Randower Kleinbahn

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Randower Kleinbahn
Kursbuchstrecke: 125z (1944/45)
Streckenlänge: 48,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Szczecin
Bahnhof, Station
0,0 Stobno Szczecińskie (Stöven Kleinbahnhof)
   
nach Bützow
   
Stobno Szczecińskie Wieś (nur um 1945)
   
3,8 Dołuje (Neuenkirchen)
   
5,4 Wąwelnica Szczecińska (Wamlitz)
   
8,3 Redlica (Marienthal)
   
10,2 Dobra Szczecińska (Daber)
   
13,6 Boeck (Buk)
   
15,4 Nassenheider Ziegelei
   
17,3 Nassenheide (Rzędziny)
   
20,3 Stolzenburg (Stolec)
   
heutige polnisch-deutsche Grenze
   
22,5 Lenzen
   
26,1 Stolzenburger Glashütte
   
29,7 Zopfenbeck
   
32,1 Hintersee
   
34,1 Hintersee Nord
   
36,8 Ludwigshof
   
40,2 Rieth
   
40,8 Mützelburger Waldbahn (bis 1910)
   
heutige deutsch-polnische Grenze
   
45,3 Albrechtsdorf (Karszno)
   
47,4 Neuwarp Kirchhofsweg
   
48,7 Neuwarp (Nowe Warpno)

Die Randower Kleinbahn AG betrieb die regelspurige Kleinbahnstrecke StövenNeuwarp, auch Randower Bahn genannt. Ab 1945 wurde nur noch der Abschnitt von Stöven (nunmehr Stobno Szczecińskie) bis Daber (Dobra Szczecińska) von den Polnischen Staatsbahnen betrieben, die restliche Strecke abgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1892 gab es Bemühungen, die Stolzenburger Glashütte von der Bahnstrecke Bützow–Stettin aus an das Eisenbahnnetz anzuschließen. 1895 schließlich wurde in Stettin die Randower Kleinbahn AG gegründet, deren Kapital vom preußischen Staat, der Provinz Pommern, dem Landkreis Randow, der Forstverwaltung und privaten Teilhabern aufgebracht wurde. Mit Bau und Betrieb der Kleinbahn wurde das Unternehmen Lenz & Co. beauftragt. Die Strecke von Stöven bis zur Glashütte wurde am 10. Mai 1897 eröffnet.

Schon bald gab es Planungen, die Strecke nach Ueckermünde zu erweitern, was aber aus Rentabilitätsgründen scheiterte. 1905 kam jedoch eine Verlängerung nach Neuwarp zustande, die zunächst provisorisch am Stadtrand endete und 1906 den Endbahnhof erreichte. Der Anschluss Neuwarps an das Eisenbahnnetz führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Gemeinde. Darüber hinaus diente die Bahn der Anbindung der Stolzenburger Glashütte und der Abfuhr von Holz, vor allem aus Hintersee. In Nassenheide waren Anschlussgleise zu einer Brennerei und einer Ziegelei vorhanden. Mehrere Privatanlieger hatten zudem Feldbahnen an die Strecke herangeführt; in Rieth wurde die bis 1910 betriebene Mützelburger Waldbahn gekreuzt.

Die Betriebsführung übernahm 1910 der Provinzialverband Pommern, 1920 die Vereinigung mittelpommerscher Kleinbahnen GmbH und ab 1937 die Landesbahndirektion Pommern. Ab 1939 gehörte die Strecke zu den Pommerschen Landesbahnen, die die Strecke unter der Bezeichnung Randower Bahn führten.

Als 1929 die Glashütte geschlossen wurde, verlor die Bahn ihren wichtigsten Güterkunden. Der zudem aufkommenden Konkurrenz durch Buslinien begegnete man 1928 mit der Eröffnung der bahneigenen Omnibuslinie Stettin–Nassenheide–Stolzenburg–Ueckermünde. Die Beschaffung eines Wismarer Schienenbusse im Jahr 1933 machte auch den Personenverkehr auf der Bahn wieder attraktiver. 1935 beförderte die Bahn 64.312 Personen und 29.003 Tonnen Güter.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende April 1945 wurde der Bahnbetrieb wegen der vorrückenden Frontlinie eingestellt, konnte aber nach einigen Tagen wieder aufgenommen werden. Da die deutsch-polnische Grenze erst in der Folgezeit festgelegt wurde, blieben die an der Bahn liegenden Orte zunächst Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Allerdings musste am 8. August 1945 der Betrieb der Bahn erneut eingestellt werden, weil die Strecke von Daber bis Neuwarp als Reparationsleistung zugunsten der Sowjetunion demontiert wurde. Der etwa 10 km lange Abschnitt von Stobno Szczecińskie (zuvor Stöven Kleinbahnhof) bis Dobra Szczecińska (Daber) wurde von den Polnischen Staatsbahnen weiterbetrieben, dabei wurden die Personenzüge nach Szczecin Główny (Stettin Hauptbahnhof) durchgebunden. Auf der Reststrecke endete der Personenverkehr am 2. Juni 1973. Der Abschnitt jenseits von Dołuje (Neuenkirchen) wurde 1987 abgebaut, der verbliebene Streckenteil wurde am 28. November 2000 endgültig stillgelegt. Spätere Überlegungen, die Strecke bis Dobra Szczecińska wiederaufzubauen und sogar bis Police (Pölitz) zu verlängern, zerschlugen sich.

Die Gebäude des Bahnhofs Stolzenburger Glashütte wurden bis 1989 von der Deutschen Reichsbahn verwaltet, alle anderen Liegenschaften der früheren Kleinbahn auf deutschem Gebiet gelangten in das Eigentum der Anliegergemeinden.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 wurde der Abschnitt Rieth–Hintersee als Radwanderweg hergerichtet. Dabei wurden an den ehemaligen Bahnhöfen Rieth, Ludwigshof, Hintersee Nord und Hintersee Stationsschilder und z.T. nicht authentische Eisenbahnsignale aufgestellt. Auch der Abschnitt zwischen Glashütte (ab Wegekreuzung am Gorinsee) und Rieth kann als Radweg genutzt werden, dort verläuft der Oder-Neiße-Radweg. Auf deutscher Seite blieben zudem das Stationsgebäude in Hintersee und das dreiteilige Gebäudeensemble des Bahnhofs Stolzenburger Glashütte erhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfram Bäumer, Siegfried Bufe: Eisenbahnen in Pommern. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham und München 1988, ISBN 3-922138-34-9, S. 164ff.
  • Heiko Bergmann: Die Randower Kleinbahn. 2. Auflage. Schibri-Verlag, Milow 1996, ISBN 3-928878-48-4
  • Roland Ebert, Wolf-Dietger Machel, Hans-Joachim Pohl: Auf alten Bahndämmen ... Wanderung Nr. 60 am 6. Juni 2015: Die Randower Kleinbahn. Teilnehmerheft, Berlin und Borgsdorf 2015
  • Ryszard Stankiewicz und Marvin Stiasny: Atlas Linii Kolejowych Polski 2014. Eurosprinter, Rybnik 2014, ISBN 978-83-63652-12-8, S. B1 u. C1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]