Q'umarkaj

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Q'umarkaj – Blick über den Ballspielplatz, den Tempel des Tohil und den Tempel des Avilix

Q'umarkaj (auch Cumarcaj oder Gumarcaah geschrieben) ist eine präkolumbianische Tempel- und Palaststadt des Maya-Stammes der Quiché im Hochland von Guatemala. Der Name bedeutet 'Ort der alten Schilfbündel'. Andere Bezeichnungen des Ortes lauten 'Utatlan' (nahuatl) oder 'Quiché Viejo' (spanisch).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Q'umarkaj liegt auf einem von Schluchten umgebenen und deshalb gut zu verteidigenden bewaldeten Bergplateau etwa 22 Kilometer nördlich von Chichicastenango in einer Höhe von ca. 2200 Metern und ist über asphaltierte aber kurvenreiche Straßen gut zu erreichen. Die nächstgelegene Stadt ist Santa Cruz del Quiché (ca. 2,5 Kilometer östlich).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Q'umarkaj wurde um das Jahr 1400 von dem – möglicherweise mythischen – Herrscher Q'uq'umatz (= Quetzalcoatl bzw. 'Federschlange') gegründet und von seinen Nachfolgern, die mit Hilfe der verbündeten Cakchiquel-Maya auch über weite Teile im Süden Mesoamerikas bis hin zum heutigen El Salvador herrschten, immer weiter ausgebaut. Nach einer Revolte verließen die Cakchiquel um das Jahr 1470 die Stadt und gründeten etwa 50 Kilometer südöstlich (Luftlinie) gelegenen ihre eigene Hauptstadt Iximché.

Im Jahr 1524 eroberte der spanische Conquistador Pedro de Alvarado an der Spitze von etwa 420 Reitern und indianischen Hilfstruppen (Tlaxcalteken und Cakchiquel) das Quiché-Imperium; dabei wurde der Anführer des Quiché-Heeres, Tecun Uman, getötet. Die Herrscher der Quiché luden Pedro de Alvarado dennoch zu einem Besuch ihrer Hauptstadt ein, doch schlug dieser sein Feldlager vor der Stadt auf. Nun lud er seinerseits die Anführer der Quiché ein, doch kurz nach ihrer Ankunft ließ er sie gefangensetzen. Nach dem Tod eines seiner Soldaten durch rebellierende Indianer ließ er die Gefangenen auf einem Scheiterhaufen verbrennen und danach die ganze Stadt in Brand setzen.

Wiederentdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt war zwar aufgegeben aber niemals völlig in Vergessenheit geraten. Ende des 17. Jahrhunderts besuchte Francisco Ximénez, der Übersetzer des Popol Vuh, den Ort. Im Jahre 1834 verfasste Miguel Rivera y Maestre einen Bericht für die Regierung und 1840 besuchten John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood die Ruinenstätte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dokumentierte Alfred Maudslay den Ort. In den 1950er Jahren wurden Ausgrabungs- und Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, doch angesichts der vielen beim Bau der benachbarten Stadt Santa Cruz del Quiché wiederverwendeten Steine blieben sie in den Ansätzen stecken.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigentlich sind von der Gesamtanlage von Q'umarkaj nur drei Bauten von Interesse: die Tempelpyramiden des Tohil und des Avilix und der Ballspielplatz.

Tempelpyramide des Tohil
Von Francisco Ximenez im ausgehenden 18. Jahrhundert noch als höchstes Gebäude der Gesamtanlage beschrieben und von Frederick Catherwood im Jahre 1840 als hochaufragendes Bauwerk mit drei Außentreppen gezeichnet, ist vom damaligen Bestand das meiste verschwunden. Der Name verweist auf eine Gottheit, die den Quiché das Feuer brachte und den Rang eines Stadt- bzw. Stammespatrons innehatte.
Tempelpyramide des Avilix
Der Tempel des Avilix ist ein gutes Beispiel für eine weitgehend unrestaurierte Pyramide, an deren Baukörper man dennoch die Absätze des Talud-tablero-Systems erkennen kann. Der Gott Avilix wird manchmal identifiziert mit Ixbalanqué, einem der 'Göttlichen Zwillinge' des Popol Vuh.
Ballspielplatz
Der Ballspielplatz von Q'umarkaj ist einer von vieren, deren Spuren man am Ort gefunden hat. Alle haben den typischen H-förmigen Grundriss und sind zur mittleren Spielfläche hin abgeschrägt; die seitlichen Teile des Spielfeldes haben weder eine Schräge noch einen Markierungsstein – möglicherweise galten hier andere Regeln.
Paläste
Von den Palastbauten der Oberschicht ist so gut wie nichts erhalten; einige Plattformen, auf denen sie einst standen, sind noch erkennbar.
Höhlen
Zum Schutz vor Übergriffen wurden drei einfache Tunnelhöhlen in die Kalksteinfelsen der Umgebung gehauen, wo sich Alte, Frauen und Kinder verstecken konnten.

Popol Vuh[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Stadt Q'umarkaj wird im Popol Vuh[1], dem heiligen Buch der Quiché – allerdings in legendenhafter Ausschmückung – beschrieben. Auch die Götter Tohil und Avilix sind dort erwähnt.[2]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Hauptstadt wurden die Ruinen von vier Satellitenstädten entdeckt: Chisalin (400 Meter nördlich), Pismachi (600 Meter südlich), Atalaya (600 Meter östlich) und Pakaman (1600 Meter östlich). Sie könnten allesamt als vorgelagerte Verteidigungslinie gedient haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Popol Vuh. Das Buch des Rates. Diederichs, München 1990, S. 146f, ISBN 3-424-00578-9
  2. Popol Vuh. Das Buch des Rates. Diederichs, München 1990, S. 111ff und S. 154ff, ISBN 3-424-00578-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert M. Carmack und John M. Weeks: The Archaeology and Ethnohistory of Utatlan: A Conjunctive Approach. American Antiquity (Society for American Archaeology) 46 (2), 1981, S. 323–341.
  • Joyce Kelly: An Archaeological Guide to Northern Central America: Belize, Guatemala, Honduras, and El Salvador. University of Oklahoma Press 1996. ISBN 0-8061-2858-5. OCLC 34658843.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Q'umarkaj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 15° 1′ 24,7″ N, 91° 10′ 19,2″ W