte vom Publikum getrennt: Politiker bei einer Veranstaltung in Passau, 2002

Politische Klasse bezeichnet allgemein die gesellschaftliche Führungsschicht der Berufspolitiker (umgangssprachlich auch Politikerkaste oder Politikerzunft), in kritischer Weise auch die Politiker als machtversessene und selbstbezogene soziale Klasse. Die Bezeichnung wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts vom italienischen Politikwissenschaftler Gaetano Mosca verwendet.[1]

Der deutsche Politikwissenschaftler Klaus von Beyme begründete 1993 ein Wiedererstarken der politischen Klasse durch die Entideologisierung der politischen Parteien, ihrer Annäherung an den Typus der Volksparteien, der Angleichung des sozialen Hintergrunds der Parlamentarier zusätzlich zu Einkommensangleichungen und der sich daraus ergebenden Entstehung einer Schicht von Berufspolitikern.[2] Der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt zählte neben Politikern auch die politischen Journalisten zur politischen Klasse.

Die Elitesoziologie bescheinigt der politischen Elite, dass für sie Politik nicht nur zum Erwerbsberuf geworden ist, sondern dass sie sich zunehmend von der Bevölkerung abkapselt, sich nicht mehr durch soziale Mobilität erneuert und dadurch von denjenigen Interessen entfernt, die sie zu vertreten beansprucht. Zur politischen Elite eines Landes gehört darüber hinaus diejenige bevorrechtete Gruppe, die durch politische und wirtschaftliche Spitzenpositionen regelmäßig politische Macht ausübt und damit wesentlich über gesamtgesellschaftliche Fragen entscheidet und die gesellschaftlichen Ressourcen kontrolliert.[3]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich ist classe politique schon lange eine gängige politische Bezeichnung, auch dadurch begründet, dass sich das Führungspersonal der Parteien und Ministerien fast ausschließlich von Elitehochschulen wie z. B. der ENA rekrutiert.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wurde Classe politique zum politischen Reizwort, mit dem die Schweizerische Volkspartei (SVP) „die da oben in Bern“ kritisierte und sich selbst als die wahren Volksvertreter darstellen wollte. Demgegenüber sind die Wähler der SVP deutlich weniger traditionell und konservativ eingestellt als die Parteileitung. Umgekehrt wünscht die Wählerschaft der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) deutlich „weniger Staat“ als die Parteiführung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gaetano Mosca: Die herrschende Klasse. Grundlagen der politischen Wissenschaft. Lehnen, München 1950 (italienische Erstveröffentlichung 1896).
  2. Klaus von Beyme: Die politische Klasse im Parteienstaat. Suhrkamp, Frankfurt 1993.
  3. Thomas Heberer: Die politischen Eliten. In: Derselbe, Claudia Derichs (Hrsg.): Einführung in die politischen Systeme Ostasiens: VR China, Hongkong, Japan, Nordkorea, Südkorea, Taiwan. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15937-9, S. 75 (Seitenansicht in der Google-Buchsuche).