Radio Reloj

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Radio Reloj (span. für Uhrenradio oder Radiouhr) ist ein spanischsprachiger Hörfunksender aus Kuba. Radio Reloj ist ein reiner Nachrichtensender, wobei jedoch auch kurze dokumentative Beiträge und "zeitlose" Informationen aus allen Bereichen des täglichen Lebens gesendet werden.

Markant ist das Ticken eines Sekundenzeigers im Hintergrund. Zu jeder vollen Minute ertönt ein längerer Piepton, sowie die Ansage der aktuellen Uhrzeit. Wird zum Zeitpunkt des Minutenpieptons gerade eine Meldung verlesen, erfolgt die Zeitansage im direkten Anschluss an diese Meldung. Die meisten Meldungen sind kürzer als eine Minute. Bei längeren Meldungen und Dokumentarbeiträgen werden diese dann in Minutentakte zerlegt, die dann z. T. minutenweise versetzt gesendet werden. Jeweils um 12 Uhr Mittags und um Mitternacht werden die aktuellen Uhrzeiten in zwanzig Hauptstädten der Welt angesagt.

Auf Sendung seit dem 1. Juli 1947, nimmt Radio Reloj für sich in Anspruch, der älteste 24-Stunden-Nachrichtensender der Welt zu sein. Der Sender wurde von den Brüdern Abel und Goar Mestre gegründet, die seit 1943 bereits die Hälfte der Anteile von CMQ Radio besaßen, der zweitgrößten landesweiten Senderkette. Während der zur Kubanischen Revolution führenden Unruhen war Radio Reloj am 13. März 1957 Angriffsziel einer Gruppe von Kämpfern des Directorio Revolucionario (DR): Der Versuch der vorwiegend studentischen Gruppe, die Gewalt über den Sender zu gewinnen und die Nation zum Aufstand aufzurufen scheiterte allerdings ebenso wie der parallel ausgeführte Attentatsversuch auf Fulgencio Batista im erstürmten Präsidentenpalast. Beim Rückzug vom Sendergebäude auf das Universitätsgelände wurde DR-Anführer José Antonio Echevarría von der Polizei gestoppt und in einem Feuergefecht getötet.[1] Nach der Machtübernahme Fidel Castros im Januar 1959 und im Zuge der schrittweisen Abschaffung der Pressefreiheit in Kuba wurde Radio Reloj im September 1960 zwangsverstaatlicht.[2][3] Die Gebrüder Mestre waren bereits im März und April 1960 ins Ausland geflohen, nachdem sie wegen auf ihren Sendern ausgestrahlter kritischer Inhalte als Konterrevolutionäre angegriffen worden waren und ihr Leben in Gefahr sahen.[4]

Der Sender kann neben Internet-Stream auch über 22 Mittelwellen- und 16 UKW-Sendern (v. a. in größeren Städten) empfangen werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronologie Fidel Castro und die Kubanische Revolution (PDF), Auszug aus dem Buch »Fidel Castro. Mein Leben«, S. 6, abgerufen am 20. Januar 2017
  2. Pablo Sirvén: El rey de la TV. Sudamericana, Buenos Aires 2013 (spanisch)
  3. Pablo Sirvén: Goar Mestre y sus historias con déjà-vu, in: La Nación vom 27. September 2009, abgerufen am 20. Januar 2017 (spanisch)
  4. Michael B. Salwen und Bruce Garrison: Latin American Journalism. Routledge, New York und London 1991 (englisch)