Racemisierung

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Die Racemisierung ist ein Begriff aus der Stereochemie, welcher die Umwandlung von nichtracemischen Enantiomerengemischen oder reinen Enantiomeren chiraler chemischer Verbindungen in das Racemat (1:1-Gemisch der Enantiomere) beschreibt, wobei ein vorhandener Enantiomerenüberschuss vollständig abgebaut wird. Bei vollständiger Racemisierung entsteht ein 1:1-Gemisch beider Enantiomeren, ein Racemat, dessen ee= 0 ist (der ee ist der Enantiomerenüberschuss). Ist der ee-Wert ≠ 0, so spricht man von partieller (teilweiser) Racemisierung.

Solche Verfahren werden für die Rückgewinnung von unerwünschten Enantiomeren benutzt. Wird in einem Verfahren das (R)-Enantiomer aus einem Racemat durch Racematspaltung gewonnen, bleiben 50 % des Ausgangsstoffes als (S)-Enantiomer zurück. Durch Racemisierung kann man das (S)-Enantiomer wieder in das Racemat überführen bzw. teilweise racemisieren und erneut als Ausgangsstoff einsetzen. Wenn die Racemisierung gleichzeitig in situ mit der Racematspaltung durchgeführt wird, spricht man von dynamischer Racematspaltung.

Der Mechanismus der Racemisierung hängt stark von der Art des Stoffes ab. Racemisierung tritt etwa als Folge von SN1-Reaktionen auf. Dabei entsteht eine trigonal-planare Anordnung um das nun positiv geladene Kohlenstoffatom (Carbenium-Ion). Deshalb kann das Kohlenstoffatom nun von beiden Seiten her angegriffen werden. So entstehen bei der Reaktion beide Enantiomere, auch wenn man ein einziges Enantiomer als Ausgangsmaterial verwendet.[1] Beispielsweise setzt sich (R)-3-Brom-3-methylhexan mit Wasser zu (R)-3-Methyl-3-hexanol und (S)-3-Methyl-3-hexanol im Verhältnis 50:50 um, es entsteht also (RS)-3-Methyl-3-hexanol, ein Racemat.

Racemisierung eines sekundären Alkohols [Beispiel: (R)-2-Butanol] durch Oxidation zum Keton und nachfolgende Reduktion – beispielsweise mit Natriumborhydrid – zu (RS)-2-Butanol, einem Racemat.

Ein enantiomerenreiner sekundärer Alkohol mit einem Stereozentrum an jenem Kohlenstoffatom an das die Hydroxygruppe gebunden ist, kann durch Oxidation zum betreffenden Keton und Reduktion anschließende dieses Ketons mit Natriumborhydrid in den racemischen sekundären Alkohol umgewandelt, also racemisiert werden.

Peptidsynthese[Bearbeiten]

In der Peptid-Synthese ist die gelegentlich zu beobachtende teilweise Racemisierung einzelner Aminosäure-Bausteine ein unerwünschter Prozess, da dabei zwei oder mehr Peptide unterschiedlicher Stereochemie (Diastereomere) resultieren, die wegen der großen chemischen Ähnlichkeit oft nur schwer zu reinigen sind. Die so gebildeten diastereomeren Peptide besitzen in der Regel sehr verschiedene physiologische – z. B. pharmakologische – Wirkungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz G. O. Becker, Werner Berger, Günter Domschke, Egon Fanghänel, Jürgen Faust, Mechthild Fischer, Fritjof Gentz, Karl Gewald, Reiner Gluch, Roland Mayer, Klaus Müller, Dietrich Pavel, Hermann Schmidt, Karl Schollberg, Klaus Schwetlick, Erika Seiler und Günter Zeppenfeld: Organikum, Johann Ambrosius Barth Verlag, 1993, 19. Auflage, S. 216−217, ISBN 3-335-00343-8.