Prävalenz

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Die Prävalenz (von lateinisch praevalere, ‚sehr stark sein‘) ist eine Kennzahl der Epidemiologie für die Krankheitshäufigkeit. Sie sagt aus, welcher Anteil der Menschen einer bestimmten Gruppe (Population) definierter Größe zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind oder einen Risikofaktor aufweisen.[1] In der Regel wird die Prävalenz einer Krankheit bzw. Störung in einer Population aufgrund einer Stichprobe geschätzt, da die vollständige Testung einer Population zu aufwendig wäre oder unmöglich ist.

Prävalenz = Anzahl der zum Untersuchungszeitpunkt Kranken  / Anzahl der in die Untersuchung einbezogenen Individuen

Ein anderes Mass für die Krankheitshäufigkeit ist die Inzidenz oder Inzidenzrate. Sie sagt aus, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum neu erkranken.

Inzidenz oder Inzidenzrate = Anzahl der neu Erkrankten /  (betrachtete Zeitspanne  * Anzahl der in die Untersuchung einbezogenen Individuen)

oft umgerechnet oder angegeben in

Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr pro 100.000 Einwohner.

Anders als bei der Inzidenz, bei der die in der betrachteten Zeitspanne neu Erkrankten gezählt werden, wird bei der Prävalenz die Gesamtzahl aller zum Untersuchungszeitpunkt Erkrankten berücksichtigt, unabhängig davon, wann sie erkrankt sind. Während die Inzidenz also einen Zeitraum betrachtet, ist die Prävalenz eine Momentaufnahme.

Punktprävalenz vs. Periodenprävalenz[Bearbeiten]

Prävalenz bezieht sich, wenn nichts anderes gesagt wird, auf einen bestimmten Zeitpunkt, deshalb sagt man auch Punktprävalenz (auch Stichtagsprävalenz[2]). Das ist nicht immer praktisch, zum Beispiel bei sehr kurz dauernden, sich rasch ausbreitenden und wieder rückläufigen Krankheiten wie der Grippe interessiert eher, wie viele Personen während einer Woche oder in der gesamten Grippesaison krank waren. Die Periodenprävalenz (auch Streckenprävalenz[2]) wird bestimmt durch einen Zeitraum wie „in den letzten sieben Tagen“, „im geschlechtsreifen Alter“ oder „im Senium“, im letzten Jahr (Jahresprävalenz) oder während des gesamten Lebens (Lebenszeitprävalenz).

Bedeutung von Prävalenzangaben anhand des Beispiels Adipositas:

Wenn in Amerika der Anteil der schwer Übergewichtigen (somit „das Merkmal, die Krankheit“) in der erwachsenen Bevölkerung (die „bestimmte Population“; bei Kindern stellt sich das Problem wieder anders!) von 12,0 % im Jahr 1991 auf 17,9 % im Jahr 1999 stieg, kann die Dynamik des Geschehens mittels Angabe zweier Punktprävalenzen weit besser vermittelt werden, als wenn man den Anteil der Übergewichtigen als Periodenprävalenz (zwischen 1991 und 1999) angegeben hätte. Noch aussagekräftiger wird die Untersuchung, wenn erkannt wird, dass diese Zunahme unabhängig vom Geschlecht, von soziodemographischen Gruppen und geographischen Regionen des Landes erfolgte, wenn also mit der genaueren Bestimmung der untersuchten Population das Problem als ein gesamtgesellschaftliches erkannt wird.

30-Tages-Prävalenz vs. 12-Monats-Prävalenz vs. Lebenszeitprävalenz[Bearbeiten]

Auch für den Drogenkonsum und andere Risikofaktoren wird der Begriff der Prävalenz verwendet. Gängige Maßzahlen für die Verbreitung einer bestimmten Droge in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe sind neben der „Lebenszeitprävalenz“ die „12-Monats-Prävalenz“ und „30-Tages-Prävalenz“.

Die international gebräuchliche Bezeichnung „Lebenszeitprävalenz“ ist sprachlich etwas irreführend, da damit ja nicht das Auftreten des Ereignisses in der gesamten Lebensdauer erfasst wird, sondern nur das Auftreten in der bis zum Erhebungszeitpunkt verstrichenen Lebenszeit. Für die Auftrittswahrscheinlichkeit über die gesamten Lebensdauer der Untersuchungspopulation wurde der Ausdruck „Gesamtlebenszeitprävalenz“ geprägt. So wird z. B. in Österreich die Punktprävalenz des Alkoholismus in der erwachsenen Bevölkerung auf 5 % und die „Gesamtlebenszeitprävalenz“ auf 10 % geschätzt.[3]

Prävalenzformen nach Erhebung[Bearbeiten]

Man unterscheidet ferner:[4]

  • Wahre Prävalenz (auch Feldprävalenz[2]) - Prävalenz in der Bevölkerung. Dabei sollte die Bevölkerung möglichst vollständig untersucht werder oder über ein geeignetes Stichprobendesign abgeschätzt werden.
  • Behandlungsprävalenz[5][6][7] - Prävalenz aufgrund der Kontakte mit einer Versorgungs- oder Behandlungseinrichtung.
  • Administrative Prävalenz[5] - Prävalenz aufgrund Routinestatistiken. Ein Sonderfall sind Fallzahlen aus Fallregistern in denen alle Krankheitsfälle einer Region oder Einrichtungsart gesammelt wird. Ein Beispiel ist das Krebsregister.
  • Verdeckte Prävalenz - Prävalenz der unbehandelten Fälle.[2] Die Administrative Prävalenz und die verdeckte Prävalenz geben zusammen die wahre Prävalenz.[2]

Seroprävalenz[Bearbeiten]

Als Seroprävalenz wird die Häufigkeit des Vorkommens von Antikörpern im Blut bezeichnet, die auf eine durchgemachte oder bestehende Infektion hindeuten. Die Seroprävalenz wird mit serologischen Methoden getestet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Prävalenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten]

  1. Leon Gordis: Epidemiologie. Verlag im Kilian, Marburg 2001, ISBN 3-932091-63-9, S. 37–38.
  2. a b c d e  Wörterbuch der Psychotherapie. Springer-Verlag, 2010-01-19, ISBN 9783211991312, S. 527 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. api.or.at A. Uhl, N. Kopf, A. Springer, I. Eisenbach-Stangl, U. Kobrna, S. Bachmayer, W. Beiglböck, W. Preinsperger, R. Mader: Handbuch: Alkohol – Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends. 2001. Zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage. Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Wien 2001.
  4.  Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 9783134956078, S. 18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b  Klinische Psychologie & Psychotherapie (Lehrbuch mit Online-Materialien). Springer-Verlag, 2011-07-28, ISBN 9783642130182, S. 62 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6.  Epidemiologie körperlicher Erkrankungen und Einschränkungen im Alter. W. Kohlhammer Verlag, 2008, ISBN 9783170186491, S. 27 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7.  Epidemiologie psychischer Erkrankungen im höheren Lebensalter. W. Kohlhammer Verlag, 2006-11-16, ISBN 9783170168350, S. 32 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).