Pyramidales Prinzip

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Das Pyramidale Prinzip ist ein Kommunikationskonzept, das von der ehemaligen McKinsey-Mitarbeiterin Barbara Minto entwickelt wurde. Es kann für persönliche Kommunikation, Vorträge, Präsentationen, Briefe, Berichte oder jegliche andere denkbare Form von Kommunikation genutzt werden. Das Pyramidale Prinzip steht dem Zielsatz Prinzip oder Trichtermodell entgegen.

Das Prinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pyramidale Struktur vs. Trichter

Kommunikation nach dem Pyramidalen Prinzip beginnt immer mit der Kernaussage. Diese wird dann mit Details untermauert. Der Trichter dagegen stellt die Kernaussage an das Ende des Textes, der Präsentation, des Gesprächs usw. (zumindest stellt Minto dies so dar). Dieses Zielsatz Prinzip steht für das Überzeugen – gegenüber dem Ziel informieren des pyramidalen Prinzips.

Die Pyramidale Struktur stellt das Ergebnis in den Vordergrund und findet oft im Geschäftsleben Anwendung. Insbesondere Beratungsunternehmen nutzen das pyramidale Prinzip, um Kunden ihre Ergebnisse zu präsentieren. Das Pyramidale Prinzip ist oft fester Bestandteil des Instrumentenkastens der Branche. "To make it Minto" ist teilweise schon als Redewendung in Unternehmenskulturen eingegangen.

Demhingegen betont das Trichtermodell den Prozess. Dieses Trichtermodell oder Zielsatz Prinzip[1] von Stefan Wachtel dagegen bietet sich an, wenn der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis. Dies ist vor allem in mündlichen Überzeugungsprozessen in Reden und Antwort der Fall, auch in pointierten Texten, sogar in Pressetexten die klassischerweise pyramidal aufgebaut sind; Protagonist ist Gabor Steingart mit seinem „Morning Briefing“.  

Das Trichtermodell oder Zielsatzprinzip nach Stefan Wachtel

Anwendungsregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argumentationskette und Argumentationsgruppe

Das Pyramidale Kommunikationskonzept kennt zwei Argumentationsprinzipien.

Argumentationsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argumentationsgruppen bieten sich dann an, wenn allgemeiner Konsens zu einem Thema herrscht. Die Kernaussage wird durch parallele Aussagen detailliert und gestützt. Alle Aussagen auf einer Ebene müssen dabei das GÜTE-Siegel (engl. MECE) tragen.

GÜTE steht für:

  • Gleichartig
  • überschneidungsfrei
  • treffend
  • erschöpfend.

Barbara Minto hatte bereits in den 1970er-Jahren die Anforderungen überschneidungsfrei und erschöpfend für die pyramidale Gruppe definiert. Mit dem GÜTE-Siegel hat Roland Berger in den 1990er Jahren zwei weitere Anforderungen ergänzt – gleichartig und treffend. Axel Schoof und Karin Binder haben zwei weitere Kriterien in ein Akronym aufgenommen: Es dürfen maximal sieben parallele Aussagen nebeneinander stehen, sofern keine bekannte Standardstruktur verwendet wird. Als weitere Anforderung soll mit der für den Empfänger wichtigsten Aussage angefangen werden, danach werden die Aussagen immer unwichtiger.[2]

Argumentationsketten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argumentationsketten eignen sich dann, wenn über ein Thema Dissens herrscht oder allgemeine Skepsis überwiegt. Argumentationsketten begründen die Kernaussage. Nachdem die Kernaussage genannt wurde, wird die aktuelle Situation genannt, diese kommentiert und daraufhin die Resolution zum Problem genannt.

Ebenso ist es möglich, Ketten und Gruppen zu kombinieren. So können beispielsweise einzelne Elemente einer Argumentationsgruppe durch eine Argumentationskette erläutert oder einzelne Elemente einer Argumentationskette durch Argumentationsgruppen detailliert werden. Argumentationsketten kommen ebenso im Pendant des pyramidalen Prinzips vor.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Nachteile des Pyramidalen Prinzips werden diskutiert: Das pyramidale Prinzip ist ausschließlich zur Sachverhaltsdarstellung, es kommt kein Zugang zu Menschen vor[4]; der Autor Stefan Wachtel nennt das „antikommunikativ“.[5] Und da der Kern-Punkt zu erst genannt wird, hilft das pyramidale Prinzip nicht die Kernaussage aufzubauen.[6] 

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Kropf, Von den Schwierigkeiten mit dem klassischen Nachrichten-Aufbau – oder: Ein »Andock-Modell« als Alternative zum »Pyramiden-Modell«; in Publizistik, 44. Jg. (1999) Heft 2, S. 201–216
  • Barbara Minto: Das Prinzip der Pyramide. Pearson Studium, München u. a. 2005, ISBN 3-8273-7189-9.
  • Axel Schoof, Karin Binder: Auf den Punkt: Präsentationen pyramidal strukturieren. Erfolgreicher kommunizieren mit klaren Botschaften und ergebnisorientierter Struktur. Springer Gabler 2013, ISBN 978-3658032289.
  • Wolfgang Hackenberg, Carsten Leminsky, Eibo Schulz-Wolfgramm: "Key Message. Delivered. Business-Präsentationen mit Struktur." 2. Auflage bei Haufe 2014, ISBN 978-3-648-05908-1
  • Stefan Wachtel, Das Zielsatz Prinzip. Wie Pointierung unsere Wirkung erhöht. Frankfurt/M. 2020, 2., überarb. Aufl. 2021, ISBN 978-3-03-876507-3

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Wachtel: Das Zielsatz Prinzip. Wie Pointierung unsere Wirkung erhöht. Hrsg.: Stefan Wachtel. 2. Auflage. Frankfurt/M 2021, ISBN 978-3-03876-507-3.
  2. Axel Schoof, Karin Binder: Präsentationen pyramidal strukturieren, 2013, S. 184.
  3. Stefan Wachtel: Das Zielsatz Prinzip. Frankfurt/M. 2021, ISBN 978-3-00-063664-6, S. 28 ff.
  4. Thomas Kropf: Von den Schwierigkeiten mit dem klassischen Nachrichten-Aufbau - oder: Ein »Andock-Modell« als Alternative zum »Pyramiden-Modell«. Heft 2. Publizistik, 1999, S. 201 ff.
  5. Stefan Wachtel: Das Zielsatz Prinzip. Hrsg.: Stefan Wachtel. 2020, ISBN 978-3-00-063664-6, S. 72 ff.
  6. Wolfgang Hackenberg, Carsten Leminsky, Eibo Schulz-Wolfgramm: "Key Message. Delivered. Business-Präsentationen mit Struktur." 2. Auflage. Haufe, 2014, ISBN 978-3-648-05908-1, S. 89 ff.